Freaky Tales ist auch so ein Film, an dem sich die Geister scheiden. Und auch ich hatte eine komplett andere Erwartung an dem Film, wenngleich ich nicht so richtig wusste, was auf mich zukommt. Dabei sagt der Titel ja schon alles. Es geht um Vier Geschichten, die hintereinander gezeigt werden, sich aber immer mal überschneiden. Alle Geschichten spielen in Oakland im Jahr 1987. Kapitel 1 zeigt das Lebensgefühl einiger Punks und ihren Kampf gegen eine Gruppe Hooligans, der am Ende für die Nazis bluttriefend endet. In Kapitel 2 geht es um ein Rap-Battle und die Emanzipation schwarzer Frauen in einer rassistischen Welt. Kapitel 3 zeigt einen Schuldeneintreiber, der sich aus dem Geschäft zurückziehen möchte, dessen schwangere Frau aber erschossen wird. Und im letzten Kapitel mutiert ein Basketballspieler nach einem Schicksalsschlag zum Rächer und metzelt mal eben eine Motorrad-Gang nieder.
Inhaltlich habe ich mich schon gefragt, was das soll. Die Story hat wenig Substanz, von Anspruch ganz zu schweigen. Besonders das zweite Kapitel hätte man sich komplett sparen können, trägt es doch zum Gesamtkonzept am wenigsten bei. Wie die drei anderen Kapitel miteinander verwoben sind, ist aber durchaus interessant.
Richtig gut ist der Film in handwerklicher Hinsicht. Das ist nicht nur eine Hommage an den trashig angehauchten 80er-Jahre-Film, sondern man glaubt tatsächlich, inmitten der 80er Jahre zu sein. So als wäre das Ganze wirklich zu dieser Zeit gedreht worden. Für Fans des futuristisch angehauchten Films der damaligen Zeit also ein absoluter Hochgenuss. Alles wirkt absolut real und die zahlreichen Splatter-Effekte machen wirklich Spass. Aber Vorsicht, trotz stilistischer Übertreibung gehts hier recht hart zur Sache.
Auch schauspielerisch war das gelungen: Pedro Pascal ist mal wieder weltklasse, Ben Mendelsohn als Bösewicht verkommt aber eher zu Karikatur. In einer Szene gibt es einen Gastauftritt eines Mega-Stars, der in einer Videothek über den Filmkritiker Roger Ebert und dessen Top Five der unterschätztesten Filme der Filmgeschichte philosophiert. Hier ist Filme mitraten angesagt, hat Spass gemacht. Ganz nebenbei, der in der Liste erwähnte "Freiwurf" ist tatsächliche eine filmische Offenbarung!
Unterm Strich hat der Film also vieles richtig gemacht, holt aber nicht jeden ab. Mir persönlich war es gute 6 Sterne wert, aber je nach dem, ob man Trash-, Hommage- oder 80er-Fan ist, kann da durchaus mehr drin sein.