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Vorweg verzichte ich mal auf den Allgemeinposten, dass Videospielverfilmungen scheiße sind, dazu fehlt mir auf dem digitalen Unterhaltungssektor die tiefergehende Erfahrung. Das aus dem Weg geräumt ist "Until Dawn", die Verfilmung eines beliebten Horroradventures, ein Film, der einen binnen kürzester Zeit den Fakt vergessen lässt, dass man in einem abgedunkelten Kinosaal sitzt. Stattdessen wähnt man sich bereits nach den ersten Minuten auf einem nächtlichen Gurkenacker im Mondlicht nach Grüngold buddelnd.

Das Hauptproblem hierbei: das unumsetzbare Gimmick des Spiels, bei dem wirklich jede noch so marginale Entscheidung beeinflusst, ob man das Spiel mit dem kompletten Charakter - Cast durchspielt oder am Ende das Haus gewinnt und alle Pixelfrauen und - männer die digitalen Radieschen von unten betrachtet. Die Lösung hier ist etwas unbefriedigent, aber auch leider das kreativ und technisch naheliegendste: statt diesen Film interaktiv zu gestalten und damit den Fluss zu ruinieren oder andere technisch kostspielige Möglichkeiten wie einen Randomizer einzuprogrammieren setzt Regisseur den Plot immer mal wieder auf eine Szene zurück und lässt den winzigen Bodycount des Filmes von neuem volltröpfeln.

Dieses Filmgulasch beinhaltet neben jeder Menge Spuk und Zeitschleifen eine Alibiprise Coming of Age, einen großen Löffel Küchenpsychologie und und als Beilage Wendigos, Hexen und irre Ärzte. Davon ahnt die frisch dem College entwachsene Gruppe um die traumatisierte Clover, die ihrer verschwundenen und mutmaßlich toten Schwester nachtrauert und daher mit dem Rest ihrer Bagage (unter anderem ihrer BFF und ihrem Ex) zwecks Traumaverarbeitung hinterher reist.

Das Ziel, ein bei einen Minenunglück fast komplett tiefergelegtes Bergdorf mit perfidem Fluch, wird nur vom örtlichen Psychiater, einer Horde Wendigos und einer Hexe bewohnt, die es auf die Gruppe abgesehen haben. Immer und immer wieder. Der Clou: in dem verfluchten Kaff sterben die wenigen Besucher immer und immer wieder, bis sie total entmenschlicht selbst Teil des Spukensembles werden oder irgendwie entkommen. Der Rest des Filmes ist dann, wie mutmaßlich im Videospiel auch, ein mal mehr mal weniger heiteres Trial and Error eines Haufens postpubertärer Vollpfosten, eine ausartende Psychointervention, in der es um das nackte Überleben und Angstüberwindung geht. Achja, den philosophischen Diskurs über die Sterblichkeit gibt es beim Kartenkauf gratis dazu.

Schade, da hätte ja was draus werden können. Das Gimmick des Filmes ist ja nicht gerade schlecht. Aber warum dann nicht richtig die Regeln brechen und das Ganze auf 11 drehen, sich vom klassischen Horror über den Slasheraspekt bis hin zum Bodyhorror durcharbeiten? Das tut der Film zwar, aber die abwechslungsreichsten Momente sind im Filmgefüge nichts mehr als eine Hand voll Handyvideos vergangener Tode, während die ausgeführte Haupthandlung eher wenig frischen Wind bietet. Ausgenommen sei hier die herrlich bekloppte Badezimmerszene, die hier nicht gespoilert werden soll. Aber warum die Kiddies gleich zweimal hintereinander durch den selben maskierten Kasper fallen müssen will mir nicht in den Kopf.

Geschickter ist da der Aspekt der auftauchenden Stadt eingewoben, der nach jedem Tod eine neue Landmarke hinzugefügt wird und den Teenies ein indikator dafür ist, wie tief sie in der Scheiße stecken. Und auch dieser eine rote Hering vor dem Finale hat mich überrascht. Inszeniert ist das Ganze auch akzeptabel, aber es wäre doch schön gewesen, wenn die Ideen für einen richtigen Horrorfilm ausgereicht hätten statt für eine handvoll Jumpscares verwässert in literweise uninteressanter Exposition. Und nein, Horror meint hier nicht, dass ich mir mehr Gore gewünscht hätte, den gibt es hier in teenieverträglicher FSK 16 - Menge nämlich durchaus. Ich rede hier von echter Spannung und nicht dem Running Gag, dem nach Klo - Wer? entweder per Telekinese, an Ketten oder durch Wendigoklauen in Hauseingänge oder Gruben gezerrt wird. Und auch, wenn sie am Ende den Tag retten darf muss der Pädagoge in mir immer noch fordern: Gibt den übrigen Kids doch auch mal ein paar Teilerfolge mehr als den, zu dritt und nur knapp einen Wendigo per Vorschlaghammer erledigt zu haben.

Jaja, dieser Film von David F. Sandberg ist ein Paradebeispiel schlechten Horrors, klischeehaft besetzt, nicht besonders originell, ein Clusterfuck an Allgemeinposten des Genres und nicht im geringsten gruselig. Und dennoch: mein Begleiter und ich hatten einen Mordsspaß! Gerade die Badezimmerszene ließ uns vor Lachen fast ersticken und war alleine schon ihr Eintrittsgeld fast wert. Aber auch nur fast.

Fazit: 5 / 10 auf der Gurkenskala, 10 / 10 auf dem Trashometer und insgesamt ein guter Kandidat, wenn man sich seinen Abend unfreiwillig humorvoll gestalten will. Und nun halte ich eine stille Gedenkminute für jene Fans ab, die nach Sichtung an einem gebrochenen Herzen gestorben sind. Ruhet in Frieden. Oder, bis die Sanduhr sich wieder umdreht.








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