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Den „Part 2“ hat man unter den Tisch fallen lassen: Nachdem der als Zweiteiler konzipierte letzte große „Mission“-Film aufgrund von Covid und Terminkollisionen mit TOP GUN: MAVERICK nicht geplant back-to-back gedreht und gestartet werden konnte und DEAD RECKONING nicht das erhoffte Einspielergebnis brachte, entschied man sich gegen DEAD RECKONING PART 2 und für THE FINAL RECKONING. 

„Doomy and gloomy“ sei der neue Film, so die BBC. Und nach dem „High“ des ersten Teils mit seinen irrwitzigen Actionszenen und seiner Roger-Moore-Bond-haftigen Leichtigkeit wirkt THE FINAL RECKONING tatsächlich erstmal wie ein ziemlicher Downer: Nach einer Dreiviertelstunde ist Ethan Hunt zwar schon blutüberströmt und staubbedeckt, wirklich spektakuläre Action haben wir aber trotzdem noch nicht zu sehen bekommen, die hebt sich der fast dreistündige Film für sein letztes Drittel auf. 

Statt „Mission: Impossible“ bekommen wir bis dahin vor allem „Mission: Exposition“. Die „Entity“ hat sich Zugang zu nahezu allen Nuklearwaffen der Welt verschafft und möchte die Menschheit auslöschen. Die Apokalypse steht also bevor und der Plan, einen KI-McGuffin aus einem gesunkenen U-Boot zu holen und einen XXL-USB-Stick in einem Serverraum einzustecken, scheint wahnsinnig kompliziert. Darüber hinaus müssen alle Zuschauer mitgenommen werden, die den letzten Teil nicht gesehen haben. Und so werden etwa alle halbe Stunde nochmal Plan und Plot diskutiert, bis auch die Letzten kapiert haben, was auf dem Spiel steht – natürlich mal wieder alles. 

Doch nicht nur seine Erklärwut bremst den Film, auch seine Emotionalität (oder sagen wir: sein Pathos) dämpft dieses Mal das Vergnügen. Dass wir in einem MISSION: IMPOSSIBLE Film Abschied von liebgewonnenen Figuren nehmen müssen, ist nicht ungewöhnlich. Dass darum ein solches Brimborium gemacht wird wie in einem der FAST & FURIOS Streifen, jedoch schon. Aber möglicherweise ist dies ja nun wirklich Tom Cruises letzte Mission und es wird deshalb extra dick aufgetragen (vielleicht auch ein Grund, warum Cruise hier nochmal ausgiebig seinen nackten Oberkörper zur Schau stellt). 

Dazu passt auch die teilweise etwas zwanghaft anmutende Verknüpfung mit den vorigen Filmen des Franchise, die zwar nicht in peinlichen Fanservice ausarten, wie das heute sonst so üblich ist, aber trotzdem etwas aufgesetzt wirken (Stichwort: William Donloes Jagdmesser-Souvenir). 

Doch genug der Kritik, die nach der letzten Stunde von THE FINAL RECKONING ohnehin wie Makulatur erscheint, bekommen wir doch noch zwei Action-Setpieces geboten, die zu den besten der Reihe (sprich: des zeitgenössischen Actionkinos) gehören. Sobald Ethan Hunt in einem Spezialanzug auf Tauchfahrt geht, U-Booten ausweichen muss und mit Torpedos Jenga spielt, wenn er kopfüber aus Propellermaschinen hängt und mit den Füßen lenkt, dann sind mal wieder alle Naturgesetze aufgehoben, man windet sich im Kinositz und hat als Actionfan die Zeit seines Lebens. Insbesondere die ausgedehnte, fast lautlose Unterwassersequenz ist irrsinnig spannend und gut gemacht. Am Schluss sind die vielen ineinander geschnittenen Showdowns vielleicht etwas zu viel des Guten, aber das wäre wie sich zu beschweren, dass das Karamellpopcorn zu süß ist. 

Ein letzter Shout-out soll noch der Besetzung gelten: Hayley Atwell als clevere und schnelle Taschendiebin Grace wurde schon im letzten Teil als willkommene Ergänzung des Kernteams aufgenommen, wie abzusehen war, ist nun auch Pom Klementieff dabei, wenn auch etwas underused (als Bösewichtin gefiel sie besser). In kleinen, aber bedeutenden Nebenrollen sind u. a. Nick Offerman (PARKS AND RECREATION, CIVIL WAR), Hannah Waddingham (TED LASSO), Janet McTeer (OZARK, KAOS) und Katy O’Brian (LOVE LIES BLEEDING) zu sehen. Eigentlich wünscht man sich, die Serie würde mit diesem Personal ewig so weitergehen – ob mit oder ohne Cruise.

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