Review
von Leimbacher-Mario
Ein Chuck Norris-Witz in Filmform
Chuck Norris hat fast ausschließlich anspruchslose, sehr kultige Actionkost im Programm. Doch mit "Invasion USA", unübersehbar einer Cannon-Produktion, schoss er wirklich den Vogel ab - und eigentlich alles Andere gleich mit. Es geht ähnlich wie im ein zuvor erschienen "Red Dawn" um eine riesige Gruppe kommunistischer Terroristen, die in Amerika landet & das Land mit Angst, Gewalt & Schrecken überzieht. Natürlich kann sie nur einer aufhalten: Mr. Brusthaar höchstpersönlich! Klingt bescheuert, klingt lächerlich, klingt unfreiwillig komisch - und ist all das & noch viel mehr. Er ist unfreiwillig seiner Zeit voraus gewesen & nahm sich wirklich ernst - heute ist er als spaßiges & grottig-gutes Relikt aus einer kalten Zeit zu sehen. So überzogen & testosterongeladen, dass er einer Parodie näher ist als einem ernsten Actionfilm. In etwa wie eine zerstückelten Mischung aus "Phantom Kommamdo" & "Stirb Langsam" in trashig. Seine Zusammenhanglosigkeit ist dabei seine größte Schwäche & lässt uns ihn außer ein paar Highlights schneller vergessen als hier die Bazookas (nicht) nachgeladen werden.
Als eines der größten & ruinösesten Cannon-Projekte aller Zeiten, sowohl finanziell (bis auf spätere VHS-Einnahmen) als auch von der Reputation, ist "Invasion USA" ein Hochpunkt des schlechten Geschmacks der 80er. Das Jahr 1985 passt hervorragend zu ihm. Nicht falsch verstehen: ich habe wirklich einen blinden Fleck im Herzen für diese kleine Spaß-Granate, daher sind die negativ tönenden Kommentare objektiv zu verstehen - mein Herz spricht jedoch eine andere Sprache. Und wer etwas für die Cannon-Filme, Chuck oder B-Action-Movies übrig hat, befindet sich hier eh im Videotheken-Himmel. Dumm, dümmer, C.N.. Was passiert, wenn Cannon voller (fälschlicherweise) Selbstbewusstsein satte 12 Millionen Dollar in ihr nächstes Prestigeprojekt pumpt, sieht man hier schmerzhaft & eindrucksvoll zugleich. Und was für ein Selbstbewusstsein oder besser gesagt Norris-Bewusstsein man scheinbar hatte: einem Bodycount von weit über 100 steht die Charaktertiefe eines Trailers gegenüber, dutzenden Explosionen der Storyzusammenhang & die Schnitttechnik eines Vorschultheaters. Hat alles Vor- & Nachteile - doch die berühmte Nostalgiebrille hilft hier natürlich ungemein. Filmisch stolz dürfte jedoch keiner der Beteiligten auf das Werk sein. Kein Wunder das Chuck danach auf Abstand von Cannon ging & die großen Pläne über den Haufen warf. Etwas schade jedoch trotzdem. Ihr merkt: nennt mich Schizo in diesem Fall :)
Ohne Frage Highlights in der Hirn-aus-Herz-an-Krawall-Unterhaltung, sind ein erbarmungs- & grundloser Angriff der Terroristen auf eine Vorstadtsiedlung voller spielender Kinder (!) oder eine Autoverfolgung, in der eine Geisel mal eben ganz lässig über etliche Minuten mit einer Hand aus dem Fenster festgehalten & mitgeschliffen wird. Es ist wirklich schwer vorzustellen, wie man so etwas damals ernst nehmen & stark finden konnte. Heutzutage aus revidierter Sicht, auch etwas mit kindlicher Unschuld & hohler Birne, ist das alles direkt wesentlich unterhaltsamer & entspannter, trotz angespannterer & dem Film ähnlicher gewordener Terrorlage. Das Augenzwinkern muss man sich dann halt selbst im Spiegel machen. Der Bösewicht ist herrlich schmierig, die Idee war seiner Zeit voraus & Norris siebt durch die Massen an Badboys (& zur Not auch Zivilisten) wie ein Mähdrescher auf Speed. Allein seine zwei Uzis im Halfter sind klasse & schlicht Legende. Klare Sache & jederzeit spürbar aus der Rücksicht, dass zu diesem Machwerk zuerst nur das reißerische Poster da war (wie so oft bei Golan/Globus-Productions) & der Film dann schnell nachgefeuert werden musste...
Fazit: so blöd, flach & leer, dass man einfach Spaß haben muss. Der simpelste & platteste Film des Texas Rangers - und gerade deswegen so kultig?!