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Nach jahrelangem Undercover-Einsatz in den Kreisen der abertzalen Linken, in denen sie sich erfolgreich als junge Sympathisantin der ETA ausgibt, erhält eine Polizistin endlich die Chance, auf die sie so lange hingearbeitet hat: Die ETA nimmt Kontakt zu ihr auf. Sie benötigt ihre Wohnung als Unterschlupf für zwei Mitglieder, die mehrere Anschläge vorbereiten sollen. Damit beginnt die wohl gefährlichste Mission ihres Lebens. Sie muss ihre Vorgesetzten informieren und gleichzeitig mit zwei Terroristen zusammenleben – wohl wissend, dass jeder noch so kleine Verdacht ihren sofortigen Tod bedeuten würde.

Diese Frau hat es tatsächlich gegeben. Sie war die einzige Person, der es jemals gelang, sich in die ETA einzuschleusen, ohne enttarnt zu werden. Inwieweit die im Film gezeigten Ereignisse exakt so oder in ähnlicher Form stattgefunden haben, lässt sich schwer sagen. Eines jedoch steht fest: Dieser Film ist ein echter Geheimtipp.

Vorkenntnisse zur Geschichte der ETA sind dabei keineswegs erforderlich, um der Handlung folgen zu können. Auch ich selbst verfügte lediglich über ein sehr oberflächliches Wissen zu dieser Thematik und konnte dem Geschehen dennoch problemlos folgen.

Die mir zuvor völlig unbekannte Carolina Yuste liefert eine herausragende Leistung ab und verleiht ihrer Figur eine enorme Glaubwürdigkeit. Genau so stellt man sich eine Ermittlerin vor, die jahrelang undercover arbeitet – angespannt, kontrolliert und stets am Rand der Selbstaufgabe.

An ihrer Seite agiert die spanische Schauspiel-Institution Luis Tosar, der mir bereits aus zahlreichen Filmen bekannt ist, unter anderem aus dem originellen Sleep Tight. Regisseurin Arantxa Echevarría betritt mit diesem Werk hingegen weitgehend Neuland, nachdem sie sich zuvor vor allem mit Komödien und Feel-Good-Filmen einen Namen gemacht hatte.

Die Atmosphäre der 90er Jahre ist äußerst stimmig eingefangen, und die permanente Bedrohung, jederzeit auffliegen zu können, gehört zu den großen Stärken. Die Spannung hält sich konsequent bis zum Schluss.

Unterm Strich bleibt ein hervorragend gelungener Genre-Mix aus Drama und Thriller, der interessante Einblicke in die Aktivitäten der ETA gewährt, ohne dabei so tief in die Materie einzutauchen, dass der durchschnittliche Zuschauer überfordert wird. Sehr gelungen!


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