Anna Boden und Ryan Fleck haben offenbar ein Retro-Faible. In CAPTAIN MARVEL schickten sie die Superheldin in die 90er, in diesem Episodenfilm lassen sie diverse Genres der 80er aufleben:
1. „Strength in Numbers“ oder: Punks vs. Nazis. Eine Community von Außenseitern verteidigt ihren Punkclub gegen eine Horde Nazis – mit bewusst schlechten Bluteffekten und simplen Zeichentrickeffekten. Lässt dezente THE WARRIORS Vibes aufkommen, erzählt aber keine wirkliche Geschichte.
2. „Danger Zone“ oder: Rap Battle of the Sexes. Zwei schwarze Eisverkäuferinnen zahlen es bei einem Hiphop-Gig verbal den Chauvis und Sexisten ihrer Gegend heim. Irgendwo zwischen Spike Lee, WILD STYLE und 8 MILE, allerdings vollkommen banal.
3. „Born to Mack“ oder: Pedro Inkasso. Ein Schuldeneintreiber (Pedro Pascal), der sich gerade zur Ruhe setzen wollte, wird auf brutale Weise von seiner Vergangenheit eingeholt.
4. „The Legend of Sleepy Floyd“ oder: The Basketball Burglaries. Ein krimineller Cop (Ben Mendelsohn) lässt während eines Basketballspiels die Wohnungen der Spieler ausrauben – was zunächst tragisch und schließlich äußerst blutig endet. Hier treffen brutale Kung Fu-Fights auf SCANNERS. Zum Schluss läuft PILs „The Order of Death“ aus HARDWARE.
Die vier Episoden im passenden 1,33:3-Format sind im Stil von Robert Altman (und natürlich Quentin Tarantino) sehr lose miteinander verbunden, ein grüner „Glow“ und ominöse „Psytropic“ Werbespots ziehen sich durch die Geschichten.
Die ersten beiden Storys hätte man allerdings sehr gut weglassen, bzw. auf einzelne Szenen im „Hauptfilm“ reduzieren können, erst die letzten beiden Teile haben eine halbwegs stringente Handlung und so besonders clever sind die vier Teile nun auch nicht ineinander verschränkt. Hier war offensichtlich der Wunsch, den großen Vorbildern nachzueifern, wichtiger, als einen richtigen Film zu machen.
Entfernt man mal alles Überflüssige, dann steckt in den FREAKY TALES ein okayer Thriller mit guter Besetzung und übernatürlichem Einschlag, der sich nur leider an den eigenen Ambitionen verhebt. Lediglich die Videothekenszene mit Pedro Pascal und einem noch größeren Hollywoodstar ist wirklich überraschend und sehenswert. Allerdings wirkt sie hier eher wie aus einer Sketch-Show reinkopiert.