Das Leben ist gefährlich, insbesondere wenn man dem Tod schon einmal von der Schippe gesprungen ist. Das ist das Grundprinzip der FINAL DESTINATION Reihe, die uns in bislang fünf Teilen sehr unterschiedlicher Qualität zahlreiche hübsche „Freak Accidents“ beschert hat.
Teil 1, ursprünglich als X-FILES-Episode gedacht, brachte vor 25 Jahren etwas frischen Wind ins Genre – ein Horrorfilm mit dem unsichtbaren Sensenmann selbst als „Slasher“, das gab es bisher noch nicht. Teil 2 (der mit dem Holzlaster) kam in einigen Sequenzen noch an den ersten Teil heran, in Teil 3 (der mit der Achterbahn) und 4 (der mit dem Autorennen) ging es bergab, Teil 5 (der mit der Brücke, vor allem aber der mit der Augen-OP!) gelangen wieder erinnerungswürdige Szenen sowie ein überraschend runder Anschluss an Teil 1 (der mit dem Flugzeug).
Eigentlich erstaunlich, dass wir danach 14 Jahre auf eine Fortsetzung warten mussten und dann in einem Jahr sozusagen gleich zwei Filme dieser Art bekommen: THE MONKEY von Osgood Perkins wartete mit ganz ähnlichen alltäglichen Todesfallen auf, konnte aber mit seiner unausgewogenen Tonalität zwischen hartem Splatter und unlustiger Komödie nicht wirklich überzeugen.
Wer nun befürchtet, nach monatelanger Berieselung mit mehreren Trailern bereits einen Großteil des Films, bzw. den Ausgang gewisser Szenen zu kennen, kann aufatmen: Nicht alles geht im Film so aus wie im Trailer angedeutet, eine Szene kommt sogar in dieser Form gar nicht vor. Überhaupt ist es eine Stärke des Films, mit den Erwartungen des Zuschauers zu spielen. Das gelingt nicht immer, aber wenn, dann gehört das zu den wenigen Momenten, in denen man mit BLOODLINES wirklich Spaß haben kann.
Eine Überraschung hat der Film gleich zu Beginn parat: Die traditionelle große Katastrophenszene der Reihe spielt – in den 60er-Jahren. Das Aussichtsrestaurant „Sky View“ wird eingeweiht, es ist sogar 5 Monate vor Termin fertig geworden und wer sich mit Bauprojekten und FINAL DESTINATION-Filmen auskennt, weiß, was das bedeutet.
Dass BLOODLINES die Liste der Todeskandidaten deutlich früher anfangen lässt als üblich und Freund Hein nun ganze Familienstammbäume auslöschen muss, ist eine clevere Grundidee. Dass ausgerechnet ein Traum unsere Protagonistin dazu bringt, die Familiengeschichte aufzuarbeiten, ist dagegen eine äußerst dämliche Drehbuchidee und es wird nicht die einzige bleiben.
Skript, Dialoge und Figuren sind der absolute Schwachpunkt des Films. Die ständig gestresste Hauptfigur (Kaitlyn Santa Juana) ist wenig sympathisch, ihre Familie wird zu wenig charakterisiert, um irgendwelche Emotionen zu wecken, einzig Richard Harmon als Erik (der aus dem Tattoo Studio-Trailer) sticht mit seiner Egalhaltung etwas heraus, im Zweifelsfall sind aber alle etwas dumm, wenn man sie an ihren Entscheidungen misst.
Die Regisseure haben vorher mittelprächtige bis schlechte Genrefilme gemacht (u. a. FREAKS aus 2018) und so sieht auch dieser Film leider ein bisschen nach Stangenware aus. Das merkt man auch an kleinen Details wie der platten Musikauswahl: Vor der Anfangskatastrophe plärren „Bad Moon Rising“ und „Ring of Fire“ aus dem Autoradio, schwingt sich die Familie ins Wohnmobil, läuft „Spirit in the Sky“.
Was dem Film letztlich aber das Genick bricht und dem Zuschauer wirklich den Spaß verdirbt, ist das mäßige bis schlechte CGI. Wenn sich hier Metallstangen in Köpfe bohren, wenn Menschen von herabfallenden Gegenständen zermatscht werden oder sich Haut ablöst, dann sieht das meist schlichtweg aus wie in einem Trickfilm. Klar, die FINAL DESTINATION Reihe war nie Hardcore Splatter, aber diese Form der unausgereiften Computertricktechnik ist einfach nur ärgerlich und es ist schade um die liebevoll aufgebauten tödlichen Kettenreaktionen, wenn die „Pointe“ so lahm ist.