Review

Es gibt eine kleine Handvoll Regisseure, die ihr eigenes Genre geschaffen haben, wie z. B. Jim Jarmush, Roy Andersson, Quentin Tarantino oder Kevin Smith. Doch kein Regisseur hat eine vergleichbar wiedererkennbare Handschrift wie Wes Anderson. 

Ähnlich wie bei Tarantino sind auch die letzten Anderson-Filme mehr oder weniger „Best-ofs“ seines Stils und seiner Charakteristika: die milimetergenau „geblockten“ Frames, die „dolly tracking shots“ entlang den sorgfältig aufgebauten Dioramen, die detaillierte Retro-Ausstattung, die verspielte Musik, die absurden Situationen, der knochentrockene Humor und der Cast, der bis in kleinste Rollen höchst prominent besetzt ist. 

Sein neuester „Meisterstreich“ (ausnahmsweise mal ein schöne deutsche Titelübertragung) wird unter Anderson-Skeptikern keine neuen Freunde gewinnen, aber er wird Anderson-Fans sehr glücklich machen. 

THE PHOENICIAN SCHEME ist mal wieder sehr lustig, hat etwas mehr Tiefe als die letzten Filme und nimmt die familiären Themen aus THE ROYAL TENENBAUMS wieder auf, seine Schwarzweiß-Sequenzen im Himmel (selbstverständlich mit Bill Murray als Gott) erinnern dagegen an den künstlerischer angelegten THE FRENCH DISPATCH. 

Die Story wird gegen Ende etwas unübersichtlich, aber die Story war bei Anderson noch nie entscheidend. So lebt auch dieser Film hauptsächlich von seinen Figuren: Michael Cera als norwegischer Insektenforscher, Hauslehrer und Verwaltungsassistent ist ein grandioser Neuzugang in Andersons Ensemble, Benicio del Toro gibt einen herrlichen Unsympathen, lediglich die Performance von Newcomerin Mia Threapleton (Tochter von Kate Winslet) ist vielleicht etwas zu sehr auf „deadpan“ reduziert, was dem Film jedoch nicht schadet. Gerne mehr gesehen hätte man vom Basketball-Duo Tom Hanks & Bryan Cranston sowie von Scarlet Johansson und „Gott“, aber der nächste Wes Anderson-Film lässt bestimmt nicht lange auf sich warten.

Details
Ähnliche Filme