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Erneutes, also wiederholtes Aufeinandertreffen im Kampf der Giganten, Adkins gegen Zaror, hier mit dem Vorteil eines erneut fähigen Regisseurs; waren es zuvor bspw. Florentine und Johnson, so ist nun der chilenische Stamm-Direktor von Zaror am Steuer, Ernesto Díaz Espinoza, er führt das Ruder, er geht hart auf Kurs, vorher mit u.a. Redeemer - Fist of God: Sie werden für seine Sünden büßen (2014) und Die Faust des Condors (2023), nun mit Diablo als nächsten Streamer. Um die Freundschaft der beiden Darsteller abseits der Kamera weiß man, um deren Fähigkeiten auch, vor der Kamera wird sich nichts geschenkt und den Anderen zur Höchstform aufgerufen, ein Fest für die Klientel, für die Liebhaber des Genres ein Rausch:

Kolumbien. Der frühere Sträfling Kris Chaney [ Scott Adkins ] lässt sich ins Land einschmuggeln und kidnappt bei der erstbesten Gelegenheit Elisa [ Alana De La Rosa ], die Tochter des Gangsterbosses Vicente [ Lucho Velasco ]. Dabei schickt dieser nicht nur seine Truppen hinterher, sondern zeichnet sich auch bald ein viel gefährlicher Gegner ab, der psychopathische El Corvo [ Marko Zaror ].

Grindstone Entertainment Group zeigt sich abermals verantwortlich für die Produktion und Distribution, die weltweiten Rechte, der Rest der Produktionsfirmen wie Buffalo  8 Productions oder BondIt Media Capital kann man nachschlagen, viele Beteiligungen, viele Bereicherungen, ein Zusammenhalten der Kräfte und der Talente; das vorhandene Geld eifrig und gut genutzt, man sieht die Ergebnisse auf der Leinwand, ein gewisser Aufwand, ein größeres Szenario. Kolumbien als Start und auch am Start des Projektes, eine Grenzkontrolle, ein Überqueren der Landesrechte, ein Durchschreiten verschiedener Gebiete, verschiedener Terrains mit unterschiedlichen Mächten am Werk, mit diversen Interessen, hier ein Schmuggel im Gedeihen, eine erste Auseinandersetzung.

Adkins als Erstes im Bilde, mehrere Projekte gleichzeitig in letzter Zeit, alle unterschiedlich gehalten, mal der Provinzthriller, mal ein actionreiches Kammerspiel, hier ein Kabinettstück im Martial Arts Bereich, ein großes Vergnügen, ein Entzücken. Gegen zwei Schergen muss sich rasch verteidigt werden, einer steckt gut ein, er braucht ein bisschen länger zum Umfallen, der erste war schnell Fallobst, der zweite sank wie Stein. Zaror macht das Actiondesign hier, er choreografiert sich und die diversen Kombattanten selber, ein Gottvertrauen seitens des Regisseurs und auch seitens Adkins, die Optik froh, die Farben kräftig, produziert mit von beiden Hauptdarstellern, auch an der Geschichte mitgeschrieben, ein Kümmern um die eigene Karriere.

Eine Gangsterfamilie wird hier mit in Augenschein genommen, eine Idylle vorgespielt, eine Vater-und-Tochter-Geschichte, eine Person voller Unschuld, die andere nicht. Der erste Einsatz von Zaror ist prägnanter als der von seinem Busenkumpel, eine Bedrohlichkeit am Ausbrechen, von jetzt auf gleich, ein metallener Arm, eine direkte Drohung, angsteinflößend, etwas eklig auch, gruselig, die Polizei am Kommen. Dein Freund und Helfer, keine Hilfe hier, zwei Tote Sekunden später, eine sieht man, die andere nicht.

Eine versuchte Geiselnahme trotz Chauffeur und Bodyguards bringt das Gleichgewicht wieder, und die Geschichte in Gang, die 'Schuldigen' werden erstmal zur Rechenschaft gezogen, im Auftrag ihres Bosses, mit Baseballschlägern, von ihren eigenen Kollegen, der edle Fußboden vorher entsprechend präpariert, mit Planen ausgelegt. Ein Auftrag wurde ausgeführt, ein Auftrag ist die Story auch, ein Kidnapping als Vorwand, als Erfüllung eines Versprechens, vor fünfzehn Jahren gemacht, eine späte Lösung. Ein Problem wird aufgetürmt, verschiedene eigentlich, das Zielobjekt ist nicht begeistert von der Ausführung, sie weiß nichts von der Vergangenheit, sie weiß nichts von dem Kommenden, der Zuschauer wird ähnlich blind gehalten, die Idee einer falschen Voraussetzung, der Kampf gegen eine Überzahl lokaler Leute, ein Problem nach dem anderen, eine Überraschung wird angefangen.

Mit verschiedenen Zutaten wird die Handlung gefüllt, mit Ärger und Hektik und Stress, bei den Fights verschiedene Stufen der Zeiteinteilung, manchmal in Slowmotion, manchmal im Raffer, die einheimischen Stuntmen vertrimmt, gegen Autos und Zäune geschleudert, in das Gesicht gekickt. Ein wenig, nur ein wenig erinnert es an den südkoreanischen Deliver us from Evil, dort auch eine Nemesis, ein Protagonist, mit gleichen und gegensätzlichen Zielen, mit einer Steigerung der Provokation, mit dem schieren Irrsinn. Adkins kann das locker spielen, er war auch schon mal Vater im Film, in Legacy of Lies (2020), hier im Zusammenspiel mit einer heranwachsenden Frau, mit einem jungen Mädchen, dazu eine Charakterdarstellung, ansatzweise zumindest, dem Genre entsprechend; dazu High-Kicks durch die Scheiben, zusätzlich mit Fäusten prügeln, mit kurzen, wirkungsvollen Aktionen.

Zähne werden auf den Boden gespuckt, Blut auf den Fliesen, vorher den Feuerlöscher mehrfach ins Gesicht getrieben, ein brutales Gehabe, ein Gebaren wie in der Wildnis, die Bewegungen kurz und knapp gehalten, die Formationen dringlich, oft auf das Ausschalten des Gegenübers und nur darauf gehalten, keine Skrupel, keine Kompromisse. Der Regisseur beachtet seine Erzählführung, er wirft Hindernisse auf und Lösungen, die neue Hindernisse hervorrufen, dazu eine schwierige Dreierkonstellation, drei Fremde, einer nicht einmal der Landessprache mächtig, geschweige denn der Umgebung und der Gewohnheiten und Gegebenheiten, er lernt noch früh genug, er muss sich zum Überleben anpassen. Ein Bandenkrieg wird aufgerufen, Zweifel gesät, die Wurzel allen Übels an den Tag gelegt, ein blutiger Beschuss in einer Cantina, Treffer in den Hinterkopf, die Schergen wie Puppen durch die Gegend segelnd.

Adkins hat in letzter Zeit einige qualitätsvolle Filme abgeliefert, Day of Reckoning (2025), One More Shot (2024), Take Cover (2024) auch, hier nochmal ein Zusatz, ein gehaltvoller und gewaltvoller Ansatz und die entsprechende Umsetzung. Zum ersten erwarteten Zweikampf kommt es etwa mittig, Zaror deutlich größer als sein 'Buddy', ein sichtlicher Vorteil wie auch dass zusätzliche Gewicht, Kraft ist Masse x Beschleunigung, das wird hier ausgeführt, beide gleichsam behände, man wüsste aber, auf wen man eher im Ernstfall setzt; dem "slab of strange", dem "cracking Freak". Im Film eine Ausgeglichenheit gezeigt, Vor- und Nachteile zugleich, dazu Kugelhagel und eigene Stunts. Die Gegend eher ärmlich, bis auf die Gangstervilla, die Ereignisse immer mit einer Spur des Wahnsinns, abseits von der Eisenfaust und dem Versorgen einer Kopfwunde, ohne Anästhetikum, ohne ärztliche Unterstützung.

Die Handlung ist dabei allerhöchstens zweckdienlich, sie hat auch ihre Ruhepausen und ihre Längen, so ist nicht, ein Gaunerplot mit einer Mission, dem der Revenge, mit einer Tötungsmaschine auf den Fersen, das dazwischen hängt ein bisschen, trotz viel Wichtigkeit, Dichtigkeit und Bedrängung. Die anderen erwähnten Filme hatten nicht diese Form der Duelle bzw. des Duells ("more myth than man"), aber sie waren zuweilen vielschichtiger, variantenreicher, von der Erzählführung, der Location, der Identifikation, hier liegt das Interesse ''bloß' in der (übersichtlich gefilmten und auch so montierten) Eskalation.

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