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Nach dem fulminanten „Train to Busan“ werden natürlich nachfolgende Werke des Regisseurs Yeon Sang-ho mit diesem verglichen. Zwar liefert ein waschechter Thriller in der Regel nicht ein derartig rasantes Tempo, doch die Inszenierung findet andere Mittel, um zunächst Interesse auf sich zu ziehen.

Min-chan ist ein junger Pastor mit Leidenschaft und stets bemüht, neue Schäfchen in seiner Kirche begrüßen zu dürfen. Dabei ist er etwas verwirrt, eines Tages den schweigsamen Kwon in seinen Räumlichkeiten anzutreffen. Zu jener Zeit verschwindet ein Mädchen in der Gemeinde und der Geistliche ist sich sicher, dass Kwon etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat…

Sang-ho steigt mit einer unheilvollen Stimmung ein, da es anfangs aus Eimern schüttet und gewittert. Erst langsam werden das jeweilige Umfeld und die Hintergründe der drei wesentlichen Figuren enthüllt: Min-chan handelt konsequent nach göttlicher Fügung und hegt anbei den Verdacht, dass ihn seine Frau betrügt, zudem hofft er auf den Vorsitz einer neu errichteten Kirche. Kwon ist ein vorbestrafter Sexualstraftäter, der sich bereits auffällig verhält, als er zum Einstieg ein junges Mädchen verfolgt und anschließend in der Kirche landet. Als dritte Instanz fungiert Ermittlerin Yeon-hee, deren Schwester einst Opfer von Kwon war. Sie wird primär von Schuldgefühlen getrieben.

Die titelgebenden Offenbarungen lassen indes einige Zeit auf sich warten, wobei das Verschwinden des Mädchens ein wenig in den Hintergrund rückt und man intensiver auf Befindlichkeiten der besagten Hauptfiguren eingeht. Es gesellen sich einige Mystery-Elemente hinzu, welche kaum gruselig oder gar beängstigend anmuten. Im Falle der verstorbenen Schwester der Ermittlerin zählen jene Erscheinungen gar zu den überstrapazierten Elementen, welche die Story rein gar nicht voran bringen.

Viel interessanter entwickelt sich die Dynamik des augenscheinlich verblendeten Pastors, der irgendwann in eine Abwärtsspirale gerät. Allerdings gibt es auch in diesem Zusammenhang einige völlig unnötige Szenen, während andere zu schleppend vorgetragen werden, woran vor allem die Dringlichkeit des Unterfangens leidet, - schließlich wird immer noch ein Mädchen vermisst. Auch die Rolle der Ermittlerin gestaltet sich phasenweise zu passiv, es mangelt speziell im Mittelteil an spannenden Begebenheiten.

Bezeichnenderweise gerät gerade das Finale weitgehend spannungsfrei, zumal es in den wesentlichen Punkten zu vorhersehbar abläuft. Der Fokus der Figuren verschiebt sich ein wenig, was ebenfalls zum Nachteil gerät.
Was die Chose hingegen deutlich aufwertet, ist die treffende Besetzung und das durchweg überzeugende Schauspiel, auch musikalisch und handwerklich wird solide geliefert.

Dennoch macht sich nach dem viel versprechenden ersten Drittel ein wenig Ernüchterung breit, da die intensive Atmosphäre mehr und mehr einigen vermeintlichen Wahnvorstellungen weicht und die Ermittlungsarbeit sichtlich ins Stocken gerät. Phasenweise wirkt der Thriller innerhalb der deutlich zu lang geratenen zwei Stunden nahezu schwerfällig, was dem Spannungspotenzial gehörig in die Quere kommt.
5,5 von 10

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