Wenn man von zeitlosen Klassikern spricht, muss „The Sting“ wohl zweifellos dazu gezählt werden. George Roy Hills („Butch Cassidy and the Sundance Kid“, „Slap Shot“) mehrfach ausgezeichnetes (7 Oscars bei 10 Nominierungen) Meisterstück sprudelt vor Spielfreude, Eleganz und Stil nur so über und wird vollends von den Klavierklängen Scott Joplins veredelt.
Wir befinden uns in Amerika, Mitte der Dreißiger, die Wirtschaftskrise: Trickbetrüger Johnny Hooker (Robert Redford, „Brubaker“, „Spy Game“) und sein alternder Mentor Luther Coleman (Robert Earl Jones) halten sich mit Trickbetrügereien über Wasser. Als sie versehentlich den Geldboten der Unterweltgröße Doyle Lonnegan (Robert Shaw, „From Russia with Love“, „Jaws“) um mehrere Tausend Dollar erleichtern, stecken sie tiefer in der Bredouille als sie zunächst ahnen. Der seinen Ausstieg aus dem unehrlichen Geschäft planende Luther wird darauf brutal ermordet, weswegen Johnny der letzten Weisung seines Lehrers folgt. Er sucht den legendären Gauner Henry Gondorff (Paul Newman, „The Towering Inferno“, „Slap Shot“) auf, doch der ist längst eingerostet. Zusammen schmieden die beiden einen ausgeklügelten Coup, um Lonnegan um einen beachtlichen Betrag zu erleichtern.
„The Sting“ ist bis in die letzte Einstellung mit viel Liebe erstelltes Nostalgie-Kino. Man kann die Luft der Dreißiger förmlich riechen. Von den Straßenzügen, über die Autos bis hin zum kleinsten Detail wurde hier alles nachempfunden. Eine wahrhaft referenzverdächtige Ausstattung, mit der sonst nur Filme wie „The Untouchtables“ aufwarten können.
Das Motiv des Duos ist keine simple Rache, sondern Amüsement und dabei noch möglichst viel Kohle bei einstecken. Die Genugtuung erfolgt nach einem ausgeklügelten Plan voller Finten, Wendungen und Überraschungen. Da heißt es für den Zuschauer am Ball bleiben, um diesen minutiös ausbaldowerten Coup auch bis in den letzten Winkel folgen zu können. Johnny und Henry ziehen eine ganzes Scheinwettbüro mit allem drum und dran auf, um den Gangster Lonnegan erst in Sicherheit zu wiegen und, als der Betrag endlich groß genug ist, reinzulegen.
Bis dahin ist jedoch ein langer Weg, den das Duo dank Hills zwar altmodischer, jedoch lebendiger Regiearbeit leichtfüßig voller Humor und Unbeschwertheit beschreiten darf. Redford und Newman zeigen hier ganz großes Schauspielerkino, harmonieren prächtig miteinander und werfen sich die Bälle nur so zu, als wollten sie gar nicht mehr aufhören. Der ebenfalls gut aufgelegte Supportcast steht dem in nichts nach. Weder den gefährlichen Lonnegan (Shaw brilliert mal wieder eiskalt), noch den ihn auf den Fersen stehenden, korrupten Cop Snyder (Charles Durning) nehmen sie dabei so richtig ernst.
Unterteilt in mehrere Akte, folgt man der Ausarbeitung und der Durchführung des raffinierten Plans. Für meinen Geschmack hätte man (und würde heute wohl auch) sich in ein paar Handlungen auch etwas straffer fassen können, insgesamt hat „The Sting“ aber kaum Makel und überrascht alle noch mal mit seinem würdigen Abschluss – ein Trick.
Fazit:
Zeitlose Gangsterkomödie mit ungewöhnlich viel Stil und Köpfchen. Mit „The Sting“ George Roy Hill zweifellos einen Klassiker, der von seiner Ausstattung, über das ausgeklügelte Skript, bis hin zu seinem bestens aufgelegten Darstellern überzeugt. Einfach mal einsteigen und gehen lassen wie sonst nichts. Filmspaß ist hier garantiert.