Naja, man ist nicht unbedingt Fan oder Liebhaber der italienischen Genres (außer Western), aber man freut sich halt über jede Perle, die man irgendwo mal ausgraben kann, und da gibt es gerade aus dieser Ecke doch einiges zu bergen.
Mit Sergio Martino hatte ich schon mal einen schlechten Start, denn als ich den, meiner Meinung nach, grauenhaft routinierten "Der Schwanz des Skorpions" sah, hatte ich alle meine Hoffnungen in Martino erst einmal vergraben.
Nun sah ich den "Killer aus Wien" und er ist schon etwas besser. Martino steht immer in dem Ruf, ein guter Handwerker zu sein. Das merkt man auch. Von einer richtigen Katastrophe oder einem schlechten Film sind wir hier weit entfernt. Aber aus Martino eben wegen seiner Fähigkeiten etwas besonders zu machen, täte manch talentiertem Routinier oder einer Legion anderer Handwerker, aus den verschiedensten Sparten, einfach gewaltig unrecht. Soll heißen mancher Handwerker versteht sich eben darauf eine Geschichte gut zu erzählen, ein brauchbares Netz zu spannen, ja, Spannung überhaupt zu erzeugen und mit einem gewissen Rhythmus durchzuhalten. Aber so was findet hier nicht wirklich statt.
In drei Szenen gelingt es Martino wie aus dem nichts Spannung aufzubauen, wenn eine Frau durch den Park läuft oder eine dunkle Tiefgarage durchquert und eben irgendwo ein Killer lauert, was aber für einen 97 Minuten langen Film irgendwie nicht ausreicht.
Martino zeigt uns ansonsten immer wieder nackte Brüste, ein paar etwas blutige Schnitte mit dem Rasiermesser und schwarze Handschuhe in Nahaufnahme.
Davor, dazwischen und danach geht es im Grunde recht belanglos zu. Ein Ehepaar kommt nach Wien, weil es zwischen den beiden nicht mehr so gut läuft. Was die Frau (Fenech) ihrem Gatten auch einmal vorwirft.
Sie lernt einen jungen Mann (Hilton) kennen, der sie will, aber sie will ihn nicht, bzw. hat da zunächst Skrupel. Er sagt "Si" und sie sagt "No". Alles recht hanebüchen, belanglos und unterdurchschnittlich geschrieben. Auch nur Ansätze einer Figurenzeichnung scheinen Martino nicht zu interessieren. Das ist auch kein Problem. Aber warum dennoch soviel Gelaber? Hier, wie auch an anderen Stellen, kommt einem der Eindruck, es ginge nur um die Verkaufbarkeit des Produktes. Wir packen ein paar Zutaten, die man erwartet, rein und fertig.
Jedenfalls begeht sie dann doch Ehebruch, es gibt einen Zeugen, er möchte die Gute erpressen und somit kommt eine Kriminalhandlung in Gange. Der Umstand, dass in Wien gerade ein anderer Killer zu Werke geht, verschwimmt etwas mit dem Erpressungsfall und es wird sehr undurchsichtig, welche Tat nun dem Killer und welche dem Erpresser zuzuschreiben ist. Das Ganze ist so verworren und konstruiert bzw. geschustert, wie es sich hier anhört.
Im letzten Drittel des Films, kommt eben der Killer ums Leben und alle, die dachten, der Killer und der Erpresser wären ein und dieselbe Person nehmen an, alles wäre erledigt und hätte sich in wohlgefallen aufgelöst. Es findest sogar ein Kulissenwechsel statt um diese Stimmung des Aufatmens zu unterstreichen. Also wartet der Zuschauer etwa 20 Minuten bis der wahre Killer/Erpresser nochmals zuschlägt. Da gibt es dann auch eine leidlich achtbare Überraschung und ein Finale, das ich nicht mochte. Hier sei nicht mehr verraten. Wer den Film nicht sehen mag, kann mich ja via E-Mail fragen.
Ab und an wird der Film noch mit ein paar angedachten Ideen garniert. So bekommt die Gute immer wieder Blumen mit netten Karten vom Unbekannten, die ihr zusetzen sollen. Wir sehen ein paar Traumsequenzen, die ihre masochistischen sexuellen Vorlieben grell beleuchten (Sex auf Glasscherben). Am Anfang wird sogar noch Sigmund Freud damit zitiert, dass, sinngemäß, in jedem Menschen etwas von einem Mörder steckt. Entsprechend sind einige Personen mehr oder weniger verdächtig.
Die Besetzung war zweit- bis drittklassig. George Hilton ist so ein Stück Holz, dass viel zu oft als Inventar verwendet wird. Auch ansonsten hat niemandes Anblick wirklich erfreut. Es spielt ja alles in der upper class und manch mondänes Gehabe wirkte einfach ... nicht so toll.
Einzig Ivan Rassimov kann man wie immer eine gewisse Präsenz nicht absprechen.
Edwidge Fenech ist sehr hübsch und alles. Unbenommen. Aber sie ist oft so hölzern und langweilig, bar jeglicher Ausstrahlung, dass ich sie einfach nicht mag.
Letztlich wurde auch hinsichtlich der Musik nichts berauschendes geboten.
Schlussendlich:
"Der Killer aus Wien" ist ein sehr mittelmäßiger Film. Man kann ihn sich ansehen. Man ist aber nie wirklich gefesselt oder von irgendwelcher Brillanz beeindruckt.
Wenn man meint, die besten Giallo's gesehen zu haben und man möchte noch einen, der alle wesentlichen Elemente enthält und dabei irgendwie ordentlich gemacht ist, dann ist man schon richtig. Aber gut oder anderweitig bemerkenswert ist hier nichts.