Review

Es ist wahrscheinlich unnötig, die Tragik hinter diesem Film zu erwähnen, es spielt bei dem Wissen darum sicherlich auch eine Rolle bei der Betrachtung der Produktion; welche ansonsten ohne die weitreichenden Umstände und die Dramatik einer der weiteren unzähligen B-Western gewesen wäre, die seit einigen Jahren erstaunlich gut laufen und gerade das Genre wieder in das Bewusstsein des Publikums bringen. Augen sind das erste, was man hier sieht, in Großaufnahme, zwei verschiedene Paare, dann sieht man ihren Blick, ein Blick auf die Landschaft, wild und unberührt, unwirtlich und willkürlich, noch nicht erobert, noch nicht gezähmt, noch karg und kühl und kaum zum Leben darin geeignet, und gleichzeitig wunderschöne geografische Porträts. In die Ausführlichkeit wird hier gegangen, jedes einzelne der Bilder wertvoll und kostbar, es wird ein Epos zu zeichnen versucht, sich abgesetzt von den filmischen Kollegen und der Konkurrenz, die Laufzeit weit über 120min, das ist ungewöhnlich für die Auswertung, es ist angesichts der Umstände nur gebührlich, nachvollziehbar und natürlich:

1882, Sedgwick County, Wyoming. Der gerade 13 Jahre alte Lucas Hollister [ Patrick Scott McDermott ] kümmert sich nach dem Tod der Eltern um die Farm und seinen kleinen Bruder Jacob. Während der Jagd auf einen stets näher kommenden Wolf tötet er aus Versehen einen Mann, er wird trotz seines jungen Alters zum Tod durch Strang verurteilt, auch eine Großtante [ Frances Fisher ] kann nichts für den Jungen tun. Allerdings informiert sie Harland Rust, einen Outlaw, der selber wegen Mordes gesucht wird, den Jungen auch gegen dessen Widerstand befreit und mit ihm Richtung Grenze nach New Mexico reitet. Auf ihrer Fährte sind der Marshal Wood Helm { Josh Hopkins ] mit seiner Mannschaft, und der Kopfgeldjäger Fenton 'Preacher' Lang [ Travis Fimmel ]

Das Feuer im Kamin knistert hier noch oder gerade bei Nacht, es bringt die Wärme in die Stube, die ansonsten vor Frost klirren würde, so entstehen andere Geräusche, andere Temperaturen, eine Wohltat für den Körper und eine Beruhigung für die Seele und die Ohren. Zeitig wird hier aufgestanden, die Tiere versorgt und den kleinen Bruder, viel geschuftet in jungen Jahren schon, viel Verantwortung gezeigt und vonnöten, es geht um Leben, es geht um Tod. Es muss sich gekümmert werden, die Eltern sind schon tot, man sieht hier zwei Waisen beim Aufwachsen, beim Großwerden, beim Alleinsein und zu zweit sein zu. Man sieht, wie sie ihre Tiere verkaufen müssen in der Stadt, um Essen damit bezahlen zu können, es geht vom Kleinen und bleibt im Intimen, jedes Detail hier wichtig, die blutigen Finger des Geschäftemachers, der den Deal per Handschlag erledigt, die Sachen, die man dafür im Laden bekommt, alles soll gut überlegt sein, jede Aktion, jede Reaktion, jede Regung, es könnte die letzte sein, es gibt einen ersten Gewaltausbruch. Der ältere Bruder ist Vater und Mutter und Bruder und Freund und Erzieher und Lehrer zugleich, er weint in der Nacht, die Erinnerung an die Eltern selbst bei ihm längst verblasst; er kann mancherlei Fragen nicht beantworten und er kann nur für jetzt und heute, für die Wärme in der Nacht, für etwas Essen auf dem Tisch sorgen. Eine erste Jagd wird veranstaltet, ein erster Schuss ertönt, man hat sogar getroffen, nur nicht das, worauf man zielte. Die Räume sind dunkel, sie sind nicht erleuchtet, selbst der Gerichtssaal ist ohne Licht, "This is simply the way of things.", Nahaufnahmen werden bereitgehalten und Panoramen, düstere Erscheinungen, manchmal eingepfercht im Rahmen, manchmal als Silhouetten, verschiedene Personen, verschiedenen Alters, verschiedene Stätten.

In der Stille ist man oft gefangen, selbst wenn man spricht, man kann sich oft nicht ansehen, selbst wenn man nahe ist und sich nahe steht, man kann Sheriff und Marshal und Deputy spielen, an einem anderen Ort, bewaffnet über die Straße zum Ziel gehen und Anweisungen geben. Eine Schießerei aus wenigen Metern Entfernung, ohne Regung, ohne Bewegung, ohne das Suchen von Deckung, allein Getroffene prallen nach hinten, fallen an die Wand oder durch das Fenster, ein kurzer Standoff mit mehreren Involvierten, ausnahmsweise das Gesetz am Gewinnen, sonst meist am Verlieren. Ähnlich zu Gunslingers (2025) oder Mord in Yellowstone City (2022) wurde hier wieder in der entsprechenden Location der Yellowstone Ranch, Paradise Valley, Livingston, Montana gedreht, das merkt man erst später, an der entsprechenden Architektur, man setzt sich ab von den anderen Filmen, bleibt autark und eigen. Selbst die Handlung ist noch nicht vorherzusehen, sie ist so dunkel wie die Umgebung, es gibt einen weiteren Ausbruch der Gewalt, Baldwin betritt die Szenerie, der Mond von Wolken fast bedeckt, die Brutalität wurde nicht erfasst, das Ergebnis schon, ein Akt der Grausamkeit, "This ain't no game, boy."

Zwei Leichen wurden öffentlich ausgestellt, es findet sich trotz Ausschreibung einer Belohnung zuerst keine Freiwilligen für eine Verfolgung, aufgrund des zu Verfolgenden und aufgrund des Territoriums, dass es zu begehen gilt. Durchquert werden die Weiten, den Bergen entgegen, der Schnee noch fleckenweise am Horizont zu sehen, die Optik getrübt, die Sonne nicht stark genug, um hervorzukommen, die Flüchtigen miteinander auf Kriegspfad auch, einer abhängig vom anderen, beides Mörder im Sinne des Gesetzes, "You know what happens when a man hangs? If he's lucky, his neck snaps clean and that's that. And if'n he ain't, well...he dangles for a spell. Messes his trousers, eyes pop out, go coal black while he chokes to death...Might not die straight away neither.", die Flucht davon, die Flucht nach vorn, die Verfolgung wird durch verschiedene Personen aufgenommen, das Kopfgeld erhöht, manche leben davon. In Ruhe wird das erzählt, in Ausdehnung, nicht alle Personen schaffen eine Charakterisierung, es bleibt oft bei den Hauptdarstellern hängen und ihrer Positionierung; es herrscht oft zu recht falscher Frieden und berechtigtes Misstrauen. Mit Messern wird getötet, mit Pistolen, mit Schlägen, eher aus der Nähe als der Distanz, oft Angesicht zu Angesicht, es wird geschrien vorher und hinterher; der Blick geht oft zurück, der Ritt geht weiter nach vorn, die Fährte wurde längst aufgenommen.

Von einer Reise wird hier erzählt, in aller Ausführlichkeit, in allerlei Gegenden, durch jede Art von Klima, der Weg ist das Ziel erstmal, der Weg ist nicht freiwillig, es wird Plato zitiert, es wird Aristoteles erwähnt, es werden Befragungen durchgeführt, Beschuldigungen ausgesprochen oder nonverbal kommuniziert, zwischendurch einer öffentlichen Hinrichtung beigewohnt, es ist so wie beschrieben. Zwischendurch wird sich aber auch ein Hund zugelegt, die erste menschliche Regung seit langem hier, es wird über die Vergangenheit nachgedacht und geredet, über die Zukunft, die man zu erreichen hofft, über die Dinge dazwischen. Das kann ausufernd sein und trocken gehalten und knarzend, das kann eine Zäsur sein, eine Tortur, es ist gut ein Drittel länger als üblich, die 1000 $ sollen gut verdient sein, eine familiäre Geschichte, eine familiäre Verbindung, ein Verlust in Vorbereitung, geschossen wird, getroffen wird, teilweise erledigen sich die Verfolger selber, in heftigen Schießereien, die Colts bestückt, in Hinterlist auch, Wunden und Verletzungen im Wirbelwind eingefangen.

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