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Inspector Harry Callahan ist wieder mal im Einsatz, als es darum geht, eine mysteriöse Mordserie aufzuklären, die ihren Ursprung am Set des neuesten Films des berühmten Horror-Regisseurs Pater Swan zu haben scheint: Crew und Darsteller vertreiben sich nämlich die Zeit damit, "Das Todesspiel" zu spielen, bei dem jeder Mitspieler eine Liste mit prominenten Persönlichkeiten erstellt, von denen er glaubt, dass sie innerhalb eines Jahres den Löffel abgeben werden. Nun scheint es so, als hätte ein psychopathischer Swan-Fan diese Liste in die Finger gekriegt und würde nun alles daran setzen, seinem Idol zum Sieg zu verhelfen. Gleichzeitig muss sich Callahan auch noch mit der neugierigen Reporterin Samantha Walker, die ihn zum Mittelpunkt ihrer neuesten Story machen will, und dem einsitzenden Gangsterboss Janero, der ihm aus dem Knast heraus seine Handlanger auf den Hals hetzt, herumschlagen... Waren die vorhergehenden "Dirty Harry"-Streifen noch reine Kriminal- bzw. Cop-Thriller, so streift dieser fünfte Teil aufgrund einiger skurriler Details der Handlung, der verwurschtelten Serienkiller-Thematik sowie der eingebrachten Film-im-Film-Motive doch glatt den Randbereich des Horror-Genres... wer hätte das gedacht? Der Sub-Plot rund um den Filmemacher Peter Swan, der von Liam Neeson übrigens schön kotzbrockig gemimt wird, lässt das Ganze dann auch noch als entfernten Verwandten solcher Hollywood-Intern-Streifen wie "The Player" erscheinen, die ja allesamt ein nicht gerade vorteilhaftes Bild von der Traumfabrik zeichnen, was in diesem Fall allerdings noch Raum für ein paar nette Insider-Gags sowie eine kurze Verbeugung vor William Friedkins "Der Exorzist" ("It is not a rip-off, it's a homage!") bietet. Darüber zu spekulieren, ob den Machern hier vielleicht doch so etwas wie eine versteckte Satire vorgeschwebt ist, ist da letztendlich allerdings müßig, denn den Fokus der Handlung bildet wiederum Clint Eastwood, der gewohnt unnachahmlich in seiner Parade-Rolle brilliert und auch im fortgeschrittenen Alter überzeugend den wortkargen Bullen gibt, wie ihn das Publikum sehen will. Im Kampf gegen das Verbrechen geht "Dirty Harry" nämlich immer noch ohne Rücksicht auf Verluste mit seinen ganz eigenen Methoden vor... und so müssen auch wieder mal einige unfähige Gangster-Handlanger auf unangenehme Art feststellen, dass man sich mit dem Titel-Helden besser nicht anlegt, wenn man nicht scharf auf 'ne Kugel im Kopf oder Rücken ist. An der Aussage und der Law-and-Order-Mentalität der Reihe hat sich demnach auch in den späten 80ern nichts geändert, nur so gänzlich bierernst wie einst in Don Siegels harschem Original geht es hier nicht mehr zu, denn die Geschichte wird da doch von zu vielen bewusst-humorigen Einlagen aufgelockert (exemplarisch: die Verfolgungsjagd mit einem ferngesteuerten Spielzeug-Auto quer durch San Francisco!), was in einem beinahe komödiantischen Ton resultiert, der auch durch ein bisschen gezwungene Medien-Schelte nicht aufgewogen wird. Der Showdown könnte dann aber doch wieder aus einem "richtigen" Horrorfilm stammen, denn das finale zwischen Callahan und dem Killer spult sich da doch haarklein nach den vorgegebenen Formeln ab. Amüsant ist in diesem Fall die Weapon of Choice, mit der Dirty Harry dem Bösewicht schlussendlich die Lichter auspustet, denn die überdimensionale Walfisch-Harpune toppt sogar nochmal die liebgewonnene .44 Magnum und setzt dem Die-Knarre-als-Phallus-Symbol-Geplänkel mal echt die Krone auf. Klar, dass da der lakonische Oneliner im Anschluss natürlich nicht fehlt. Okay, die Ernsthaftigkeit des von Clint Eastwood selbst inszenierten 1983er-Wiedereinstiegs in die Reihe "Dirty Harry kommt zurück" (dem nach dem 1971er-Original mit Abstand besten Teil!) bleibt dabei gänzlich auf der Strecke und es mag sein, dass man mit dem bewussten Augenzwinkern und einem Übermaß an Ironie ein wenig die Schärfe aus der Angelegenheit genommen hat, aber weniger unterhaltsam ist die Chose deshalb nicht geworden... und ich halte "Das Todesspiel" auch immer noch für weitaus gelungener als Eastwoods andere Ausflüge ins Serienkiller-Genre "Der Wolf hetzt die Meute" und "Blood Work"! Fazit: Der eher comichafte Abschluss einer einst noch von dreckigem Realismus geprägten Filmreihe.

7/10

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