Intermission…(mit kleineren Spoilern)
…beginnt mit einer faustdicken Überraschung. Einer Szene, die wohl zu den besten, weil abgedrehtesten Eingangsequenzen gehört, die ich je gesehen habe.
Zwar kann der Rest des Films diese Klasse nicht über die gesamte Länge hin halten, jedoch ist immer wieder das ein oder andere, meist verbale, Highlight in den ansonsten soliden Streifen eingebaut.
Gelungen ist weitestgehend auch der bunte Haufen skurriler Charaktere, die durch ihre Dialoge schnell und doch authentisch gezeichnet werden. Dabei hebt sich weder eine Figur, noch einer der Darsteller besonders negativ oder positiv hervor, was der Geschichte einen positiven Anstrich von Realität verleiht.
Eine richtige stringente Handlung, an deren Ende ein bestimmtes Ziel steht, gibt es nicht, vielmehr ergibt sich das ganze Geschehen aus dem Durcheinanderwürfeln der ganzen Protagonisten.
Da gibt es den asozialen Kleinkriminellen und den knallharten Cop, der eben jenem ans Bein pisst. Einen Journalisten, der mehr Action in seine Sendung über das Leben in der Kleinstadt bringen möchte und sich deshalb an den Polizisten wendet. Einen sexuell frustrierten Supermarktangestellten, der sich mit einer schlagfertigen älteren Geliebten einlässt. Einen aus der Bahn geworfenen Busfahrer, dessen Lebensinhalt sich darauf beschränkt, seiner Frau eine neue Küche, Eichendielen und ein Gartenhäuschen kaufen zu können. Natürlich gibt es ein hässliches Entlein, das von seinem Freund ausgenommen und beschissen wurde. Und im Gegensatz dazu scheint dann der Junge, der mit seiner Freundin Schluss macht, um zu sehen, wie viel dieser an der Beziehung der beiden liegt, beinahe normal. Zumindest bis er seine Ex gemeinsam mit zwei anderen entführt, um ihren neuen Freund, den Filialleiter einer Bank und gleichzeitig Nochehemann der älteren Geliebten, dazu zu bewegen, dass er eine größere ungenehmigte Auszahlung an die Drei tätigt.
All diese Geschichten werden dann im Laufe der Handlung miteinander verknüpft und ergeben so eine unterhaltende Mischung aus alltäglichen Problemen und einigen abgedrehten Ereignissen, die ich so nicht erleben möchte.
Die visuelle Umsetzung hingegen ist das genaue Gegenteil: keine nennenswerten Kamerafahrten, kaum schnell Schnitte und jede Menge Einstellungen, die stark nach Steady Cam aussehen. Schade, denn für einen solchen Film ist mir das einfach zu bieder und zu uninspiriert. Auf diese Art und Weise verschenken die Macher meiner Ansicht nach hier einiges an Potenzial. Was wäre ein „Snatch“ in Dogma-Optik? Unterhaltend ja, aber nicht der Kracher, der er durch seinen aufgemotzten Stil geworden ist. Eine an den hier abgefeierten Inhalt angepasste, stylische und verrücktere Umsetzung hätte „Intermission“ einfach ein anderes Niveau verpasst. So strahlt das Bild sogar eine gewisse Tristesse aus, die dem Film darüber hinaus aber auch deshalb nicht so recht stehen mag, weil er dafür einen insgesamt zu positiven Unterton beinhaltet. Das Ende ist dann sogar nahe am Kitsch und wird erst im letzten Moment von einem Rollstuhlfahrerrennen gerettet.
Inhaltlich lehrt uns der Film leider nichts Neues, zeigt uns aber mal wieder, dass alle ihr Päckchen zu tragen haben, dass es für die meisten von uns gar nicht so schlecht läuft, und dass es fast immer noch schlimmer hätte kommen können. Und passend zu dieser etwas seichten Aussage, sind es hier dann auch die „Guten“, die zum Schluss bekommen, was sie wollen und die „Bösen“ das, was sie verdienen.
Zum guter Letzt geht es, wie sollte es anders sein, in den Abspann und wer hier einen Moment Geduld hat, wird noch mit einer kleinen Szene belohnt, in die dann auch der letzte bis dahin noch fehlende Funke Genugtuung gepackt wurde.
Trotz der genannten Mängel sind bessere 6/10 Punkte kaum möglich.
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