"It's fun, once in a while, to have a character you can go back to. It's like revisiting an old friend you haven't seen for a long time. You figure I'll go back and see how he feels about things now."
~ Clint Eastwood
Die Zeichen für einen Kassenhit standen eigentlich günstig, als der 5. (und letzte) Teil der Dirty Harry Reihe angekündigt wurde, der Vorgänger war ein Boxoffice Erfolg, die Saga hatte insgesamt ihre Reputation und Bedeutung, das Genre des Polizeifilmes war wieder gefragt, vor allem auch durch die hauseigene Konkurrenz des bis dahin einen Lethal Weapon - Zwei stahlharte Profis (1987), und die letzten Genrearbeiten von Clint Eastwood wie Heartbreak Ridge (1986) oder Pale Rider - Der namenlose Reiter (1985) waren auch Lieblinge beim Publikum. Zudem hatte der Darsteller und Filmemacher direkt zuvor eher auf leise Töne gesetzt und bot nun dem Zuschauer eigentlich genau das, worauf er seine Karriere mit aufgebaut hat und wonach es dürsten sollte; angesichts all dieser Punkte war das Einspiel in den Kinos aber enttäuschend, dafür war man später Dauerbrenner im Fernsehen, ein kleiner Trost vielleicht, wer weiß das schon. Eastwood überlässt hier wieder seinem Bekannten Buddy Van Horn die Regie, der später noch Pink Cadillac (1989) geschaffen (und in den Sand gesetzt hat), Van Horn als Stuntkoordinator und Second Unit Director seit 1968 für Eastwood tätig auch durchaus geschaffen für ein Spektakel, für eine actionlüsterne Sensation; "Mit frischer Kraft ans Werk, Leute. Wird Zeit zum Aufwachen.". Der Start war auch vielversprechend, der umsatzstärkste Mittwoch-Release in der Geschichte der Warner Bros., den Rest erledigte dann die Mundpropaganda bzw. das Ausbleiben dessen; zudem war das Budget mit knapp über 30 Mio. USD recht angezogen, das sieht man (im Vergleich zu bspw. Rookie - Der Anfänger, 1990) nicht wirklich:
Die Aussage von Inspektor Harry Callahan [ Clint Eastwood ] gegen den Gangsterboss Lou Janero [ Anthony Charnota ] bringt den Mafioso ins Gefängnis. Inzwischen berühmt, wird Callahan zur Zielscheibe von Janeros Männern sowie von den Nachrichtenmedien, die er beide nicht mag, abgesehen von der Reporterin Samantha Walker [ Patricia Clarkson ], allerdings nach anfänglichen Schwierigkeiten. Nachdem Callahan vier Auftragsmörder in einem Hinterhalt getötet hat, beauftragt die SFPD Inspektor Al Quan [ Evan C. Kim ] als seinen Partner. Beide haben auch bald viel zu tun, steht doch Callahans Name auf der Todesliste des Regisseurs Peter Swan [ Liam Neeson ], dessen erster Kandidat Johnny Squares [ Jim Carrey ] gerade das Zeitliche gesegnet hat.
Dabei fängt auch der Film gut an, eine gewisse Kräftigkeit im Score von Lalo Schifrin, die Szenerie von San Francisco präsent eingefangen, die nächtliche Skyline, die Melodie schwankend zwischen Action und Thriller, mit einem ohrwurmlastigen Thema, dazu das Großstadtflair, die ersten bösen Nachrichten über dem Fernseher, ein Täter am Werk, ein Serienkiller. Callahan auch gleich im Bilde, auf einer Todesliste eingetragen, als Nummer 8 aber nur, eher weiter unten, der Bösewicht macht sich ans Werk. Der Inspector immer noch agil, trotz erhöhten Alters, immer noch stabil, das Verbrechen am Bekämpfen, die City am Durchstreifen, die Arbeit unermüdlich, ebenso wie das Verbrechen, die Kriminalität; ein nächtlicher Überfall, die Maschinenpistolen und andere Schnellkaliber werden gezückt, ein Mann mit dem Auto gerammt und plattgewalzt, anschließend viele Kopfschüsse, die Szene erinnert an Dirty Harry kommt zurück (1983), vom Aufbau, insgesamt; "Das ist kein Geklaue. Das ist eine Hommage, du Dummkopf.". Die Presse sind immer noch zeitig da und schnell am Fragen, es gibt auch wieder Ärger mit dem Vorgesetzten, Bürodienst als Wunsch der anderen Beamten, eine Belobigung und eine Versetzung, für die Öffentlichkeitsarbeit genutzt, das Image polierend, das Department von Kadetten überschwemmt, die Bewerbungen stapeln sich.
Eine Kooperation mit den Zeitungsleuten und Nachrichtensprechern wird auf gedrungen, zudem ein neuer Partner, Callahan mag diesen eigentlich, er ist sich aber um dessen Sicherheit besorgt, er sondert ein paar Sprüche ab; Oneliner nennt man dies heute, Beleidigungen damals, es geht gegen die Schreibtischhengste und andere (jüngere) Büroleute. Das Todesspiel ist nur ein Fall von vielen hier, es wird bald und später noch zum Mittelpunkt gemacht, die anderen Zutaten sind eher für die Stuntmen und die Außeneinsätze dar, mit Prominenz gesegnet übrigens der Film, damals nicht, im Nachhinein, mit Jim Carrey und Liam Neeson, zu der Zeit unbekannt oder frische Leute, heute selber Veteranen, wie die Zeit vergeht. Auf MTV wird hier auch angespielt, ein Musikvideo gedreht, ein Film im Film, eine doppelte Promotion, "Das ist ein Effekt.", effektiv sind hier die Darsteller, die Umgebung, es gibt viel Geschreie am Set, es gibt bald einen brutalen Mord, auf eine Überdosis hindeutend, die Polizei beizeiten am Tatort. Das Morddezernat kann mit der Tat nicht allzu viel anfangen oder will es nicht, es werden trotzdem Routinefragen gestellt, die Crew ist am Frieren, es wird im Schlachthof gedreht, Neeson ist hier durchaus präsent, eine Ebenbürtigkeit im Kommen, eine Art Nachfolger später. Es werden viele Nebenszenen dargeboten, optisch erinnert es etwas an Fernsehfilme, Eastwood wird rabiat, er mag nicht die Sensationslust der Medien, er greift ein, die Kamera zerstört.
Viel getippt auf der Schreibmaschine wird hier, das ist wahrscheinlich das Skript, wieder eine Actionszene, diesmal im Chinatown geschrieben, ein Mann wird durch eine Glasscheibe geschossen, ein Restaurant überfallen, "Dein Glück hat dich verlassen.", Callahan schießt einfach, es gibt keinen richtigen Shootout, nur eine erweiterte Exekution, und eine Martial Arts Einlage, natürlich nicht von ihm, vom chinesisch-amerikanischen Partner, ein Zugeständnis an den Hongkong-Film; "Wir alle machen Fehler von Zeit zur Zeit." Der Inspektor wird hier auch als 'Hure' genutzt, er ist im Interesse nicht nur der Mobster und des Mörders, sondern auch der Reporterin, dem weiblichen Pressefritzen, er macht eine eindeutige Absage, eine Partnerschaft dennoch möglich, sowohl zwischen seinem Kollegen als auch der Reporterin, der Inspektor hier etwas offener und freundlicher im Kontakt mit anderen Menschen, selbst eine Beerdigung wird besucht. Ein Action-Krimi, ein (teurer) B-Picture Thriller der eher altmodischen Art, nicht besonders innovativ gedreht, ein paar Ermittlungen, ein Ausweg, "eine Ersatzbefriedigung der Furcht", "fasziniert von Tod und Gewalt", letzteres ist eher gedämmt im Vergleich zu den Vorgängern, nicht so reaktionär, nicht so zynisch, nicht so dunkel gehalten, viel auch bei Tageslicht.
Eine gewisse Biederkeit umgibt den Film auch, er ist harmloser als die anderen, er wirkt nicht per se kinotauglich, es gibt viele Entschuldigungen, es gibt gar ein paar Schuldigkeiten, eine kleine Romanze, auch das ist etwas Neues. Eine Liebelei im Blühen, könnte man meinen, eine Erweiterung der Beziehungen vom Polizisten zu den Frauen, im dritten Teil der Kollegin, im vierten Teil eine Art Helfershelfer, nun der Romantiker, für seine Verhältnisse natürlich nur. Die Kommunikation ist deutlich, sie reizt mehr als nur die Geschichte, er denkt darüber nach, das klingt fair, es wartet die nächste Actionszene, ein Beschuss im gläsernen Fahrstuhl, vorher wird ein Autogramm gegeben. Den 15 Minuten Ruhm folgen Funkenregen und Glasscherben, wieder ist der Inspektor besser in der Treffsicherheit, viel geübt in den vergangenen drei Dekaden, viel Zielwasser getrunken, reine Routine, man kommt nicht mal ins Schwitzen, er ist es schlicht gewohnt. Eastwood spielt das runter, er gibt sich nicht mal richtig Mühe, er braucht es auch nicht, er hat die Figur inhaliert, er spielt sie im Schlaf, es wird teilweise gar humoristisch hier, "Komm schon, Kopf hoch, lach wieder." Der Film unterhaltsam genug für mehrere Sichtungen, über die Jahre hinweg mal dieses und mal jenes zu entdecken, er ist etwas dünn auf der Brust, zugegeben, gerade auch im Vergleich zum aktuellen Geschehen um Riggs & Murtaugh, die neue Generation am Überholen auf der Seitenspur, der Lauf der Dinge, auch eine Ikone bleibt davon nicht unbeeindruckt und nicht verschont.
Die Außenaufnahmen in San Francisco bieten noch etwas Produktionsvielfalt, Chinatown, der Hafen, die Bucht, das Gefängnis, dazu ein paar Innenräume mit besseren Aussichten, die Location bemüht sich zumindest, zusätzlich hat man sich aus dem eigenen Archiv bedient, Filmausschnitte aus Cujo (1983), aus Flucht in die Zukunft (1979), aus Die Wiege des Bösen (1974), das eigene Sammelsurium als Abschreckung, als negative Beispiele, auch eine Kunst; eine Metaebene, wenn man das so nennen will, zudem wurde u.a. auch eine Filmkritikerin ermordet, viel in Bewegung, manches auch in der Zweideutigkeit, in der Ablehnung der Yellow Press, der Exlusivstories angesichts eines derben Feuerstunts hier, es geht um Presse- und Medienfreiheit und Zensur, ein bisschen auch Kunst- und Kulturkritik. Eine ferngesteuerte (und eine zweite) Autoexplosion später ist der Polizist auf der Liste nach vorne gerückt, er ist nicht mehr #8, er steht jetzt weiter oben, er bekommt selber eine Autojagd mit einem mit C4 bestückten Spielzeugwagen aufgedrückt; in der Miniatur- und der Großausgabe, eine Autohatz mit anderen Mitteln, eine Parodie fast (auf Bullitt, 1968), Sprünge in groß und in klein über die Straßenhügel der Stadt. Eine Verfolgungsjagd, die ging auch in die Geschichte ein, aber nicht unbedingt als ruhmreiches Blatt.