Der fünfte und letzte Teil der Dirty-Harry-Saga läßt die Frage offen, warum er eigentlich produziert wurde, denn es handelt sich lediglich um einen gewöhnlichen Cop-Krimi, in dem Eastwood noch einmal in seine legendäre Figur schlüpft, ohne noch etwas Zwiespältiges aus der Rolle rauszuholen, nicht mal zum Thema Selbstjustiz.
Allein das Sujet eines halbgaren Wettspiels, welche Prominenten in einem Jahr noch sterben werden, ist als Grundlage schon strafbar, denn Funktion, Kontrolle und Ablauf bleiben komplett ungeklärt. Calahan ist demnach dann auch mehr damit beschäftigt ein paar andere brenzlige Situationen durchzustehen, die mit der Rache eines Mafiabosses zusammenhängen oder mit seiner aufkeimenden Beziehung zu einer lernfähigen Topreporterin.
Diese Ereignisse sind weder besonders gut entwickelt noch unterhaltsam, lenken aber erfolgreich von der öden Grundstory ab.
Die ist nur erinnerungswert, weil Liam Neeson in einer frühen großen Nebenrolle einen Filmregisseur so betont klischeehaft anlegen muß, daß man sich an eine Columbofolge erinnert fühlt und weil das allererste Opfer Jim Carrey in person ist, ein Jahr vor seinem großen Ventura-Durchbruch, der hier einen drogenabhängigen Rockstar mimt, dem (unglaublich, aber wahr), "Guns'n Roses" "Welcome to the Jungle" in den Mund gelegt wird.
Lediglich Eastwoods eisgraue Präsenz rettet ein wenig das Niveau, wenn auch vor seiner Magnum wieder mal eins, zwei, drei alle kapitulieren und niedergestreckt werden. Und zum Schluß reicht auch das Kaliber nicht mehr.
Der Mörder erweist sich später sogar als gänzlich Unbekannter mit kaum erklärbarem Motiv, was aber auch kein Wunder ist, weil der Kreis der Verdächtigen nie erweitert wird.
Somit kommt höchstens mittelprächtige Spannung auf, die in einem Dirty-Harry-Film weit unter Standard ist.
Der fünfte Teil: nur noch etwas für anspruchslose Komplettisten (4/10).