Review

Regisseur Steven Spielberg leitete mit seinen „Raiders of the Lost Ark“ eine Renaissance des klassischen Abenteuerfilms ein. Etliche Plagiate folgten recht schnell lawinenartig auf dem Fuße. Kein Wunder also, dass sich auch B-Schmiede Cannon seinen Teil vom Kuchen abhaben wollte. Der erste Schlag war das Quatermain-Remake „King Solomon's Mines“. Ein Jahr später folgte „Firewalker“.

Nun hatten Menahem Golan und Yoram Globus selbstverständlich weder die finanziellen Mittel, noch gute Drehbücher und erst recht nicht das entsprechende Fachpersonal, das so etwas zu inszenieren wusste. Genau deshalb gehört „Firewalker“ zweifellos zu den schwächsten Cannon-Produkten der Achtziger.

Der einstmals Klassiker wie „The Guns of Navarone“ oder „Cape Fear“ realisierende Regisseur J. Lee Thompson hielt sich schon seit den Siebzigern größtenteils mit fix heruntergekurbelten Charles Bronson-Selbstjustizglorifizierungen der ruppigen Art über Wasser und landete schließlich gemeinsam mit Bronson als Stammregisseur bei Cannon, wo er nach dem ersten Quatermain-Abenteuer eben auch für „Firewalker“ engagiert wurde.

Nur leider fehlt dem Film aufgrund seiner finanziellen Beschränktheit und nicht existenten Ideen völlig der Unterhaltungswert. Chuck Norris („Missing in Action“, „Invasion U.S.A.“), damals ebenfalls schon länger in Diensten von Cannon, gibt hier zusammen mit Louis Gossett Jr. („An Officer and a Gentleman”, „Iron Eagle”), dessen Oscar-Kredit dank „Jaws 3-D” auch in Nullkommanix aufgebraucht war, ein abgewracktes Abenteurerduo, das sich mehr schlecht als recht über Wasser hält. Immerhin sind die beiden als dauerquasselnde Komiker ein Novum. Die deutlich lokal geprägte deutsche Synchronisation (Leider beide nicht mit ihren Stammstimmen), baut hier zwar ein paar Witze mehr, als der O-Ton offensichtlich bereit hält, ein, aber die beiden zu erleben, wie sie sich ständig die Kalauer um die Ohren schlagen, genießt zumindest exotischen Seltenheitswert. In so untypischen Rollen erlebt man beide nicht alle Tage und wenn auch viele Witze nach hinten los gehen, kann man sich angesichts der beiden Loser passabel amüsieren. Mit ein paar Promille bestimmt sogar sehr gut.

Nur schade, dass der Rest nicht von ähnlicher Qualität ist. „Firewalker“ zieht sich enorm, hat keinen Drive, keinen Flair und kann nur bisweilen mit Selbstironie (Indianer, die PSI-Force-Comics lesen) punkten. Da für eine temporeiche Jagd auf einen sagenumwobenen Schatz das Geld fehlte, erreicht man auch erst zum Schluss reichlich leer wirkende Pappmache-Kulissen. Bis dahin muss sich der Zuschauer mit einem sehr losen und ziellosen Plot herumschlagen, bei denen man sich stellenweise wirklich fragt, wohin die Expedition nun eigentlich führen soll. Beauftragt von der immerhin semiattraktiven Patricia Goodwin (Melody Anderson, „Flash Gordon“, „Dead & Buried“) sucht das mit Witzen um sich werfende Duo also nach einem Schatz, was erfahrungsgemäß nicht ohne weitere Probleme vonstatten gehen kann. So wollen es die Regeln des Genres.

Ein paar wenig aufregende Bahrschlägereien später, nach einem kurzgebundenen Schamanenbesuch und einem Kurztrip in eine Stätte der Majas, darf dann auch der hier vorrangig als Bösewicht in Erscheinung tretende El Coyote (Sonny Landham, der Billy aus „Predator“) mitmischen, böses Zeug zusammenbrauen und dem Trio verführerisch-tödliche Killervamps auf die haarigen Leiber hetzen. Bisschen Voodoo hätten wir also inzwischen auch schon abgedeckt.

Ziellos, das Trio immer wieder mit nach ihren Leben trachtenden, sich aber stets dümmlich anstellenden Indianern konfrontierend, plätschert das Skript vor sich hin und wirft die Hinweise stets so aus, dass man nur drüber stolpern kann. Zwischenzeitlich mal als Priester verkleidet und die Worte eines alten Suffkopps nicht vorsichtshalber mal in die Waagschale werfend, witzt man sich ins Landesinnere – größtenteils frei von Action, irgendwelchen spannenden Hindernissen oder gar überraschenden Momenten. Der kommt dann erst als man ausgerechnet mitten im Dschungel Chucks alten Kumpel, den korkigen Corky Taylor (Ausgerechnet Indys dicker Kumpel John Rhys-Davies) in seiner eigenen Kommune antrifft, worauf da erst mal groß Party gemacht wird.
Der Rest ist ein Run durch den Dschungel per VW-Käfer, ein Absäufnis des Gefährts im unterschätzten Flüsslein und das obligatorische Ende im verruchten Tempel, wo schon Fallen und der mies gelaunte Kojote zwecks blutiger Rituale, Opferung und tödlichen Dahinscheidens wartet. Achja, ein Schatz prunkt und blinkt da freilich sehr versteckt auch noch vor sich herum.

Tja, der solchen trashigen Stoffen nicht abgeneigte Zuschauer kann sich immer noch über die Synchronisation, Klischees, Anschlussfehler, Goofs usw. hermachen. Das mag bisweilen mit entsprechender Einstellung, die wohl nur bei genaustens durchkalkulierten Alkoholgenüssen zutage treten dürfte, gar nicht mal so übel unterhalten lassen. Denn an schrägen Ideen und so schlechten Witzen, die schon wieder gut sind, gibt es so einiges. „Firewalker“ tut gut daran, sich gar nicht ansatzweise ernst zu nehmen.

Auf der anderen Seite macht der Name Cannon in Verbund mit Chuck Norris Hunger auf etwas mehr und das kann J. Lee Thompson dann leider nicht mal im Ansatz bieten. Der Plot ist träge erzählt, die kantende Handkeile nie der Rede wert und von atmosphärischen Sets, Schwung oder gar Tempo ist hier auch nichts zu erblicken. „Firewalker“ ist nämlich leider etwas lustlos heruntergekurbelt worden – auch wenn die deutschen Synchronisationsautoren hier bei einigen Whiskeys ihre gesamte Kindlichkeit bewahrt haben. Vielleicht hätte man selbiges auch Gary Chang („Under Siege“, „Double Team“) zu Verfügung stellen sollen, denn seine unmotivierten Dudeleien tragen nicht gerade zum Filmvergnügen bei.


Fazit:
Wer in den sauren Apfel beißt, der sollte sich lieber auch gleich an den identisch betitelten Likör versuchen, denn dann ist „Firewalker“ dank seiner infatil-debilen Partysynchronisation und strangen Einfällen launige Abenteuer-Trash-Unterhaltung. Nüchtern hingegen, flacht der Filmspaß doch deutlich ab. Unattraktiv von J. Lee Thompson in Szene gesetzt, bleibt hier ein durch den löchrigen Plot nur mit Müh’ und Not zusammengehaltenes Abenteuer, das zaghaft versucht die üblichen Motive irgendwie zu verkoppeln, letztlich aber an seinen vielen Längen, Actionmangel und einfacher Atmosphärelosigkeit krankt.

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