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“Ich bin nicht interessiert, verstanden?

Allmachtsfantasie von Weltpolizist Chuck Norris, der die amerikanischen Gefilde von russischen Invasoren reinigt und das Land wieder zu dem Freiheitsliebenden Staat wie zuvor macht; inszeniert im Fahrwasser natürlich von Die rote Flut (oder als modernes Update vom '52er Invasion, U.S.A., einem wenig bekannten Vertreter des Red Scarce Genre von American Pictures Corp. unter Regie von Alfred E. Green, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges), hier auch vom Cannon Group Experten Joseph Zito, für so einen altgedienten Mann wie bspw. J. Lee Thompson wäre das Szenario vielleicht eine Nummer zu groß, zu mächtig in der Ausdehnung. Dabei ist es fast verwunderlich, dass der Film zwar zu den erfolgreicheren Erzeugnissen von Norris handelt und bestimmt auch zu den bekanntesten, aber nicht an Nummer Eins der Bestenliste steht, eigentlich müsste ja jeder Patriot gleich drei- bis viermal in den Film gerannt sein, das Einspiel von ca. 17 Mio. USD und damit der Hälfte vom Milius angesichts des Potentials doch eher eine Enttäuschung, da wurden entweder die Zahlen vertauscht oder es fehlt eine Null hintendran:

Als die Küstenwache ein Boot mit ermordeten Kollegen vor der Küste Floridas findet, werden auch FBI und die Polizei von Miami eingeschaltet; währenddessen landen lateinamerikanische Guerillas in Florida, angeführt vom sowjetischen Agenten Michail Rostow [ Richard Lynch ]. Der ehemalige CIA-Agent Matt Hunter [ Chuck Norris ] wird gebeten, aus dem Ruhestand zurückzukehren, lehnt jedoch ab. Als Rostov und ein Guerillateam Hunters Residenz in den Everglades zerstören und seinen Freund John Eagle [ Dehl Berti ] bei einem gescheiterten Attentatsversuch töten, wird Hunter überzeugt, es sich anders zu überlegen.

Über ein Massaker auf hoher See, dass eingangs gar nicht richtig zum Film zu gehören scheint, wird die einköpfige Bürgerwehr, der Nationalheld vorgestellt, USA hier noch das Land der unbegrenzten Träume und Möglichkeiten, wollen kubanische Flüchtlinge ihr Dasein verbessern und über den Wasserweg in das Gelobte Land; eine falsche Patrouille fischt sie auf und richtet die potentiellen Migranten hin, ein Todestaumel als Eröffnung, dann die einzige Möglichkeit, die Invasion noch aufzuhalten und zu unterbinden, Chuck Norris, Beherrscher der Sümpfe Floridas, die hier die Einfallspforte für die roten Teufel sind. Das FBI, die CIA, die Küstenwache und die örtlichen Behörden, inklusive dem Morddezernat sind zwar schon am Ermitteln, ebenso wie eine lästige Reporterin aber ohne Hinweise und Ahnungen und Anregungen und Zeugen, Hauptsache etwas Bang for the Bucks, das sowieso hier das Motto, die Ausgangslage nicht zu hinterfragen, die Logik zu unterbinden, die Fehlersuche zu unterlassen, das Spektakel steht über dem Ganzen. Alligatoren werden mit bloßen Händen gefangen, noch die leichteste Übung hier, da wird man auch mit ein paar Kommunisten fertig, die die freie Welt erobern wollen und sich Waffenarsenal vom lokalen Schneekönig, vor einem unfreiwilligen Sturz aus dem geschlossenen Fenster besorgen.

Der Kingpin von den Keys ist noch der kleinste Fisch im Teich, bald hat er keinen Unterleib und so auch kein Leben mehr, die Stunts und die Brutalität des Filmes schon mal vorbereitend, es kommt noch zu viel mehr, es wird noch einiges geboten. Die Vorbereitung dafür ist nicht etwa still und leise, es kommen bald die ersten Lichtblicke und Anreize, die Vorstellungen von Antagonist und Protagonist, genau in dieser Reihenfolge. Die Aktionen häufen sich und werden größer, ein Angriff mit der Bazooka auf die Botschaft, Zeit zum Sterben, scheinbar, auch ein Bösewicht hat Albträume hier, eine persönliche Attacke vor Beginn der Operation, das macht der Film nicht ungeschickt, eine Besessenheit auf beiden Seiten, keinerlei Bescheidenheit. So wird aus einem malerischen Stück Sumpfland und Holzbaracke Kleinholz gemacht, mit schwerer Artillerie und Schnellfeuerwaffen, mit Heimtücke und Großkalibrigen ein Flammenmeer entfacht; erneut ein Sprung aus dem geschlossenen Fenster, aber diesmal mit Absicht, in voller Bedacht, die Explosion im Rücken, statt einem toten Feind einen umso erbitterten Gegner und Widerstand gemacht. Eine Vendetta über das Land verteilt, schlafende Hunde geweckt, die Friedfertigkeit der Amerikaner unterschätzt, erst die Trümpfe der Überraschung in der Hand, dann den Feind im Nacken, “Sieh Dir doch die Menschen mal an. Die glauben doch, das Universum würde ihnen gehören.“. Zuweilen kehrt Zito gar zu seinen Slasher-Wurzeln zurück, dann der moderne D-Day, per Wasser die große Invasion, nicht aus den Lüften wie beim Milius, hier steht auch eine Flotte an Lkws bereit, “Die nächsten 24h wird sich Amerika gewaltig verändern.“, viele unschuldige Menschen im Visier, das Kleingedruckte wird überlesen, hermetische Abriegelungen verhindern die Zerstörung von Familienhäusern nicht.

Der American Way of Life wird hier unter Belagerung und Beschuss genommen, sich gar um die Handhabe des Granatwerfers gerissen, verwüstete Viertel und ein halbfertig geschmückter Weihnachtsbaum bleibt bloß über. Chaos und Terror wird über dem Staat verteilt, ein Community Center zusammen geschossen, eher kleine Nadelstiche als die allgegenwärtige Invasion, Kleinvieh macht auch Mist, Plausibilität ist nicht das Problem, es wird ersetzt durch Druck und Tempo, die hauptsächlichen Mittel für die Actionfraktion. Durch mal bessere und mal schäbigere Ecken wird sich bewegt, auf der Mauer, auf der Lauer, Gefallen werden eingefordert, Oneliner spendiert, eine Aufwiegelung der Bürger, viel wird auch über die Nachrichten nur 'gezeigt', die Finanzierung für das Studio größer, aber nicht unendlich, man muss Prioritäten setzen. So werden zwischendurch auch mal Handlanger gescheucht, üble Spelunken gesucht, sich mit einem aufgepumpten Schergen aus der Muckibude angelegt; der Abwechslung halber aber auch ein volles Einkaufszentrum demoliert, es brennt an allen Ecken und Enden hier. Popcorn-Kino zur Weihnachtszeit, Leichen und Grußkarten über dem ganzen Boden verteilt. Die Szenen schwungvoll und ruppig zugleich, mit wilden Stunts, glorreich zelebriert und ohne Rücksicht auf Verluste, immer dicht dran am Krawall und dennoch im Panorama eingefangen. Bald wird die Nationalgarde aufgefahren, es herrscht Ausgangssperre und Abriegelung, Paranoia und echte Bedrohung, gibt es Tarnung und Täuschung, man arbeitet auch in falscher Uniform.

Oh Gott, Allmächtiger“ wird angerufen, und natürlich Norris, der Unsicherheit Herr zu werden, selbst vor der heiligen Kirche nicht Halt gemacht, gäbe es nicht den Heiland hier, der die Verhältnisse klärt und Frieden schenkt. Beidhändig wird hier geschossen, “Ich gehe lieber, bevor ich sauer werde.“, zwischendurch gar auf die Tränendrüsen gedrückt und die Lachfalten lang gezogen, ein Wechselbad der Gefühle, echte Emotionen hier, ein Kino zum Herzerweichen und vor allem für das Kind im Manne, Krieg der Welten als Update für die Feinfühligen und die Barbaren hier. Von Miami geht es später nach Atlanta, eine halbe Rundreise durch die Weltgeschichte, Hubschrauber kreisen über der Stadt, Sandsäcke zur Deckung und als Staffage, die Großmacht berät sich, der Cowboy hat bereits einen Plan, es wird laut und lärmig, eine Straßenschlacht entbrennt, der dritte Weltkrieg fast, Norris allein und mittendrin. Der Aufwand ist da und deutlich, alles für die Second Unit von üblich Aaron Norris und Don Pike plus Newt Arnold, grell die Behandlung, ungeschminkt und scharfkantig. Die Revolution frisst ihre Kinder, hier nicht wörtlich zu nehmen, soweit kommt es nicht, die Guerillas, die angeheuerten Paramilitärs vom kommunistischen Zentralkomitee von Anfang an schon chancenlos, trotz Pulverdampf und Knallfröschen, trotz spät gar Nahkampf hier.







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