Der Tod findet einen Weg!
Nach fast eineinhalb Jahrzehnten (!) Pause geht’s für Gevatter Tod mit „Final Destination: Bloodlines“ und dem sechsten Teil der Reihe (endlich?) weiter. Kein echter Workaholic mehr diese Mordmaschine - aber an Rente ist scheinbar noch lange nicht zu denken! Nun geht’s wieder nach altbewährter Methode einigen Leuten mehr oder weniger kreativ, blutig, funny, fies, spektakulär an den Kragen, die eigentlich gar nicht existieren hätten sollen… Da der Tod in diesem Reboot bzw. Teil-Prequel quasi noch eine Rechnung offen hat mit dem gesamten Stammbaum einer Familie bis weit zurück in die 60er, wo eigentlich eine ganze Partygesellschaft auf einem hohen Turm das Zeitliche hätte segnen sollen…
RIP, Tony!
Eigentlich war ich recht happy mit dem (damals überraschenden) Ansatz, den „Final Destination 5“ eingeschlagen und für die Reihe geboten hat. Das war ein sinnvoller Kreis (des Todes). Außerdem war Part 5 deutlich besser als sein direkter Vorgänger und er wertete die Reihe insgesamt zu einem guten, zurecht beliebten und unterhaltsamen Quintett auf. Kein Franchise für die Annalen. Aber mit 'nem Bier und ein paar Kumpels immer ein zuverlässig-sympathischer Zeitvertreib. Im Grunde ein gehässiges Gorefest fast näher an blutigen Cartoons als an Angst, Terror und dem klassischen Horror(genre). Denn um das Fürchten zu lehren, dafür waren die Kills und Vibes immer deutlich zu spaßig und unrealistisch und fluffig im schwarzhumorigen Sinne. Und auch „Final Destination 6“ bleibt diesem Niveau und Grundgefühl treu - was man verstehen kann und Fans erfreuen sollte. Man weiß eben, was man bekommt. Nun eben mit aktuelleren Mitteln, mehr Augenzwinkern denn je, einem eigentlich abgeschlossenen Franchise im Rücken und teils einer ganz neuen Generation im Publikum. Und sowohl für die als auch ältere Anhänger bildet das einen gelungenen und saftigen Start in den Kinosommer. Ich denke felsenfest, dass das noch immer zieht und funktioniert. Mein Kinosaal hatte jedenfalls pausenlos Spaß und ging mit. „Final Destinstion 6“ ist ganz sicher keine Offenbarung oder richtig, richtig gut. Aber für das was er macht und wovon er „abstammt“, geht das runter wie Öl. Manches CGI sieht sehr artifiziell und schwach aus. Das erwartbare „Katastrophenintro“ ist dafür sehr ordentlich, wenn auch nicht ganz top im Franchiseranking. Und die meisten der Opfer bleiben (trotz familiärerem Blickwinkel) austauschbar. Trotzdem weiß und spürt man mehr denn je was die Reihe ausmacht, wie sie funktionieren kann und wie man nicht aus der Zeit gefallen wirkt. Ich war irgendwie froh, einen „Final Destination“ im Kino zu sehen. Das tat gut. Das war pures Entertainment. Den generischen Beinamen „Bloodlines“ hatten schon viele langlaufende Horrorreihen als warnenden Untertitel (Wrong Turn, Friedhof der Kuscheltiere, Tremors) - wahrscheinlich nie wirkte jedoch ein Vertreter mit ihm hochwertiger, durchdachter und brauchbarer. Die Finten, die Fails, das Fallobst. Das Makabre und das Kreative. Alles da. Einige Nods zu Vorgängern - z.B. auffällig viele Laster mit Baumstämmen. Zudem Tony Todd, der einem nochmal echte Gänsehaut beschert. Kein Franchise wäre wohl passender für sein „Last Goodbye“ (selbst wenn er ewig eher „Candyman“ als Mortuary Man bleiben wird). Daher bin ich überraschend deutlich auf meine Kosten gekommen und Teil 6 reiht sich ca. mit Teil 3 auf dem Treppchen der Reihe ein. An den ersten beiden „Messlatten“ gibts jedoch kein Vorbei - fast wie am Tod höchstselbst.
Stammbaum (nicht nur) der Sachschäden
Fazit: solide (wenn auch nicht unbedingt benötigte) Fortführung, Vorgeschichte und Wiederaufnahme der augenzwinkernden „Todesshow“. Könnte zudem sogar standalone funktionieren. Fans der fünf Vorgänger werden auch hier auf ihre Kosten kommen, ohne dass ihnen das Herz jetzt komplett aus der Hose springt. Neu erfunden wird das „Rad des unnatürlichen Ablebens“ nämlich ganz sicher nicht und manch ein Katastrophen/-splattereffekt aus dem PC fällt flach. Hier hätte ich mir deutlich mehr handgemachtes, haptisches „Kopfzerquetschen und Co.“ gewünscht. Trotzdem: Insgesamt feuchtfröhlich, kurzweilig und effektiv in dem was er macht. I can Live (and let Die!) with that!