Review

Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (29)

THE LAND THAT TIME FORGOT – GEFANGEN IN DER URZEIT

(THE LAND THAT TIME FORGOT)

Anthony Frith, USA 2025

Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!


Und wieder etwas aus dem Schaffen der kalifornischen Vorzeige-Ramschbude „The Asylum“ – eine ganz frische Edgar-Rice-Burroughs-Verfilmung mit dem Titel The Land That Time Forgot. Ähm ... The Land That Time Forgot? Gibt es diesen Film aus dem Hause Asylum nicht schon? Stimmt. Es gibt ihn. Aber das ist eine andere Adaption des gleichen Stoffs, die im Jahr 2009 ebenfalls als The Land That Time Forgot von C. Thomas Howell gedreht wurde und im Prinzip selbst nur ein Remake von Kevin Connors wiederum gleichnamigem Streifen aus dem Jahr 1974 war, der hierzulande als Caprona – Das vergessene Land bekannt ist.

Wenn David Michael Latts Bude nun also erneut mit dieser Geschichte anrückt, dann kann das zweierlei bedeuten: Entweder wird der Burroughs-Geschichte dort so viel Wert beigemessen, dass man ihre regelmäßige Neuinterpretation als unumgänglich empfindet, oder man hatte schlichtweg keine bessere (sprich bequemere und billigere ...) Idee. Ich persönlich möchte da ganz spontan auf Letzteres tippen – aber das macht Anthony Friths 2025er-Version von The Land That Time Forgot nun auch nicht mehr ungeschehen. Also los:

Im Beringmeer ist ein sehr seltsam aussehendes Reparaturfahrzeug der australischen Marine unterwegs (es ist eher eine Art Plattform), um, ähm ... irgendetwas zu reparieren. Plötzlich gibt es eine ausgewachsene Explosion und das Seefahrzeug wird von einem russischen U-Boot angegriffen. Feindliche Soldaten stürmen die Plattform, hier und dort explodiert wieder etwas, es wird wild umhergeschossen und knapp dreißig Sekunden später haben die Australier den Spieß umgedreht, sprich ihrerseits das russische U-Boot gekapert. Mit dem machen sie sich aus dem Staub, während ihre Plattform in die Luft fliegt.

An Bord haben die Eindringlinge und die verbliebenen russischen Soldaten jedoch nicht einmal genügend Zeit, um ein paar Unhöflichkeiten auszutauschen, denn nach ungefähr zehn Sekunden befindet sich das U-Boot unmittelbar vor der Küste einer tropischen Insel, wie sie im Beringmeer so zahlreich anzutreffen sind ...

Aber im Ernst: Diese Insel gehört nicht hierher. Das wissen auch die Soldaten beider Nationen und würden sich gern ein wenig wundern, doch nach kaum fünfzehn Sekunden gibt es schon wieder Ärger: Ein gigantischer Mosasaurus (!) rauscht heran und springt über das U-Boot hinweg! Zumindest will er das tun, doch mitten im Sprung kann ihm einer der australischen Soldaten, der sich gerade auf dem Turm umsieht, mit einem kleinen Haushaltsbeil tödliche Verletzungen zufügen. Es ist wirklich ganz einfach – er muss das Beil nur kurz hochhalten, und schon kracht der tote Urzeitriese mit zwei Schnittwunden seitlich auf das U-Boot, das dadurch allerdings ans Ufer geschleudert und schwer beschädigt wird.

Auch gut – so können die Insassen erst einmal an Land gehen und sich sammeln. Auch wir Zuschauer kommen nun endlich zur Ruhe und lernen die an den vergangenen und zukünftigen Abenteuern Beteiligten zumindest in dem Maße kennen, dass wir sie nach ihrer Herkunft unterscheiden können. Als Helden dienen hier natürlich die Australier – das sind der Lieutenant Tim Olson und drei seiner Leute – der Ingenieur und Mosasaurustöter Tyler Armstrong sowie die beiden Ingenieusen Lee Larue und Jennifer Bradley. Die drei Vertreter Russlands werden derweil als ihre Gefangenen betrachtet.

Nun gilt es herauszufinden, wo man ist ... und wann man ist, denn die Anwesenheit von Mosasauriern deutet darauf hin, dass man wie auch immer ein paar Milliönchen Jahre in die Vergangenheit gereist sein könnte. Das bestätigt sich sehr bald: Während die Australier noch Pläne schmieden, wie nun vorzugehen sei, hat einer ihrer russischen Gefangenen schon wortwörtlich seinen Kopf verloren – abgebissen von einem der Velociraptoren, die sich herangeschlichen haben und nun blitzschnell zuschlagen. Da trifft es sich gut, dass die Australier hervorragend bewaffnet sind: Neben Armstrong haben auch noch Ingenieuse Larue und Lieutenant Olson ein kleines, wie frisch im Baumarkt erworben aussehendes Heimwerkerbeil bei sich, und die beiden Erstgenannten tragen sogar noch ein kleines Klappmesserchen in der Hosentasche. Damit sind ein paar lächerliche Raubsaurier natürlich schnell niedergemacht – besonders die gefühlt sechzehnjährige, aber bereits als Meisterin des Beil- und Messerwurfs geltende Larue erweist sich ihres Rufs als würdig und tötet mehrere Raptoren mit jeweils nur einem Hieb oder einem Wurf. Kunststück: Sie und Armstrong haben einst ein paar Semester Biochemie studiert und wissen deshalb, dass sie eine bestimmte Stelle hinter dem nicht vorhandenen Ohren der Tiere treffen müssen, um sie, ganz gleich wie groß, zuverlässig ausschalten zu können.

Hernach lassen sich die Verbliebenen von einem T-Rex ins Inselinnere jagen, wo sie der Eingeborene Ahm in seine Höhle einlädt, deren Eingang auf einem hohen Felsvorsprung liegt. Hier lernt man auch den deutschen Kapitän zur See Friedrich Von Schoen kennen, der im Ersten Weltkrieg mit seinem U-Boot auf der Insel gestrandet ist und seitdem hier lebt – was scheinbar bereits ein paar Schrammen an seiner Psyche hinterlassen hat, denn es sieht nicht so aus, als hätte er noch alle Tassen im Schrank. Dennoch: An Bord seines zerstörten U-Boots gibt es noch Treibstoff, mit dem man das U-Boot der Russen betanken und sich dann gemeinsam weiß der Kuckuck wohin auf die Reise machen könnte (bis hierhin war übrigens noch nie von einem Treibstoffproblem die Rede). Nachdem Larue den vor ihrem Felsvorsprung herumtobenden T-Rex mit einem gezielten Klappmesserchenwurf ermordet hat und ihre Berufskollegin Bradley von einem Pteranodon totgehackt wurde, macht man sich auf den Weg zum Strand, wo Von Schoens U-Boot-Wrack liegt.

Der Deutsche füllt eine tragbare Menge Treibstoff in ein Fass und schleppt es mit dem russischen Kapitän Remizov quer über die Insel zu dessen U-Boot – ohne dass jemand auf die naheliegende Idee kommt, er könne unlautere Pläne haben. Allein der Umstand, dass er sich eine Begleitung verbittet, sollte bei den anderen alle Alarmglocken schrillen lassen, aber sie setzen sich lieber an den Strand und füllen noch ein paar leere Bierflaschen mit Treibstoff ab – bis jemand merkt, dass es sich dabei um Kerosin handelt, welches zu einer Katastrophe führen würde, wenn man das auf Dieselbetrieb ausgelegte russische U-Boot damit betankt.

Vorerst ist das jedoch erst einmal schnuppe, denn unsere Helden benötigen es nicht zum Betanken irgendwelcher Unterseeboote, sondern zur eiligen Herstellung von (CGI-)Molotow-Cocktails, mit denen sie sich gegen den Angriff einer weiteren Gruppe von Raptoren zur Wehr setzen – erfolgreich natürlich, denn einige der Urzeiträuber gehen in Flammen auf und die restlichen fallen den Beilen und Messerchen der Soldaten zum Opfer. Anschließend muss allerdings Von Schoen aufgehalten werden, denn Olson und seine Leute glauben nun endlich, dass der WK-I-Kapitän sie „taktisch austricksen“ will. Zu spät: Der irre Deutsche, der seinen Begleiter überwältigen und an einen Baum fesseln konnte, hat das russische U-Boot bereits betankt und gestartet ... um wenige Augenblicke später damit in die Luft zu fliegen. Zu allem Übel wird fast gleichzeitig auch noch der im Wasser herumturnende Olson von einem vorbeischwimmenden Mosasaurus vernascht – es läuft nicht gut für die Protagonisten.

Und nun? Die einzige Chance, noch von der verfluchten Insel herunterzukommen, sehen die Verbliebenen in der Instandsetzung des alten deutschen U-Boots, die man daher unverzüglich in Angriff nehmen will. Dumm nur, dass ihnen da ein anderer Angriff in die Quere kommt, nämlich der eines zweiten T-Rex. Der frisst erst einmal die beiden verbliebenen russischen Staatsbürger und ist dann auch noch so fies, das deutsche U-Boot weit hinaus ins Meer zu schubsen. Das war’s dann mit den Fluchtplänen. Aus die Maus.

Immerhin gelingt es Larue und Armstrong mithilfe von Ahm kurz darauf, dem T-Rex eine weitere Gruppe von Raptoren auf den Hals zu hetzen, die ihn schließlich, wenn auch unter großen Verlusten, niederringen und töten. Die übrigen Raptoren werden daraufhin von den Menschen erledigt – dem letzten haut Larue mit einem einzigen Heimwerkerbeilhieb so wuchtig den Kopf ab, dass er über die halbe Insel fliegt. Da das Skript noch immer großzügig Freund und Feind opfert, muss allerdings auch Ahm bei dieser Aktion sein Leben lassen.

Am Ende sitzen Larue und Armstrong am Ufer des Meeres und müssen sich gegenseitig aufbauen: Ihnen ist klar, dass sie nie wieder von der Insel herunterkommen und in ihre Zeit zurückkehren können, aber, so meint Larue, es sei noch Schlimmeres vorstellbar. „Wenn wir zurückgehen“, sagt sie, „wäre es nicht dasselbe. Wir landen vielleicht in einem anderen Leben, vielleicht in der Erdentstehung, und da sind Vulkane und toter Stein, oder nachdem die Sonne schon verglüht ist, und da ist nichts.“ Wacker gesprochen, fürwahr. So viel Einsicht und Unverzagtheit muss belohnt werden: Ganz überraschend bekommt sie auf dem noch intakten Handy eine SMS von ihrer kranken Mutter, mit der sie unbedingt noch einmal kommunizieren wollte! Und ja, auch ihre Antwort wird den Weg in ein anderes Erdzeitalter finden ...

Die (noch anwesenden) Zuschauer werden von diesem Wunder freilich keineswegs überrascht, denn sie haben sein Zustandekommen bereits ausgiebiger verfolgen dürfen, als ihnen lieb sein konnte. In einer zweiten Plotlinie befinden wir uns nämlich im „Pentagon“, wo in einem dunklen Kämmerchen der Admiral Christopher Jackman mit seiner jungen Adjutantin Hallie Pearce sitzt und ein persönliches Interesse an den Abenteuern der australischen Marineangehörigen hat: Lee Larue ist die Tochter seiner großen Schwester, welche schwer krank im Hospital liegt und ihn sehr nachdrücklich beauftragt hat, das Verschwinden seiner Nichte aufzuklären. Das tut er auch – beziehungsweise lässt es wie eigentlich alles die offenbar hochbegabte Hallie Pearce machen. Beim Treiben der beiden beginnen sich derweil fast zwangsläufig die Balken zu biegen, denn die Adjutantin glaubt warum auch immer recht bald zu wissen, dass Larue aufgrund von Gravitationsanomalien in irgendeiner anderen Zeit gelandet ist, woraufhin Jackman zumindest eine Funkverbindung zu seiner Nichte herstellen will. Das soll mithilfe irgendwelcher „FAB-2022-6-10-A-Wellen“ geschehen, zu denen der Admiral Folgendes referiert: „Diese FAB ist eine Radiowelle, die 2022 entdeckt wurde auf Orten Westaustraliens. Sie ist schwer zu beobachten, aber immer vorhanden, in allen vier Ecken des Universums. Nun, das ist die allerneuste Entdeckung aus den Tiefen des Universums. Es legt Milliarden Meilen zurück und es kann Nachrichten senden.“ Damit obliegt es Hallie Pearce, mit dem „Gravitationsfluss“ zu kämpfen und das Unmögliche möglich zu machen – wer wenn nicht sie, denn auch in Sachen Radiowellen weiß sie natürlich Bescheid und ergänzt ihren Chef dahingehend, als dass sie eine kurze und flotte Nachrichtenübermittlung anmahnt: „Diese FABs sind vergängliche radiale Impulse, die nur eine halbe Millisekunde bis 30 Sekunden dauern.“ In der Tat bastelt die junge Frau an ihrem spärlichst beleuchteten Schreibtisch aus irgendeinem alten Telefon ein Gerät zusammen, mit dem bei allerdings verschwindend geringen Erfolgsaussichten (von eins zu einer Billion ist die Rede) eine Verbindung ins Mesozoikum aufgebaut werden könnte, obwohl sieben oder acht unangeschlossene bunte Drähte aus dem Ding in die Gegend ragen und es daher noch ziemlich, ähm ... unfertig wirkt (was für ein sagenhafter Unsinn – man muss das einfach gesehen haben).

Sei’s drum – Hallie Pearce ist nun mal genial, und so können Larue und ihre Mutter über grob geschätzt hundert Millionen Jahre hinweg noch einmal eine Nachricht austauschen und wir Zuschauer schon mal kurz darüber nachdenken, für wie blöd man uns damit eigentlich verkaufen will. Nichts anderes geschieht nämlich hier, denn Autor Dan Telfer meint den von ihm verzapften Schwachsinn tatsächlich ernst (obwohl er einst auch als Comedian unterwegs war ...). Larue und Anderson, die übrigens auch ein Liebespaar zu sein scheinen, scherzen gelegentlich ein wenig miteinander, aber ansonsten ist die Asylum‘sche The Land That Time Forgot-Neuauflage (hierzulande mit dem in diesem Fall nicht völlig nutzlosen Titelanhang Gefangen in der Urzeit versehen) eine humorlose und nicht zuletzt aufgrund der bereits erwähnten zahlreichen Opfer (am Ende bleibt nur das Final Pair) sogar zum handfesten Drama neigende Angelegenheit. Inwieweit man bereit und fähig ist, eine Arbeit aus der führenden kalifornischen Ramschbude als ernst zu nehmendes Drama zu rezipieren, steht freilich auf einem anderen Blatt, und wo kein intendierter Humor ist, da gibt es immer noch eine Menge unfreiwilligen.

Für den muss man allerdings auch erst einmal bereit sein, denn leicht wird es einem von The Land That Time Forgot (hier und im Folgenden ist damit die 2025er-Ausgabe gemeint) nicht gemacht. Zumindest die Startphase des Films ist nur schwer zu ertragen: Einerseits wird wieder einmal in typischer Asylum-Manier Tempo mit Hektik verwechselt, das heißt, die Ereignisse rund um den Überfall auf das australische Schiff überschlagen sich dermaßen, dass man erhellende Einzelheiten gar nicht mitbekommen kann, und andererseits fährt Anthony Frith dieses Tempo abrupt fast auf null herunter, wenn es ins „Pentagon“ zum immer haarscharf vor dem Einschlafen stehenden Admiral Jackman oder gar ins Krankenhaus zu seiner Schwester geht – von deren Sorgen, sorry, will wirklich kein Mensch etwas wissen, während anderenorts gerade der Weltfrieden bedroht wird und unser Zeitkontinuum flöten geht.

Zum Glück beruhigt sich der Film, sobald Russen und Australier auf der Insel gelandet sind. Von nun an geht es in normalem Tempo weiter, sodass auch die Diskrepanz zu den regelmäßigen „Pentagon“-Passagen nicht mehr so verheerend ist. Dummerweise gewinnen damit unabwendbar die Dialoge an Bedeutung, und die möchte man ehrlich gesagt auch nicht wirklich hören – zum einen, weil sie schlicht und ergreifend mies sind (skurrile Weisheiten wie „Jedes Signal bedeutet Gutes oder Schlimmes“ gehören hier schon zu den intellektuellen Höhepunkten), und zum anderen, weil das Interesse an den beteiligten Leuten, nun ja ... eher gering ist. Gerade gegen Ende, wenn die Gespräche zwischen Larue und Armstrong länger und länger werden, hat man doch ein wenig (oder auch ein wenig mehr) gegen die aufkeimende Ungeduld zu kämpfen.

Aber auch die Dinos kommen zu ihrem Recht – schließlich entführt uns The Land That Time Forgot in die Jura- oder Kreidezeit. Dass wir sie in einer solchen Billigproduktion nicht allzu oft sehen, versteht sich von selbst, aber wenn sie denn einmal vorbeischauen, dann sagen sie nicht nur höflich Guten Tag, sondern sorgen sehr wohl für Stimmung und dezimieren die Gruppe der Störenfriede auf ihrer Insel in schöner Regelmäßigkeit (was übrigens durchweg jugendtauglich geschieht – wenn hier Blut spritzt, dann gehört es den Sauriern). Das geht in Ordnung: In Sachen Monsterscreentime bewegt sich die vorliegende Arbeit zwar hart an der unteren Grenze dessen, was toleriert werden kann, aber eben auch noch nicht im roten Bereich.

Sehr viel weniger, also überhaupt nicht können indes die zahlreichen Ungereimtheiten und Schlampereien, die sich The Land That Time Forgot auf inhaltlichem Gebiet leistet, toleriert werden – zumindest solange man sie aus einer gängigen Perspektive heraus betrachtet. Dass sich das Skript gar nicht erst an einer halbwegs plausiblen Erklärung für die Zeitreise der betroffenen Soldaten versucht, ist dabei noch okay – es gibt ohnehin keine, und so wird nur irgendetwas von Gravitationsanomalien geschwafelt und ein Vergleich mit Schwarzen Löchern gezogen (weshalb man deshalb auf der Insel „mehrere Leben“ haben soll, wie mehrfach angedeutet wird, kann und will dann allerdings endgültig niemand mehr verstehen). Auch den haarsträubenden Blödsinn rund um das ganze Erdzeitalter überbrückende Funkgerät, das Hallie Pearce aus einer Handvoll Elektronikschrott zusammenfummelt, muss man schlucken, weil er ganz bewusst als handlungsrelevantes Element entworfen wurde und kein Versehen ist – dass man dafür eine gesunde Portion Humor und nicht minder viel guten Willen benötigt, lässt sich freilich nicht leugnen. Gleiches gilt für den Umstand, dass die Australier hier mit drei kleinen Beilen und zwei noch kleineren Messern anrücken und damit fast die gesamte Dinopopulation der Insel niedermachen – das ist absurd und genau genommen auch ziemlich albern. Wer möchte, kann darin also doch ein gewisses Augenzwinkern erkennen.

Schwer zu entschuldigen sind indes einige wirklich grobe Logikschnitzer und Anschlussfehler, die den Machern eigentlich zwingend hätten auffallen müssen. So nimmt die russische Soldatin Leona an der gesamten Sequenz auf dem Felsvorsprung vor Ahms Höhle nicht teil – man glaubt schon, dass sie im Off vom T-Rex verspeist wurde, aber später, als es zurück ans Meer geht, ist sie plötzlich wieder putzmunter mit von der Partie (freilich nur, um letzten Endes doch von einem T-Rex verspeist zu werden). Interessant ist auch Folgendes: Inselbewohner Ahm kann sich eingangs kaum mit den Gestrandeten verständigen, aber als ihn Armstrong zu den Eigenheiten des Eilands ausfragt, wird sein Englisch von Satz zu Satz besser und ist am Ende fast flüssig. Das Treibstoff-Fass, das Von Schoen und Remizov über die Insel schleppen, wird hingegen immer leichter – es lässt sich zunächst nur mit viel Mühe befördern, aber später fasst der Erstere es locker mit einer Hand an (im Übrigen steht hier zum wiederholten Mal die Frage im Raum, warum sich Australier und Russen in entscheidenden Punkten vom verhaltensauffälligen deutschen Alleinunterhalter Vorschriften machen lassen). Und dass Larue bereits ein blutverschmiertes Gesicht hat, bevor sie in den finalen Kampf gegen die Raptoren einsteigt, ist ebenfalls ein feines Beispiel für die Sorgfalt, mit der Anthony Frith und seine Leute hier am Werk waren. All das bildet freilich nur die Spitze des Eisbergs – all jene, die etwas genauer oder gar zweimal hinschauen, dürften hier noch jede Menge Patzer ausgraben.

Damit aber noch nicht genug: Auch beim Hinhören kommt man ein ums andere Mal ins Grübeln oder Staunen, zumindest in der vorliegenden, von der Berliner Firma „Legendary Units GmbH“ zu verantwortenden deutschen Sprachfassung, deren Synchronisation selbst ein Billigheuler wie The Land That Time Forgot nicht verdient hat. Zwar ist das Bemühen der Sprecher erkennbar, lippensynchron zu reden, aber dabei entstehen nur selten flüssige und natürlich klingende Sätze (das Jackman-Zitat zu den FAB-Wellen ist schon mal ein gutes Beispiel), zumal auch wieder allzu gern ohne Sinn und Verstand das Präteritum verwendet wird. Dümmstenfalls geht jedoch alles in die Hose, und dann heißen die Aleuten „Alloiten“ und es entstehen denkwürdige Sätze wie: „Da ist genug Treibstoff drin zum Start des Prozesses für einen Test.“ Sehr schön ist auch Olsons Anweisung: „Bleibt unten, bleibt still und Information. Wenn ihr etwas hört oder seht, sofort auf den Boden!“ Noch schöner ist freilich, dass danach kein Mensch unten oder still bleibt, sondern alle gemeinsam mit ihm zur Höhle latschen. Ein Traum.

Es sollte wirklich interessant sein, diesen Film oder wenigstens einige solcher Highlights einmal im Original zu hören – mit einem besonders weit offenen Ohr für das Geschwätz des irgendwo zwischen Psychopath und Klassenkasper angelegten deutschen U-Boot-Kapitäns Von Schoen (der ganz am Rande bemerkt während des Ersten Weltkriegs auf der Insel gelandet ist, was hier 70 Jahre zurückliegen soll – bei ihm geht der „Zeitfluss“ der Handlung also endgültig in die Knie). Er stellt sich übrigens ausdrücklich als „Friedrich von Scho:en“ vor, wird aber im Antwortsatz mit „Von Schön“ angeredet ...

Optisch macht The Land That Time Forgot indes einen guten Eindruck – der in der Gegend von Adelaide gedrehte Streifen kommt mit klaren und sonnigen Breitwandbildern daher und hat ein paar attraktive Schauplätze zu bieten, obgleich die eindrucksvollsten Inselaufnahmen natürlich Stock Footage sind. Aber auch technisch hält sich der Film zumindest im Kontext der gegebenen Preis- und Leistungsklasse recht wacker, das heißt, dass die Qualität seiner Spezialeffekte ein gutes Stück weit über dem gemeinen Asylum-Niveau liegt und damit objektiv schon unterwegs in Richtung Mittelmaß ist (wobei die Reise dorthin noch lang sein wird). So darf man sich über ein paar halbwegs brauchbare CGI-Explosionen und zumindest solide realisierte CGI-Dinos wundern – vergisst aber beispielsweise dank der erbärmlich getricksten Rechner-Molotow-Cocktail-Sequenz dennoch nicht, wo man hier hingeraten ist. Das verrät natürlich auch die Ausstattung, angefangen bei der „Bewaffnung“ der Marineangehörigen bis hin zum „Pentagon“, von dem es jeweils eine großspurige Stock-Footage-Luftaufnahme gibt, bevor in den dunklen Verschlag umgeschaltet wird, in dem Admiral Jackman und Hallie Pearce einsam und allein vor sich hin wursteln. Kameramann Aaron Schuppan sei indes dringend mit auf den Weg gegeben, dass es kein Verbrechen ist, jenseits von Totalen die Köpfe der Darsteller vollständig einzufangen.

Dazu, dass man The Land That Time Forgot zuverlässig als Billigware wahrnimmt, tragen auch die überwiegend schwachen Schauspieler ihren Teil bei, was schon für Jack Pearson und Lauren Koopowitz in den beiden wichtigsten Rollen gilt. Asylum-Stammdarsteller Jack Pearson, der für David Michael Latts Bude bereits in Jungle Run, Shark Season, Ape vs. Mecha Ape, Alien Space Battle, 2021: War of the Worlds, Krieg der Welten: Fallout, In the Drift, War of the Worlds: Annihilation, Time Pirates, DC Down sowie Jared Cohns grausiger Katastrophentrash-Trilogie aus Super Volcano, Megaquake und Ice Storm tätig war, kann als Tyler Armstrong mimisch nicht mehr abrufen als Betroffenheit, große Betroffenheit oder schwerste Betroffenheit und wirkt bisweilen, als wolle er jeden Moment losheulen, während die eigentlich sympathische und auch recht niedliche Lauren Koopowitz als zirkusreif mit Beil und Messer um sich werfende Marine-Ingenieuse Lee Larue ganz einfach fehlbesetzt ist, weil sie mit ihrem Kindergesicht für diese Rolle mindestens fünfzehn Jahre zu jung wirkt. Dass sie schlecht spielt, kann man indes nicht sagen – zumindest ist sie mit viel Engagement bei der Sache. Lauren Koopowitz war übrigens in jungen Jahren gemeinsam mit vielen anderen Statisten an zwei Folgen der australischen Indie-Kultserie Danger 5 beteiligt. Anders als sie ist Casmira Lorien als russische Soldatin Leona (der genaue Rollenname lautet Dr. Leona Eyjewa – ein Witz) mit ganz wenig Engagement bei der Sache, wofür man sie allerdings nicht verantwortlich machen kann, da das Skript wirklich nichts anderes mit ihr anzufangen weiß, als sie irgendwo untätig herumstehen oder herumsitzen zu lassen, wenn sie nicht gerade Pause machen darf (oder gar vergessen wurde ...) wie bei der Höhlensequenz. Das ist natürlich ein ganz trauriger Auftritt – ihr erster übrigens vor einer Filmkamera, und es würde niemanden wundern, wenn es auch schon der letzte gewesen wäre. Schade, denn ich habe sie, unabhängig vom Mitgefühl, das sich fast zwangsläufig für sie eingestellt hat, auch sehr gern gesehen. Sogar noch etwas lieber habe ich die putzige Bix Krieger gesehen, die als Hallie Pearce auch den hanebüchensten Unsinn würdevoll und mit bewundernswertem Ernst vorträgt. Ich hätte ihr noch lange zuschauen können, auch wenn sie ausschließlich am Schreibtisch sitzt. Für viel mehr als das darstellerische Wirken im Hause Asylum hat es bei ihr zwar noch nicht gereicht, aber dort ist sie nach Auftritten in Ape X Mecha Ape: New World Order, Monster Mash, Morgan: Killer Doll, Witch Hunter, The Anacondas und eben The Land That Time Forgot immerhin schon auf dem Weg zur Konstanten. Hübsch anzusehen, aber ebenfalls sträflich unterbeschäftigt ist schließlich Jasmine Hope als Engineer Jennifer Bradley, die sich in ihrer einzigen nennenswerten Szene von einem Pteranodon tothacken lassen muss.

So deprimierend das auch in ihrem speziellen Fall sein sollte – mit den weiblichen Mitwirkenden war ich persönlich hier sehr zufrieden (abgesehen von der nicht creditierten Michelle Bauer, aber die liegt als Jackmanns Schwester nur im Bett herum und wirkt in der Tat nicht mehr sehr lebendig). Umso schlimmer sieht es auf männlicher Seite aus: Über den weinerlichen Jack Pearson hinaus betrifft das nicht nur die anscheinend vollkommen talentlosen David Margetts als Lieutenant Tim Olson und Jono Darby als russischer Kapitän Remizov, sondern vor allem Nate Charles Karagiannis-Troisi, der als WK-I-Versprengter Friedrich Von Schoen ein derartig bizarres Overacting abliefert, dass er damit eher ins Kaspertheater als vor eine Filmkamera gehört hätte (ihn so auf Kinder loszulassen, wäre allerdings auch unverantwortlich gewesen).

Und dann ... dann ist da in allerfeinster Asylum-Tradition natürlich auch noch der abgetakelte Altstar, der seinen „großen Namen“ mitbringt und als Gegenleistung dafür in der Rolle eines hochrangigen Offiziers herumstehen darf, um sich aus der Ferne mit ein paar Dialogzeilen am Geschehen zu beteiligen – hier: Michael Paré, der als Admiral Christopher Jackman eine speckige Uniformjacke trägt und nicht eine Sekunde lang den Eindruck macht, dass er auch nur das geringste Interesse an seiner Arbeit hat (mehr als der Oberkörper ist von ihm übrigens nicht zu sehen – er musste also nicht einmal Hose und Schuhe wechseln). Mitunter kann man glauben, dass er gar nicht bewusst wahrnimmt, was er eigentlich gerade tut – so müde und uninspiriert leiert er seine Sätze herunter. Eine armselige Vorstellung, vor allem wenn man bedenkt, wie viel Hoffnung nach Walter Hills begeisterndem Streets of Fire vor über vierzig Jahren in ihn gesetzt werden durfte. Inzwischen wundert sich freilich niemand mehr über Auftritte auf Admiral-Jackman-Niveau, denn Michael Paré ist bereits vor einer halben Ewigkeit in den C-Sektor abgetaucht, wo er viel mit Trash-Ikone Jim Wynorski unterwegs war, sich nicht dafür geschämt hat, in knapp zehn Uwe-Boll-Heulern mitzuspielen (!) und im Hause Asylum schon fast zur Familie gehört. Von daher ist sein Name auch nur im Vergleich mit den anderen hier angetretenen Mimen „groß“.

Der Score stammt zu guter Letzt von David Michael Latts bewährten Haus- und Hofkomponisten Christopher Cano, Mikel Shane Prather und Chris Ridenhour, wobei ihr Schaffen auch noch durch „Additional Music“ von Tim Carlos und Phillip Ramirez ergänzt wird. Man muss unter ihr nicht leiden, aber an der Frage, was es an dieser selbstredend unentwegt präsenten, in den (immerhin vorhandenen) emotionalen Passagen äußerst schlichten und ansonsten monoton herumdudelnden Musik für fünf Leute zu tun gab, könnte man schnell verzweifeln.

Das könnte man auch an diesem Film als Ganzes, wenn man nicht als ausgewiesener Trash-Liebhaber und mit viel Verständnis für billige TV-Fließbandware antritt: Unter dem Strich ist Anthony Friths The Land That Time Forgot beschämend schludriger Abenteuer-Ramsch, der über weite Strecken wirkt, als wolle er vornehmlich der Erbauung von Filmfehlersuchern dienen und erwartungsgemäß den Nachweis schuldig bleibt, dass eine weitere Verfilmung seiner literarischen Vorlage nötig war – obwohl er uns dankenswerterweise keine primatenhaften Eingeborenen präsentiert und sich damit wenigstens Edgar Rice Burroughs‘ zutiefst rassistischem Weltbild verweigert (ganz anders als gerade die Connor-Verfilmung von 1974). Neue Freunde wird sich David Michael Latts Irrenhaus mit dieser Arbeit also gewiss nicht machen, aber zumindest werden die alten nicht vergrault und bekommen, wenn auch auf gewohnt niedrigem Niveau, etwas Abwechslung vom ewigen Asylum‘schen Katastrophentrasheinerlei. Damit sollte es weltweit also durchaus ein, zwei Dutzend Leute geben, die ein gutes Verhältnis zur 2025er-Ausgabe von The Land That Time Forgot haben. So gering, wie der in diesen Film investierte Aufwand war, hat er sich selbst dafür gelohnt.

(03/26)

Objektiv ungefährdete 3 von 10 Punkten.


PS: The Land That Time Forgot ist dem Ende 2024 überraschend verstorbenen Glenn Campbell gewidmet, mit dem das Studio „The Asylum“ einen verdienstvollen Mitstreiter verloren hat. Seit 2007 war der gelernte und in jüngeren Jahren an Produktionen wie Tron, Star Trek – Der Film, Spaceballs oder (mit Emmy-Gewinn) Children of Dune beteiligte VFX-Spezialist für die Kalifornier tätig und hat allein für sie bei fast 100 Filmen als Visual Effects Supervisor mitgewirkt sowie mehrere Drehbücher verfasst (Trolland, The Adventures of Aladdin, 2025 Armageddon und Alien: Rubicon) und dreimal Regie geführt (The Adventures of Aladdin, Planet Dune und Shark Side of the Moon). Möge er in Frieden ruhen.







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