Review

Der Urknall des 80er-Machokinos

Chuck Norris, das wandelnde Denkmal amerikanischer Muskelkraft, Patriotismus und Minimalmimik, liefert hier ein Bollwerk aus bleihaltiger Action, politischer Unkorrektheit und reaktionärem Testosteron-Kino ab, das heute gleichermaßen absurd wie herrlich wirkt. Produziert von den legendären Cannon Studios – jenem Mekka des testosterongetränkten Machokinos der 80er – ist dieser Streifen so herrlich reaktionär, so politisch unkorrekt, so übertrieben, dass er heute wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Galaxie. Aber: ein verdammt unterhaltsames Relikt. Wer Chuck Norris sagt, muss Cannon sagen. In dieser Symbiose fand Norris seine erfolgreichste Zeit. Mit Invasion U.S.A. von 1985 gelang ein Action-Kracher, der bis heute als Inbegriff dieser Ära gilt. Hier knallt es, hier kracht es, hier wird geschossen, gesprengt, geprügelt und natürlich stoisch geschaut, als wäre die Welt ein einziger Karatekurs.

Die Handlung ist wohl dünner als ein Blatt Papier, aber was anderes erwartet man bei so einem Streifen auch gar nicht. Ein Haufen klischeehafter Bösewichte – allen voran der eiskalte Terrorist Rostov (gespielt vom wunderbar schmierig-dämonischen Richard Lynch) – will die USA ins Chaos stürzen. Ihre Methode: eine paramilitärische Invasion über die heimische Vorstadtidylle, mitten hinein in den amerikanischen Traum von Rasenmähern, Pickups und Weihnachtslichtern. Und natürlich gibt es nur einen Mann, der diesen Albtraum stoppen kann: Matt Hunter, der stoische Ex-Agent mit der Durchschlagskraft einer Panzerfaust und der Coolness eines Kühlschranks auf Dauereis. Gespielt von Chuck Norris, versteht sich. Hunter lebt eigentlich zurückgezogen im Sumpf – so wie es sich für einen waschechten Helden gehört. Doch als das Vaterland bedroht ist, greift er wieder zur Maschinenpistole, denn wie wir alle wissen: Ruhe ist in einem Cannon-Film keine Option.

Norris war hier nicht nur der Held vor der Kamera, er schrieb auch am Drehbuch mit. Gemeinsam mit seinem Bruder Aaron und Autor James Bruner bastelte er an der Geschichte. Was dabei herauskam, klingt in etwa nach dem Rezept: Man nehme patriotische Parolen, würze sie mit Kalaschnikow-Geknatter, füge eine Prise Pathos hinzu und garniere das Ganze mit One-Man-Army-Action. Fertig ist der Cannon-Cocktail. Ja, die Dialoge sind stellenweise zum Augenverdrehen, aber genau das macht den Charme aus. Wenn Norris spricht, ist jedes Wort eine kleine Naturkatastrophe. Kurz, knapp, trocken – wie ein Faustschlag ins Gesicht. Natürlich wirkt das Skript aus heutiger Sicht haarsträubend einfach: Die Guten sind strahlend gut, die Bösen so böse, dass sie vermutlich schon beim Frühstück kleine Kinder erschrecken. Aber genau diese Schwarz-Weiß-Malerei macht den Reiz aus. Kein doppelter Boden, keine subtilen Nuancen – hier wird noch Klartext gesprochen, und der heißt: Amerika wird bedroht, Chuck Norris rettet es. Punkt.

Cannon at its best

Regisseur Joseph Zito – zuvor bereits verantwortlich für Missing in Action und später für den knallharten Red Scorpion – versteht es, Atmosphäre nicht über Subtilität, sondern über Explosionen zu erzeugen. Das Amerika der 80er wird hier als heilige Bastion inszeniert, bedroht von fremden Mächten, die in der Vorstadt Feuer legen und Einkaufszentren in Schutt und Asche verwandeln. Es ist die Zeit des Kalten Krieges, und man spürt jede Sekunde, wie sehr der Film auf dieser politischen Grundspannung reitet. Aus heutiger Sicht wirkt das alles naiv, manchmal unfreiwillig komisch, aber eben auch charmant. Nostalgie pur. So absurd das alles wirkt, so sehr transportiert der Film die raue, übersteigerte Atmosphäre der 80er.

Wenn man Invasion U.S.A. auf eine Formel herunterbricht, dann lautet sie: "Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird weggeblasen." Und das ist nicht übertrieben. Häuser explodieren, Autos fliegen durch die Luft, ganze Straßenzüge verwandeln sich in Schlachtfelder. Der Bodycount ist angenehm hoch, das Blut spritzt filmisch-schön, so dass jede Kugel wie ein kleines Feuerwerk wirkt. Der Film gönnt dem Zuschauer keine langen Atempausen, stattdessen jagt eine Explosion die nächste. Es ist dieses rohe, handgemachte Gefühl, das Invasion U.S.A. so authentisch macht. Joseph Zito inszeniert das Ganze mit einer Ernsthaftigkeit, die heute beinahe schon lächerlich wirkt – und gerade deshalb funktioniert. Er lässt keine Gelegenheit aus, Norris als unerschütterliche Statue von Männlichkeit zu zeigen. Kamerafahrten verharren auf dem stoischen Gesicht, während hinter ihm halbe Städte in Flammen stehen. Er ballert mit stoischer Präzision, als hätte er direkt in Rambo’s Waffenkammer gebadet. Dabei ist es fast egal, ob er zwei Uzis gleichzeitig bedient oder aus der Hüfte ein Dutzend Gegner wegfegt – seine Präsenz allein reicht, um jede Szene zur Ikone zu machen. Die Bösewichte sind herrlich überzeichnet, fast schon Karikaturen, aber sie machen ihre Sache großartig. Besonders Richard Lynch überzeugt hier als gnadenloser Schurke, mit durchdringendem Blick. Es braucht genau so einen Gegenspieler, um Chuck Norris wirklich glänzen zu lassen.

Fazit

Invasion U.S.A. ist pures, unverfälschtes, testosterongetränktes Action-Kino. Es ist ein Film, der mit blankem Stahl und heißem Blei die Seele des 80er-Jahre-Kinos destilliert. Dünne Story? Geschenkt. Klischeebösewichte? Unbedingt. Ein Held, der alles wegbrennt, was sich ihm in den Weg stellt? Genau darum geht es! Die politische Botschaft ist reaktionär und so schwarz-weiß, dass selbst ein Western dagegen differenziert wirkt. Es ist ein Relikt aus einer Zeit, als Action noch nicht ironisch gebrochen, sondern mit voller Überzeugung auf die Leinwand gehämmert wurde. Heute wirkt es überholt, ja – aber eben auch wie eine Zeitkapsel, die uns zurückführt in eine Ära, in der Chuck Norris mit einer Maschinenpistole bewaffnet die Welt retten konnte. Mit Invasion U.S.A. haben die Cannon Studios Chuck Norris einen der ikonischsten Filme seiner Karriere beschert. Ein Werk, das nicht nur unterhält, sondern auch daran erinnert, wie kompromisslos, blutig und zugleich naiv Kino einmal sein konnte.

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