Es gibt nur wenige Feelgood-Movies in klassischer Hollywood-Tradition, doch "The Sting" gebührt sicherlich ein Ehrenplatz unter ihnen. Hier gilt wirklich: wer diesen Streifen nicht mag, dem kann man bei seinem Filmgeschmack nun wirklich nicht mehr helfen - der ist echt allein.
George Roy Hills Film glänzt durch eine unglaubliche Leichtigkeit und Beschwingtheit, die Inszenierung ist klassisch und frisch, das Lokalkolorit des Chicago in den 30er Jahren ungemein präzise. Es ist inhaltlich sicher nur eine Fußnote in der Filmgeschichte wert, doch die Story von den abgezockten Gaunern, die aufgrund des Todes eines Freundes, sich mit einem unglaublich aufwendigen Trick an einem Gangster rächen und diesen ausnehmen ist so bildgewaltig und tänzelnd erzählt, daß man es gesehen haben muß, um es zu glauben.
Der Zuschauer soll dabei ebenso überrascht werden, wie einige der Figuren, so daß die Zusammenhänge der Geschichte erst in den letzten Filmminuten erkannt werden können, bisweilen erst nach dem Showdown. Bis dahin schafft es der Film jedoch nicht, seine Zuschauer mit ungeklärten Fäden zu verwirren, sondern scheint ein integres Bild zu liefern, bis die Doppelbödigkeit am Ende offensichtlich wird.
Dazu ist es hilfreich, daß das Protagonistenduo harmoniert wie nichts Gutes. Redford ist zwar eigentlich schon etwas zu alt für den Grünschnabel-Betrüger Hooker, der von dem abgezockten Hasen Newman/Gondorff in die großen Tricks eingeweiht, aber die Chemie stimmt einzigartig.
Dazu wird eine Geschichte ausgerollt, die Platz läßt für ein ganzes Dutzend brauchbarer Filmcharaktere mit Tiefe und Gewicht.
Ungewöhnlich dabei ist die Unterteilung in einzelne Kapitel, deren Titel zumeist die Stimmung für die nächsten Filmminuten vorgeben. Ein gemalter Zwischentitel markiert stets den Beginn eines neuen Kapitels, das die Handlung stets weiterbringt. Und obwohl es Tote und Tragik (und auch eine Prise Gewalt) gibt, scheint "Der Clou" stets zu schweben, vollständig in der Zeit gehalten zu sein, in der er spielen soll. Augenzwinkernd scheint der passende Ausdruck für dieses Gaunerstück zu sein, dass noch mehr Authentizität durch Scott Joplins weltbekanntes Klavier-Titelthema bekommt, dass nun wirklich jedem bekannt sein dürfte.
Bei den Schauspielern hält sich Newman als Älterer gegenüber dem straighten Redford zurück, glänzt jedoch in einer Sequenz am Kartentisch in einem fahrenden Zug, wo er, den Betrunkenen mimend, alle Betrüger noch zusätzlich bescheißt. Robert Shaw und Charles Durning geben stimmige Portraits von komplexbeladenen Psychopathengangstern und korrupten Bullen (so wie wir sie uns vorstellen), während Walston, Brennan und Elcar wie für diese Rollen geboren zu sein scheinen.
"The Sting" swingt jedenfalls und macht von der ersten bis zur letzten Minute Spaß, ein Gauner- und Bubenstück, wie es in seiner Gesamtkomposition nicht viele gibt und das nicht zu Unrecht mit sieben Oscars ausgezeichnet wurde. Generell gilt zwar "Butch Cassidy..." als der bessere Film des Duos Redford/Newman, doch dessen leichte Ziellosigkeit ist hier in einem unterhaltsamen Rahmen fokussiert worden.
Ein feines Stück Filmgeschichte - zeigt mir etwas Vergleichbares! (10/10)