Karate Kid: Legends
Reboot der durch „Cobra Kai“ zu neuen Kult-Ehren gelangten „Karate Kid“-Saga, die wenig neues zu erzählen hat, das aber charmant und mit einer ordentlichen Nostalgie-Brise bewerkstelligt. Auch wenn ein neuer Kämpfer den Ring betritt und sich dort mehr als wacker schlägt, ist das eigentliche Highlight das Bonding der betagten Senseis Ralph Macchio und Jackie Chan.
Die nimmer enden wollende 80s-Nostalgia ist DAS Popkultur-Phänomen unserer Zeit. Ob TikTok, Streaming, Werbung, Mode etc., die Begeisterung für die bunte Dekade geht durch alle Altersschichten und Interessengruppen. Kein Jahrzehnt davor (und bestimmt auch keines danach) hatte jemals einen solch langlebigen und breit gestreuten Impact auf die Gegenwartskultur. Auf der Produzenten-Seite teilt man die anhaltende Begeisterung erst recht. Vor allem die traditionell risikoscheue Filmindustrie liebt vermeintlich sichere Investitionen. Und so überschwemmen uns seit Jahren TV-Serien (u.a. „Stranger Things“, „Dark“) und Spielfilme (u.a. „Drive“, „Ready Player One“) mit offensichtlichem 80er-Bezug, ganz zu schweigen von der massenhaften Rückkehr beliebter Helden wie Indiana Jones, Maverick, Axel Foley, Rambo, Beetlejuice oder den Ghostbusters.
In diese popkulturelle Ahnengalerie gehört auch Karate Kid Daniel LaRusso. Vor allem dank des charmanten Streaming-Hits „Cobra Kai“ war es nur eine Frage der Zeit, bis zur Rückkehr auf die große Leinwand. Ähnlich dem Ghostbusters-Reboot entschied man sich für eine in der Gegenwart angesiedelte Neuorientierung, die aber natürlich aus allen Ecken und Poren den wohligen Duft der 80er verströmte. Bei Karate Kid macht diese Strategie umso mehr Sinn, da bereits „Cobra Kai“ sämtliche Figuren der alten Filmtrilogie aus der Versenkung geholt und in 5 Staffeln durch alle nur erdenklichen Generationen-Konstellationen gejagt hatte. Und so sehen wir in „Karate Kid: Legends“ ein neues, unverbrauchtes Gesicht, das u.a durch die Weisheiten Mr Miyagis über sich hinauswächst. Davon abgesehen hält man sich ziemlich genau an die Struktur des Originals ("Karate Kid", 1984).
Und so kommt auch der junge Chinese Li Fong (Ben Wang) mit seiner Mutter in eine fremde Stadt (New York ersetzt LA), verliebt sich dort in die Freundin (Mia Lipani ersetzt Ali Mills) des lokalen Karate Champions (Conor ersetzt Johnny Lawrence) und wird von einem weisen Kampfkunstlehrer (Mr Han gibt den Mr Miyagi) auf den Showdown bei dem größten Karate-Turnier der Stadt vorbereitet. Das ist so schamlos kopiert, dass es fast schon entwaffnend wirkt, zumal die Nostalgie-Glocken ohne anbiedernde Modernisierungs-Mätzchen geläutet werden. Lediglich die Kämpfe sind in Schnitttechnik und Härtegrad erkennbar aus dem Hier und Jetzt.
Diese exakte Orientierung am Originalfilm hat aber auch eine Kehrseite, gerade für diejenigen, die der Recycling-Idee wohlwollend gegenüberstehen. Denn „Karate Kid“ verdankt seinen Kultstatus nur zum Teil der offensichtlichen „Rocky“-DNA. Er versprüht auch jede Menge Coming-of Age-Charme, der den Nerv der damaligen Jugend traf. Dazu vermengt der Film die Geschichte vom schrulligen, weisen Mentor Mr. Miyagi und seinem aufbrausenden, nassforschen Schüler Daniel zu einer anrührenden Buddy-Geschichte, die geschickt zwischen fernöstlichen Lebensweisheiten, launigen Kabbeleien und emotionalem Bonding balanciert.
In „Karate Kid: Legends“ bleiben all diese Stärken an der Oberfläche oder nur behauptet. Die deutlich kürzere Laufzeit (94 versus 126 Minuten) sowie eine unnötige Nebenhandlung um Mias Vater lassen wenig Platz für Li Fongs Coming of Age-Werdung. Ähnlich verhält es sich mit der Beziehung zu seinem Mentor. Nicht nur haben Jackie Chan und Ben Wang keine vergleichbare Chemie wie Pat Morina und Ralph Macchio, gerade auch der erzählerisch etwas erzwungen daher kommende Auftritt Daniel LaRussos ist da wenig hilfreich. Zwar freuen wir uns über die späte Leinwand-Rückkehr Ralph Macchios - zumal nach seiner fulminanten „Wiedergeburt“ mit COBRA KAI -, aber der eigentliche Protagonist hat nun gleich zwei Meister, die sich noch dazu so fröhlich balgen, dass wir ihn eigentlich gar nicht bräuchten.
Wenigstens harmoniert Wang mit Costar Sadie Stanley und die Szenen, in denen Mia Li auf dem Motorroller ihr New York zeigt, atmen den Teenie-Romanzen-Geist des Originals. Überhaupt sieht man sehr viel vom Big Apple, womit sich der Film erfreulich von vielen neueren Produktionen abhebt, die kaum noch on Location drehen und alles mit billigeren Double-Schauplätzen und Studiogelände-Aufnahmen lösen. Beim Finale auf einer Freilichtarena in luftiger Wolkenkratzer-Höhe wurde dann zwar doch getrickst, aber dank der von ILM entwickelten Stagecraft-Technologie ist die Illusion dennoch perfekt.
Man kann mit „Karate Kid: Legende“ also einen entspannten Familienabend verbringen, vorausgesetzt , man steht dem Franchise wohlwollend gegenüber. Das Personal ist sympathisch, das Tempo flott und die zahlreichen Reminiszenzen an den Originalfilm sorgen für ein wohliges Retro-Feeling. Abzüge gibts in der B-Note. „B“ steht hier für „Buch“, oder besser Skript. Die Zusammenführung von Mr Han, Daniel LaRusso und dem neuen Karate Kid Li ist arg konstruiert. Um fernöstliche Lebensweisheiten geht es auch nicht mehr, im Vordergrund steht der heute fast schon obligatorische Fan-Service. Vor diesem Hintergrund ist auch ein weiterer Cameo ganz zum Schluss zu sehen, der vor allem für COBRA KAI Jünger gedacht ist und bei dieser Zielgruppe garantiert zünden wird. Ein fulminantes Feuerwerk sieht in Summe anders aus, aber Nostalgie ist auch mehr ein wohliges, gemütliches Gefühl und weniger ein rauschhaftes oder ekstatisches Erlebnis. Dank kompetenten Auftragens und Polierens ist der angejahrte Lack aber noch immer nicht ab, zumindest im günstigen Licht der wohligen Fan-Sonne.