Jahrzehnte vergangen. In Gewohntem verfangen.
Zuerst kommt trotz immer wieder aufkommender Nachfrage und Hypes fast zwanzig Jahre gar kein neuer „28 … Later“-Film. Jetzt steht scheinbar direkt eine Trilogie an (falls „28 Years Later“ nicht massiv floppen sollte). So ganz erschließen will sich das mir nicht. Fast wie beim Ketchup, wo zuerst Verstopfung herrscht und man danach schnell den Schoß und die Nase voll hat. Ob das mal gut geht. Außerdem hätten sie die paar Jahre ja jetzt auch noch warten können bis der Titel auch zutreffend ist… Spaß. Sei's drum! Jetzt lässt Danny Boyle jedenfalls seine Rage-Infizierten los in einem isolierten und kargen Großbritannien, dass sich nun tief im abgeschotteten Endzeit- und Survivalmodus befindet, wenn wir u.a. eine kranke Mutter und ihren Sohn auf die gefährliche Reise von einer Insel übers britische Festland begleiten…
Nur ein Tutorial
Ich würde „28 Years Later“ (qualitativ gesprochen, nicht inhaltlich!) irgendwo zwischen dem meilensteinigen ersten Teil und dem total egalen zweiten Teil einordnen. Leider eher deutlich zu „Weeks“ tendierend. Doch zumindest egal scheint mir „Years“ nicht zu sein. Er geht seine eigenen Wege und polarisiert auch mal. Gerade das Ende ist entweder Vollkappes oder ein diabolischer Mittelfinger gen Publikum und geplanter weiterer Teile. Und vor allem formal und atmosphärisch hatte mich Boyles spätes Sequel des Öfteren am Schlafittchen. Die Drums, der heftige schottische Akzent, das schon aus dem (genialen!) Trailer bekannte Gedicht, die Parallelen zu Pandemie, Brexit, Kindheitstraumata und Weltlage - und das obwohl's eigentlich eine so intime und kleine Geschichte ist. Das hatte mich wie gesagt das ein um's andere Mal echt am Haken. Da wurde es zumindest audiovisuell selten trocken oder langweilig. Leider habe ich mit „28 Years Later“ dennoch einige weitere Probleme als nur das gewagte Ende als Ausblick auf womöglich Trashigeres und Kommendes. Und das geht von Logikfragen über Wiedergekäutes im Zombie-/Infiziertengenre bis hin zum verschenkten Aaron Taylor-Johnson. „28 Years Later“ fühlt sich inhaltlich, charakterlich und storytechnisch im besten Fall an wie eine Aufwärmübung. Im schlimmsten Fall wie ein zu spätes Alterswerk eines in die Jahre gekommenen Stylers und Regieinnovators, der komplett den Kontakt und das Gefühl für dieses Subgenre und dessen Zielpublikum verloren hat. So bitter das sein mag. Das hat alles andere als Lust auf mehr aus diesem Kosmos gemacht. Vielleicht hat man von „Walking Dead“ bis „Last of Us“ aber auch seit den 00ern einfach zu viel abgegrast und gesehen in dieser Schublade. Boyle hinkt hier hinterher und wirkt verloren. Alex Garland als Schreiber spürt man auch wenig. Insgesamt ist „28 Years Later“ eine der Enttäuschungen des bisherigen Kinojahres für mich. Auf teils noch akzeptablem Niveau. Teils aber auch lächerlich und daneben.
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28 Days Later - 9/10
28 Weeks Later - 4,5/10
28 Years Later - 5/10
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Fazit: Stilistisch und atmosphärisch ein (teils desorientierendes) Kraftpaket. Aber inhaltlich, tonal, erzählerisch ziemlicher Magerquark. Da hat sich all das Warten und Vermuten und Bangen nicht gelohnt!