Renee und Clay Chadway stecken nach vielen Jahren in einer Ehekrise. Gegenüber ihrer Tochter JoAnne beschuldigt Renee ihn, eine Affäre zu haben – was sich offenbar als falsch erweist. Kurze Zeit später ist Renee spurlos verschwunden. Nach einiger Suche findet man sie desorientiert auf, aber nur, um wenig später erneut verschwunden zu sein. Was aber steckt hinter der Geschichte? JoAnne macht sich daran, den Fall näher unter die Lupe zu nehmen – und stößt dabei auf ein lange Zeit gut gehütetes Familiengeheimnis!
TV-Filme die unentschlossen zwischen Thriller und Familiendrama hin und herpendeln gibts ja genügend, waren für mich aber wegen ihrer Endlosdialoge selten eine Empfehlung wert. Tödlicher Verdacht fährt leider genau auf derselben Schiene und quatscht den Zuschauer zu Tode. Es gelang dabei zwar eine ganze Reihe routinierter Darsteller aufzutreiben, die ihre Lines souverän (wenn auch wenig enthusiastisch) abarbeiten, aber auch hier gibts Licht und Schatten. Da wäre der Charakter der Mutter Renee, die dermaßen psychopathisch unsaympathisch die tragische Figur geben soll, aber durch ihren permanenten ungerechtfertigten Verfolgungswahn, tierisch nervt und ein wohl Duracell Häschen im Schlüpper spazierenträgt, aber auch die Hauptprotagonistin Mary Gross als Tochter JoAnna wirkt viel zu blass für ihre Rolle und hat verdientermaßen eine sehr, sehr überschaubare Filmographie zu bieten.
Tödlicher Verdacht dreht sich dabei um drei zentrale Fragen, gab es überhaupt ein Verbrechen, oder hat sich Renee wie zuvor aus Selbstzwecken versteckt? Was weiß der gutmütige Clay wirklich und ist er in das eventuelle Verbrechen verstrickt (die Polizei will ihn sogar verhaften, auch ohne Leiche, Mordwaffe oder Indizien, was ein ziemlich lachhafter Subplot ist) und natürlich welch tiefe Abgründe spuckt die Familienhistorie noch aus, als JoAnna tiefer in der Vergangenheit recherchiert. Das ganze wird allerdings recht behende durchexerziert, das beinahe automatisch der Blick auf die Uhr eintritt, da hilft auch die vermeintlich schockierende Inzucht-Aussage wenig, weil einfach zu belanglos präsentiert und nach fünf Minuten eh wieder aus der Handlung verschwindet.
Spannung oder Action sucht man ebenfalls vergebens, alles wirkt hier wie eine Soap Opera auf Spielfilmlänge, verschiedene Nebencharaktere werden erst wichtig präsentiert, dann aber doch sträflich vernachlässigt (JoAnnas beide Geschwister besispielsweise). Die Darsteller bleiben recht blass und Leute wie Meg Foster oder Richard Crenna dürften sich beim Dreh wehmütig an erfolgreichere Zeiten erinnern. Es stciht einfach niemand positiv heraus, da kommt sogar Nervzicke Renee bzw. Angie Dickinson noch am lebhaftesten rüber, auch wenn ihre Rolle auch keine zehn Minuten dauert.
Ich fands insgesamt einfach viel zu brav und bieder, um von guter Unterhaltung zu sprechen. Jede TV-Serie bietet mehr Thrillerkapazitäten. Zudem ist die psychologische Aufbereitung am Ende reichlich fragwürdig und meiner Meinung nach zu sehr an den Haaren herbei gezogen. Ebenso warum es ein netter und außerdem reicher Mann wie Clay es 34 Jahre mit diesem Drachen ausgehalten hat kann ich nicht nachvollziehen, die Kuh hätte ich längst vom Hof gejagt. Bleibt ein mäßiger Thriller ohne Höhepunkte oder wenigstens fesselnder Story, man möchte beim schauen schon wissen wie es ausgeht, aber öfter schauen muß wirklich nicht sein.
3/10