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„Wieso fährt hier jemand raus? Nachts. Ganz allein.“
Regisseur Babak Anvari konzentriert sich bei seinem psychologischen Kammerspiel auf eine simple Prämisse, die sich lange Zeit komplett authentisch anfühlt.

Irland: Es ist mitten in der Nacht, als die Eltern Maddie (Rosamund Pike) und Frank (Matthew Rhys) vom Anruf ihrer 18jährigen Tochter Alice (Megan McDonnell) aufgeschreckt werden. Im einsam gelegenen Ashford Wald hat sie einen Unfall gebaut und offensichtlich ein Mädchen angefahren. Voller Panik begeben sich die zwei auf den Weg und versuchen den telefonischen Kontakt zu halten, doch dann scheint jemand vor ihnen am Unfallort einzutreffen…

Es ist dieser eine Moment, von dem Eltern hoffen, er möge nie eintreffen. Ein Unfall, Ungewissheit, Kontrollverlust. Die Zuschauer wissen zu keiner Zeit mehr als sie am Telefon von ihrer Tochter erfahren und begeben sich umgehend auf den Weg auf die schier endlos nächtlichen Landstraßen. Dabei kristallisieren sich rasch die unterschiedlichen Haltungen der Eltern heraus: Soll man zu der Verantwortung stehen oder kann man die Tochter irgendwie aus der Nummer herausholen?

Der Thriller fühlt sich über weite Teile wie Echtzeit an und entwickelt einen Hörspielcharakter, bei dem man recht deutlich auf Nebengeräusche achten kann. Da Maddie Sanitäterin ist, gibt sie ihrer Tochter Anweisungen zur Wiederbelebung, bei der auch mal eine Rippe knackt. Auch leisere Geräusche wie schweres Atmen, Innehalten oder Begebenheiten innerhalb des Unfallwagens lassen aufhorchen. Währenddessen treten innerfamiliäre Konflikte zutage, welche ebenfalls die jeweiligen Haltungen von Maddie und Frank untermauern.

Sogar mystische, folkloristisch angehauchte Elemente gesellen sich hinzu, da an der titelgebenden Hallow Road nicht zum ersten Mal Menschen verunglückt sein sollen.
All dies entwickelt einen Sog unter latenter Anspannung, bis der Unfallort irgendwann erreicht und eine Auflösung in nicht ganz eindeutiger Form präsentiert wird.
In diesem Zusammenhang sollte man auf jeden Fall den Abspann verfolgen, der einem eine weitere Gewissheit verschafft.

Das Gefühl von Dringlichkeit vermittelt nicht nur die hilflos erscheinende Ausgangssituation. Auch Pike und Rhys tragen dazu bei, ambivalente Haltungen und Entwicklungen authentisch zu performen. In den nur 80 Minuten gibt es trotz der Konzentration aufs Cockpit keinen Leerlauf, - man will schlicht wissen, was da vorgefallen ist. Bei der Pointe wird zwar nicht jedem die Kinnlade heruntersacken, doch der mit einfachen Mitteln realisierte Streifen beweist, dass in sich weitgehend schlüssige Geschichten keinen sonderlichen Produktionsaufwand benötigen.
7 von 10

 

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