Sights & Sounds
Hans Zimmer ist einer der stärksten und epochalsten Filmkomponisten aller Zeiten. Ehrlich und mittlerweile berechtigt gesagt ist er sogar einer der besten Musiker, die Deutschland je hervorgebracht hat, auf einer Stufe mit Legenden der Klassik, die er gerne selbst vergöttert, zitiert und die ihn inspirieren - wie Beethoven oder Bach. Er und seine Werke werden die Zeit überdauern. Und seine Konzerte sind immer ihr Geld wert und eine Wucht. Das ist Filmmusik, die unter die Haut und direkt in die Knochen geht. Und „Diamond In The Desert“ ist eine Mischform aus Doku und Konzertfilm, aus Show in Dubai und intimeren Gesprächen mit ein paar seiner Kollegen und Kollaborateure - darunter namhafte Ikonen wie Nolan, Villeneuve oder Bruckheimer…
Hans „Fucking Rockstar“ Zimmer
„Diamond In The Desert“ macht mir absolut Lust auf das Konzert von ihm, wo ich später dieses Jahr sein werde. Da hat es sich gelohnt sich auf Krücken ins Kino zu schleppen. Die Songs aus „Gladiator“ haben mir Gänsehaut auf den Rücken und Tränen in die Augen getrieben. Ein Highlight. „Lion King“ geht immer und ist ein fester Bestandteil meines Lebens seit meiner Kindheit. Unverzichtbar. Ein würdiges Finale. Gnadenlos gute Scores zu „Interstellar“, „The Dark Knight“ oder gar einem kleineren Anspieltipp wie „Dark Phoenix“ sind immer eine Ohrenweide - erst recht (leider nur teilweise) derart visuell gepimpt, unterstützt und erweitert. Und die kleinen Intermissions mit Chalamet, Zendaya, Pharrell und Co. sind kurz, knackig und größtenteils ungekünstelt, teils sogar mit der ein oder anderen witzigen, persönlichen Anekdote. Da kann man nicht meckern. Da kommt man als Fan schon auf seine Kosten. Nicht das Nähkästchen, aber close enough. Die zweieinhalb Stunden fühlen sich nicht zu lang an. Das passt. Andererseits ist's aber irgendwie alles doch nur aufgewärmter (zugeben: elitärer und opulenter!) Dienst nach Vorschrift und im (zu leisen!) Kino nicht halb so bombastisch wie ein Konzert von ihm, wo man live vor Ort und von den Socken ist. Zudem ist Dubai zwar visuell aufregend - wenn es, wie meist, im richtigen Licht und Winkel dargestellt wird! - doch für mich immer auch unsympathisch, künstlich und toxisch materiell. Zudem gefühlskalt und kein allzu euphorisches Publikum. Und es wird hier trotzdem von Zimmer gehuldigt als wäre es der neue Nabel der Welt. Das ist dann doch fake, falsch und anbiedernd. Bei solch tollen Tunes und Melodien ist das aber nur eine Fußnote. Genauso wie Stimmungsmacher und Musikstars wie der kultige, leidenschaftliche „Flute Guy“ - der dafür dann aber eine äußerst positive und sympathische!
Fazit: ein Hans Zimmer-Konzert hat immer viele Gänsehautmomente und legendäre Musik. Dubai hat eine famose, futuristische Skyline. Und die kleinen Inserts und Gespräche mit seinen Starkollegen sind nett. Doch richtig mehr als er muss, macht dieser hochkarätige, fast epische Konzertfilm nicht.