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Eine Frau reist zusammen mit ihrem Mann nach Wien, wo ein Rasiermesserkiller seine Klinge schwingt. Als die Frau ein Techtelmechtel mit einem andern Mann beginnt, wird sie erpresst, bedroht und Morde zieren ihr Umfeld und die Frau vermutet als Täter einen ihrer früheren Beziehungen.

Dieser Streifen von Sergio Martino stammt aus der Zeit, in der die Giallowelle gerade begann auf die Zuschauer einzuschwappen und weist alle Zutaten auf, die man für dieses Genre benötigt.
Die Geschichte knüpft vielschichtige Banden zwischen den tiefgründigen Figuren, deren dunkle Seiten im Verlaufe der Handlung aufgedeckt werden, was für einige als Täter in Verdacht kommende Personen sorgt. So erfahren wir z.B. bald, dass das Liebesleben der weiblichen Hauptfigur in der Vergangenheit von einer sadomasochistischen Neigung zu ihrem damaligen Anvertrauten, der natürlich auch vor (Tat)Ort ist, geprägt war und ihr jetziges Verhältnis zu ihrem neuen Mann ebenfalls nicht das Wahre ist, denn der kümmert sich lieber um seine Geschäfte und so findet die Frau einen neuen Verehrer in der Bekanntschaft eines Draufgängers.
Den Schauspielern gelingt es ihre Rollen glaubwürdig rüberzubringen, aber mit Ivan Rassimov und George Hilton hat man ja auch keine Unbekannten auf der Darstellerliste. Besonders hervorzuheben ist allerdings die Leistung der bezaubernden Edwige Fenech, die hier nicht nur wieder atemberaubend schön anzusehen ist (bei manchen ihrer Einstellungen musste ich des Öfteren zurückspulen, z.B. bei ihrem himmlischen Augenspiel in der Restaurantszene), sondern ebenso ihre von Gefühlswechseln geprägte Rolle meistert.
Der Film verbringt viel Zeit mit der Darstellung der Charaktere und vor allem der Entwicklung von Edwiges Figur und die für den Giallo typischen Morde treten nur vereinzelt auf, sind dann aber gelungen inszeniert ohne zu viel Blutvergießen zu zelebrieren. So wird mit der Kamera viel herumexperimentiert, was zu phantastischen Einstellungen durch längere Kamerafahrten ohne Schnitt, Zeilupen, subjektive Sichtweisen inklusive Hichcockduschszenenhommage und Kameradrehungen (sehr gelungen bei Frau Fenechs Telefon-, Schock- und Ausrasterszene) führt.
Hinzu kommt eine ständig präsente musikalische Untermalung, die aus den spannenden Szenen noch mehr Nervenkitzel herausholt und beispielsweise bei den eingestreuten Rückblenden in das ehemalige Liebesleben der weiblichen Hauptfigur für traumatische Empfindungen sorgt. Sehr schön finde ich die Tatsache, dass sich die für die Musik verantwortliche Frau Orlandi im übrigens sehr empfehlenswerten Bonusmaterial der Koch Media DVD, in dem man sich davon überzeugen kann, dass Edwige Fenech selbst nach über 35 Jahren seit Herstellung dieses Films eine wahre Schönheit geblieben ist, bei Quentin Tarantino dafür bedankt, dass er ihre Melodien für sein "Kill Bill" Werk verwendete.
Das Ende von "Der Killer von Wien" überzeugt dann, zumindest wenn man kein kleinlich auf Logik beharrender Zuschauer ist, mit einer grandiosen Wendung just in dem Moment, wo man meint, dass gleich der Abspann einsetzen werde.
Gewollten Humor sucht man vergebens, denn hier haben wir es mit einem ernsthaften Italokrimi zu tun, aber an einer Stelle musste ich dann doch schmunzeln, was wohl auf die deutsche Synchronisation zurückzuführen ist, denn als ein Arzt an der flach liegenden Edwige Fenech feststellt "Sie hat einen Schock" führt er auf Nachfrage nach dem Auslöser professionell weiter "Das kann ich ihnen auch nicht sagen, vielleicht durch einen Schock".

Insgesamt sei dieser Giallo wärmstens denen empfohlen, die nicht allzu großen Wert auf zahlreiche und explizit dargestellte Morde legen, sondern für einen fein inszenierten Thriller mit interessanten Figuren zu haben sind.

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