Italo-Regisseur Sergio Martino, der mir in der Vergangenheit in erster Linie als Exploitation-Horror-Filmer ein Begriff war, drehte mit „Der Killer von Wien“, der ungefähr ein Jahr, nachdem Dario Argento mit „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ das Genre so richtig ins Rollen brachte entstand, einen lupenreinen Giallo, der unter Freunden des reißerischen italienischen Thrillers bis heute als großer Klassiker gilt. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, denn auch ich wurde von der Aura der wunderschönen Edwige Fenech (und ihren originaltitelgebenden seltsamen Lastern) ergriffen, die an den Drehorten Wien und Spanien um ihr Leben bangen muss. Ihre Rolle, die US-Businessman-Gattin Julie Wardh, gerät in einen fiesen Strudel aus Intrigen, Psychospielchen und Morden, den Martino überaus stilvoll zu inszenieren wusste. „Der Killer von Wien“ ist erotisch, ohne billig bzw. „sleazig“ zu sein, das Drehbuch ist bis auf einige denkwürdige Dialoge wirklich gut und erzeugt Spannung und die Atmosphäre des Films mitsamt des bemerkenswerten Scores von Nora Orlandi sorgt für eine wohlig-unwohlige Stimmung beim Zuschauer, während dieser sich an der guten Besetzung erfreut und neben Edwige Fenech, die hier wirklich zum Verlieben ist, George Hilton als Playboy/Gigolo und Ivan Rassimov als raubeinigen Stalker bei ihrem Treiben zusieht und darauf wartet, dass sich die einzelnen Puzzlestücke zu einem großen Ganzen zusammensetzen – ohne dabei am Ende, wie in einigen anderen Gialli leider der Fall, enttäuscht zu werden. Die typischen Giallo-Charakteristika werden dabei geschickt variiert. Die teilweise faszinierende Kameraarbeit versucht sich – vermutlich inspiriert von Argento – an vielen kreativen Einstellungen und Details und liefert schöne Bilder mit Tiefe und Lokal-/Zeitkolorit. Die Gewaltszenen wurden wohldosiert eingesetzt, ohne es zu übertreiben. Einzig die x-te Wendung im Finale hätte man sich meines Erachtens besser gespart, um es bei einem bösartigen Schlussstrich zu belassen. Die in Giallo-Form dargebrachte Geschichte um ein egozentrisches, über Leichen gehendes Männerkonglomerat aus der Oberschicht schnürte Martino zu einem überaus überzeugenden, stilsicheren Gesamtpaket, das beispielsweise einen „Torso“ vom gleichen Regisseur und aus dem gleichen Genre um Klassen abfallen lässt. Es würde mich nicht wundern, wenn es sich bei „Der Killer von Wien“ um Sergio Martinos beste Regiearbeit handeln sollte.