Review

"Deep Blue" ist der vielleicht spektakulärste Naturfilm seiner Art, mit vielen faszinierenden, nie gesehenen Aufnahmen. Man wagt gar nicht, sich auszumalen, wie viele Tage, Monate und Jahre die Aufnahmeteams auf und unter dem Wasser verbracht haben, wieviele Kilometer Film sie durch ihre Spezialkameras jagten. Viele Szenen in diesem Film sind einzigartig: Schwertwale, die mit gefangenen Robben das Jagen üben (sehr brutal!), Delphine, die durch ganze Wolken von Sardinen hindurchpflügen, Tiefseefische auf der Jagd, Pinguine, die wie Torpedos zur Wassseroberfläche schießen, um sich an Land zu katapultieren, und und und. Die Fülle und optische Brillanz des Materials ist beeindruckend und macht den Film auf jeden Fall auch für Leute sehenswert, die sonst kaum einen Zugang zu Natur- und Tierfilmen haben. Allerdings ist das Vergnügen nicht ungetrübt: die orchestrale Musik ist an vielen Stellen zu pathetisch, dramatisiert und vermenschlicht das Geschehen über Gebühr. Der Kommentar ist knapp - zu knapp. Bei vielen interessanten Einstellungen bettelt man geradezu um Erläuterungen, doch man wird vom Kommentator allein gelassen. So ist der Informationsgehalt des Films doch eher niedrig. Man hätte ja keinen Lehrfilm daraus machen müssen, aber etwas mehr Information hätte das Erlebnis mit Sicherheit intensiviert.
Der größte Kritikpunkt allerdings ist das Vorspiegeln einer heilen Natur, die ohne Bedrohung durch den Menschen existiert. Daß die pirouettendrehenden Tümmler in der Regel als Beifang in Treibnetzen (ver)enden und die Wale demnächst wieder zum Abschuß freigegeben werden, verschweigt der Film ebenso wie die Gefahren durch Schifffahrt und Militär (Stichwort Hochfrequenz-Echolote). Lediglich im letzten Satz deutet man verschämt an, daß alles nicht so heil ist, wie dargestellt. Ein bißchen mehr Mut hätte dem ambitionierten Projekt gut angestanden, aber offenbar wollte man es sich mit dem Mainstream-Publikum und der kommerziellen Auswertbarkeit nicht verscherzen. Schade. Deswegen nur 6/10 (die Photographie an sich würde ganz klar 10/10 verdienen).

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