"Wider Erwarten gab es zur Wende des Jahres 2012 zu 2013 im Angebot des Kantonesischen Kinos, dass heutzutage eher mit dem des Chinesischen und dort als Zuarbeiter für größere bis massive Period Piece Produktionen verbunden wird, auch zwei Filme als Rückkehr zum Ursprünglichen zu vermelden. Beide von dem gleichen Regisseur Daniel Chan Yee-hang gedreht, beide im Triadengenre angelegt und dort auch fest verwurzelt, was angesichts des heutzutage eher nachlässigen bis nicht vorhandenen Umgang damit und der mangelnden Aussicht auf Wohlwollen der Zensurpolitik vom Festland und so eingeschränkter Kommerzialität schon etwas verwundern vermag. So richtig wirklich hätte es einer weiteren Aufarbeitung des Themas auch nicht gebraucht, wurde das Kapitel des jüngeren asiatischen Gangsterfilmes eigentlich bereits mehr oder weniger offiziell mit Once a Gangster (2010), einer im Grunde Schwarzen Dramödie auf die Jahre und Erfolge der Young & Dangerous Saga und ihrer dutzendfachen Spin- und Ripoffs bereits ad acta gelegt. Dennoch, hier wird die Geschichte und ihre Gebeine (von insgesamt acht Autoren) erneut hervorgeholt und für das Publikum als Fährte des Ewiggleichen Kreislaufs wieder zurechtgelegt. Ein Teil Jugend- und Sittenporträt à la Lan Kwai Fong [ 2011 + Sequel 2012 ], der Rest der hässliche Zwilling davon."
~ Einleitung zu Triad (2012)
"Im lokalen Fernsehen als Gegenspieler der Polizei in entsprechenden Serien immer noch aktiv, schien sich im Kino die Organisation der Triaden, der örtlichen Gangstergruppierungen weitgehend zurückgezogen zu haben; gab es zwar immer wieder mal, aber recht vereinzelt dargereicht nur wenige und dies auch nicht sonderlich hervorstechende oder gar bekannte Beispiele. Zu einem dieser Filme, die den alten Zeiten anzugehören schienen und eher die Nostalgie bedienten, gehört der 2012 von Daniel Chan gedrehte Triad; ein Teil Jugend- und Sittenporträt, dann das Abrutschen und Austoben in der Kriminalität, quasi die Vorwegnahme vom auch von Chan inszenierten Young and Dangerous Reloaded (2013), welcher allerdings beim Zuschauer nicht ankam und trotz ähnlich gehaltener Besetzung (eher die Jungstars, plus einige ältere Semiprominenzen) weitgehend ignoriert wurde, zumindest an den Kinokassen unterging. Triad selber bewies ein vergleichsweise gutes Gespür für zumindest das Aussehen und auch die Dramatik des Geschehens, eine erneute thematische Fortführung über zehn Jahre später, und dies gleich mit dem geplanten Ausbau zu einer Trilogie kam dann doch mehr als überraschend, vor allem auch angesichts des derzeitigen politischen Klimas, welches sich eher verschärft hat als gelockert und weit größere Produktionen schikaniert."
~ Einleitung zu Triad 2 a.k.a. The Brotherhood of Rebel (2023)
Das lokale Kino mittlerweile nach eigenen Angaben, nach Aussagen populärer Macher und Schaffer auch mittlerweile weiterhin in der Misere, trotz gleich mehrfachen Durchbrechen von Kassenrekorden in letzter Zeit durch einheimische Produktionen, gerade welche um Dayo Wong und dessen The Last Dance (2024) oder davor dem A Guilty Conscience (2023) fahren der Großteil der anderen Arbeiten keine Gewinnspanne ein, auch der chinesische Markt ist nicht mehr so offen für zumindest Kooperationen und Kollaborationen, es wird sich in HK auf Kleines und dann meist Dramen konzentriert, welche allerdings den Nachteil haben, den Weltmarkt als entsprechendes Nischenprogramm nicht zu interessieren. Triad 3 selber schließt sich den 'Vorgänger' im Geiste an, die Geschichte ist einzeln gehalten und unabhängig von dem zweiten Film, trotz gleicher Besetzung vor und hinter der Kamera, sie spielt bloß im gleichen Milieu, mit anderen Figuren aber, hinzu zu dem bewährten Trio aus den 'jüngeren' Bosco Wong, Carlos Chan und Louis Cheung kommen mit Mark Cheng und Michael Tiu zwei alte 'Hasen:
Die drei Freunde Wah [ Bosco Wong ], Fei [ Louis Chung ] und Kwok [ Carlos Chan ] arbeiten in der Bruderschaft von Fa Kam [ Mark Cheng ], der von den Obersten wie Uncle Ti [ Chun Wong ] oder Tao On [ Alan Chui ] auch als zukünftiger Anführer auserkoren ist, allerdings hat er mit Kwan [ Michael Tiu ] auch einen erbitterten Feind. Da sowohl Kwok als auch Fei, dessen Schwester Marble [ ANgel Lam ] schwer erkrankt ist, in Schulden stecken, verursachen sie ungewollt einen Ausbruch der Eskalation.
Das Thema selber wird in der Volksrepublik nicht gerne gesehen und entsprechend unter die Lupe genommen, welche Aussagen trifft man, welche Ansicht hat man dazu, ist eine Botschaft in der Genregeschichte versteckt. Informationen zum Film sind spärlich, Emperor Pictures steckt zumindest mit dahinter, das bedeutet eine solide Finanzierung, die drei Hauptdarsteller, zumindest Wong und Chan sind auch oft im Fernsehen, als Hauptrolle bei TVB, dann allerdings zusätzlich über Shaw Brothers Studio zu finden. Lord Kwan wird auch hier gehuldigt, das Geld fleißig gezählt, eine Übergabe bzw. Überbringung soll stattfinden, man schickt seinen besten Mann los, mit dem Koffer voller Scheine, mit zwei Mann als Begleitung, es geht raus in die Vororte, in die Abgeschiedenheit. Ein Hindernis baut sich plötzlich auf der Straße auf, eines von vorne, ein stehender Van, ein zweiter kommt von hinten heran, man sitzt in der Falle, man ist eingezwängt, eingequetscht, sichtlich mit Absicht, keine Zufälligkeit im Sinn. Die Macheten werden gezogen, der Feind in der Überzahl und ebenso bestückt, ein Kampf entbrennt, das Schlachten beginnt, The Unwavering Brotherhood am Bestehen.
Das Blut aus dem Rechner, die Inszenierung durchaus erfolgreich, wie im Vorgänger liegt das Hauptaugenmerk eher auf Chan, der noch die meiste Diversität besitzt, der auch im Kino präsent ist, der des Öfteren zwischen gut und böse schwankt, die meiste Präsenz hat, im Vergleich zu den anderen Beiden, Wong allerdings mit mehr Popularität. Leichen hat man hinterlassen, das Geld ist aber weg, 3 Mio. Dollar in Cash, das ist ungünstig, das ist schlecht, das gibt eine Diskussion unter den Führern der Gruppierung, den Sagern und Beherrschern, es ging um Leben und Tod, das tut es auch weiterhin, es wird zur Räson gerufen, man kommt in Erklärungsnot. Die Attacke und der Raub waren ein Präzedenzfall, zuvor nicht vorgekommen, es wird ein Maulwurf vermutet, eine Ratte, ein Spitzel unter den Eingeweihten, und die Gruppe ist überschaubar, es wird gesucht und vermutet. Es wird eine Bestrafung ausgeführt und eine Frist gesetzt, eine Woche Zeit gegeben, die Ehre noch gewahrt, aber der Countdown am Ablaufen, am Herunterzählen.
Regisseur Terry Ng Ka-Wai, der auch den Vorgänger gedreht hat und sowieso derzeit mit der Mann des Genres ist, der bei Donnie Yens The Prosecutor (2024) als Executive Director anwesend war, hat die Handhabe hier so weit im Griff, es sind keine herausragenden Tätigkeiten, es ist auf die funktionelle Art und Weise eingestellt, es ist ein überschaubares Projekt, keine Visitenkarte zu etwas Größerem, aber eine Eigenständigkeit, zuvor als First Assistant Director meist anwesend, nun die Beförderung, die Belohnung für das Bemühen. Auch hier geht es um etwas Größeres, steht die Wahlen wieder vor der Tür, die Election zum Anführer, zwei Konkurrenten, einer koscher, einer nicht, ein willigt eher widerwillig ein, der andere reißt sich um den Posten, macht aber zum Beispiel in Drogen (ein No-Go nicht nur für die Zensoren), und hat keine Unterstützung, zumindest keine offene, er versucht es mit anderen Mitteln, hinter dem Rücken, mit Hinterlist.
Wer schon mal eine Handvoll Triadenfilme gesehen hat, oder gerade die wenigen der aktuellen Zeit, kennt das Prozedere hier, kennt die Gesichter, die Schauplätze (Badehäuser, Mahjongstuben, die dunklen Hauptquartiere etc.), hier geht die Geschichte aber etwas anders, eine Freundschaft wird auf die Probe gestellt, gute Miene zum bösen Spiel gemacht, auch im 2. Teil musste man sich entscheiden, zu wem man hält, und was oder was man nicht macht. Gespielt ist das solide, es hat ab und zu seine Überraschungen, es hat seine Dramaturgie, man hat für alles seine Gründe und man hat für alles seine Ausreden. Es gibt Rückblenden und geteilte Perspektiven, die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, mal auch in die Öffentlichkeit gegangen, dann wieder schnell in die Bedrohung, das Schwert des Damokles hängt über allen. Es geht um Treue und Verrat, um Loyalität und Betrug, drei unterschiedliche Individuen im Mittelpunkt, ein Sitzen zwischen allen Stühlen.
Um das liebe Geld geht es hier wieder, um illegale Beschaffungsmaßnahmen, um einen Raubüberfall bei Nacht auf einen Drogendealer, man hätte eigentlich etwas anderes, Juwelen nämlich, und auch keine zwei Dutzend Schergen ebenfalls mit Macheten nahe vor dem Geschäft erwartet. Eine paar grobe Stunts werden bereitgehalten, fußläufige Verfolgungen durch die Straßen, die Polizei auch bald vor Ort, inmitten der Bereitschaft. Das allein füllt die Laufzeit nicht, es wird noch eine Krankengeschichte und eine Liebesgeschichte eingebunden, beide Subplots interessieren nicht wirklich, sie sind routiniert umgesetzt, bleiben aber Füllmaterial, Mittel zum Zweck.
Würde gibt dem (viel im Gelbstich oder Rotfilter gefangenen) Film vor allem Cheng, ein Urgestein des HK-Filmes, seit Mitte der Achtziger anbei, mal in B-Pictures, mal in A-Pictures, je nach Verfassung des Geschäftes auch, ein besserer Darsteller, zuweilen auch bei Johnnie To beschäftigt, vor allem in dessen Anfängen, dessen Fernseharbeiten, dem Lernen. Gelernt wird hier im Film nicht, vor allem nicht aus den Fehlern, die man macht, sie werden wiederholt, sie wurden einmal gelöst, beim zweiten Mal steckt man tiefer in der Tinte, es hilft nur noch ein Ausweg; ein Bandenkrieg wird angezettelt, von unten nach oben, es geht um die Kleinigkeiten, die Schwierigkeiten verursachen, mal hat man Glück, meist hat man Pech. Mit Gewalt und Brutalität wird dabei nicht gespart, mit Folter, aber auch mit Ehre und Respekt, mit Enttäuschung und Eintreten für Andere, um Bruderschaft und 'Familie' im weiteren Sinne, um Existenz und Dasein. Für den Showdown, ein ordentliches Gemetzel, wird ein größeres Grundstück (mit Bergen von Toten) gewählt, ansonsten scheint man auch back-to-back zum Teil 2 gedreht worden zu sein, die Szenerien bis dato ähneln sich, die Projekte sowieso zusammen angekündigt.