Review

Erster und einer von relativ wenigen Wǔxiá-basierten Telemovies aus der Schmiede von TVB (=Television Broadcasts Limited), hier fast mit Starbesetzung wie Gordon Liu, Stephen Tung Wei und Elizabeth Lee vor der Kamera, während hinter ihr mit Raymond Lee ein auch kinoerfahrener Regisseur und einer mit (kommenden) Erfahrungen von Swordsman (1990) über Dragon Inn (1992) zu The East is Red (1993), hier quasi die Vorbereitung und Lehre für Weiteres, Größeres, für die Kür nach der Pflicht steht:

Die Verschwörung. Der Panchen Lama muss alle rücksichtslosen Mittel, darunter die Verfolgung durch die Jinyiwei unter der Führung von Xiahou [ Lau Kong ] einsetzen, um das Goldene Kind Long Ziqing daran zu hindern, nach Tibet zurückzukehren, um rechtmäßig den Dalai Lama zu inthronisieren. Allerdings darf das Kind nicht getötet werden, denn es birgt die Geheimnisse einiger verborgener Schätze. Zudem bekommt es im entscheidenden Moment Hilfe vom Schwertkämpfer Nangong Wuming [ Gordon Liu ], dieser muss sich aber weiterhin der Attacken vom ebenbürtigen Duan Shiyi [ Stephen Tung Wei ] erwehren, einem ehemaligen Freund, die sich über eine Frau, Ruobi [ Elizabeth Lee ] heftig zerstritten haben.

Von der Laufzeit her gute Viertelstunde mehr als üblich und gewohnt gehalten, die Neunzigminuten-Marke selten durchbrochen, eine Ausdehnung mit spielerisch gehaltenen Beginn hier, eine Art Pilgerreise, zur Erleuchtung und Erleichterung, des Friedens Willen, der Einkehr und des Rückzuges in sich selber, mithilfe und im Beisein von anderen Personen an der Seite, das ist aber nicht die Geschichte hier. Gebetet wird, um Beistand gerufen und um Glück, etwas Größeres angedeutet als üblich, etwas mit mehr Bedeutung und Bestimmung, es gibt Vor- und Nebenszenen, eine Art Prolog, bevor der Kampf beginnt. Bald greifen schwarzmaskierte Eindringlinge, gerne heimtückisch und Hinterlinks an, wird dem Schwert von hinten die Kehlen durchschneidend oder den Rücken durchbohrend, Blut an den Wänden, Blut an den Händen, Blut in der Gegend, ein Massenmord geschaffen, ein Leichenberg. Religiös gehalten ist die Geschichte, philosophisch, auch kontemplativ und dennoch mit Actionszenen, mit einigen schnellen inszenatorischen Einfällen und Stilwillen, mit Stilvollen, mit Aufmerksamkeit für Ton und Bild. Die Angriffe häufen sich, ninjagleich wird vorgegangen, unbehaglich, unbesiegbar scheinend, unbestritten eine Gefahr, jederzeit bedrohlich. Die Kamera und die Kombattanten agil, die Räumlichkeiten eng, dennoch eine Regie mit Effekten und auch im Panorama eingefangen, der Tod nah und deutlich.

In der Flucht liegt bald das Heil, zu viele, die einem Böses wollen, ein Retter noch unerkennbar, noch unkenntlich, am Beginn der Handlung die Prämisse klar, die Positionen noch nicht, ein Spiel mit dem Genre, in dem hier als Erstes die Frau in der Besetzung zum Vorschein kommt und in die Bewegung, die Männer anwesend und gleichzeitig außen vor, teilweise verlassen und verloren, teilweise verhindert und unnötig. Regisseur Lee entdeckt zuweilen einen neuen Umgang mit der viel abgefilmten Kulisse und ein Agieren mit der Szenerie, auch Gordon Liu wird präsent eingesetzt, eine lebende Legende genutzt, um selber eine Mystik zu erzählen, mit mancherlei bösen Überraschungen und mancherlei glücklichen Zufällen, mit nächtlichen Wolfsattacken und einer übersinnlichen Abwehr. Eine Vorstellung von Schutzmaßnahmen und beschützt werden, vom Erwachsensein und dem Heranwachsenden, einem Ersatzvater und einem Ziehsohn, einer erst ungewollten, da unfreiwilligen Verbindung, dann Zusammenarbeit mehr und mehr, ein Zusammenschluss, ein Angewachsen sein angesichts der Situation, bald auch hier Angriffe der Schwarzgewandten, aus dem Nichts und ohne Voranmeldung. Auf dem Land ist es gefährlich und in der Stadt auch, Achtsamkeit ständig gefragt, die Verantwortung wachsend, die Geschichte wird größer, sie wechselt die Personen und trennt sie und zieht sie wiederum zusammen, bald ein Trio, eine Dreifaltigkeit hier, vorher Tricks und Finten. Mal Regenschauer und mal Sonnenschein, Aufträge wurden erfüllt oder nicht, die Reaktion ist entsprechend, für manche geht es weiter, für andere nicht.

Wohin die Reise geht, scheint man nicht ganz zu wissen, es wird viel Land durchwandert, der Weg das Ziel, die Witterung oft unwirtlich, nass und kalt, die Unterkünfte ähnlich. Oft karg die Gemäuer, selten heimelig, es wird sich sowieso nie länger wo aufgehalten, zu unstet die Erzählung, das Wissen im Dunkeln, mal auch eine Leichenhalle in einem scheinbaren Gasthof entdeckt. Die Actionszenen flotter als sonst, akrobatischer, die Montage attraktiver, effektiver, verschiedene Blickwinkel und gekonnte Choreografie, ein würdiges Zusammenspiel. Einmal quer durch das ganze Studiogelände scheint es hier zu gehen, alle Örtlichkeiten und Möglichkeiten ausgebucht und ausgeschöpft, mittig wähnt man sich schon am Zielort, soweit ist man noch lange nicht. Die Ruhe vor dem Sturm nur, die Pause in der Halbzeit, wird sich eine Offenheit und Undurchsichtigkeit bewahren, Figuren mit Vergangenheit und Vorgeschichte, mit Mehrdeutigkeit und ohne Transparenz, zwischendurch hilft gar Ng Man-Tat dem Kinde hier, ein blutiger Schlag auf den Kopf als die Quittung. Ein Mehrteiler fast, die Opferzahl entsprechend, ein wenig die Vorwegnahme von Last Hero in China (1993), von Eye for an Eye 2 (2024), die Geschichte nicht neu, nur ihre Aufmachung, Aufmerksamkeit und Behandlung.

Von ärmlich zu amtlich und umgekehrt, mit viel Taktik, viel Interessen und viel Interessantes im Spiel, eine permanente Ware des Angebotes, ob in Seiden- und Leinentüchern und schneebedeckter Erscheinung, ob manchmal auch unterirdisch oder im Turm einer Pagode, ein aktiviertes Spiel mit der Farbgebung und dem Vergrößern und Verkleinern von Stätten, je nach Anlass und Gebrauch hier. Der Zweck heiligt die Mittel, die Erzählung könnte man um einige Begebenheiten kürzen, ohne an Wirkung zu verblassen, man geht dennoch den langen Weg hier, viel mit Qual und Selbstaufgabe, mit Selbstbestimmung und Motivation, mit einseitiger Romantik, mit dem Ziel vor Augen und aus den Augen verloren; ein Maßstab für Kommendes gesetzt, der folgende The Deadly Passage (1990) im Hin und Her fast so ähnlich, Gut Böse oft ununterscheidbar, an Antesten und Aufpassen stets nötig, bis zum wilden Abenteuershowdown hier.






Details