„Undisputed 3“, „Savage Dog“, „John Wick 4“ und „The Killer’s Game“ – Scott Adkins und Marko Zaror haben schon mehrfach gemeinsam gedreht, auch wenn sie nicht in jedem dieser Filme gemeinsame Szenen haben. Aber die zusammen verbrachte Zeit war wohl so gut, dass Zaror seinen Kollegen für die US-kolumbianische Co-Produktion „Diablo“ holte, den sein Stammregisseur Ernesto Díaz Espinoza inszenierte.
Der Bekanntere der beiden spielt den Helden in dem Film, bei dem die Actionstars auch noch als Produzenten und Storylieferanten fungierten. Kris Chaney (Scott Adkins) lässt sich über die Grenze nach Kolumbien schmuggeln. Als die beiden Schlepper ihm seine restliche Kohle abnehmen wollen, endet das mit demolierten Kauleisten für die beiden Tunichtgute, anschließend besucht Kris ein Grab vor Ort. Ein Mann mit einer Mission, das ist klar, offensichtlich hängt sie mit dem Gangsterboss Vicente (Lucho Velasco) und dessen Tochter Elisa (Alanna De La Rossa) zusammen, die man kurz darauf sieht, das ist Genretradition.
Anschließend stellt „Diablo“ den schillernden Antagonisten vor, El Corvo (Marko Zaror). Ein professioneller Killer mit einer Armprothese, an der sich nicht nur eine Faust aus Metall befindet, sondern in dieser Faust ist auch noch eine scharfe Klinge verborgen. El Corvo scheint zu jener Sorte Psychopath zu gehören, die ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben, wie man bei einem Dinerbesuch des Mannes merkt, der Menschen gerne fragt, wann sie sich zuletzt etwas gegönnt haben. Er selbst gönnt sich anscheinend gern Morde, erinnert vom Aussehen an einen muskulösen, groß gewachsenen Stanley Tucci, vom Umgang mit anderen Menschen und deren Leben an Anton Chigurh aus „No Country for Old Men“.
Die Handlung kommt in Gang, als Kris Elisa kidnappt. Vicente will seine Tochter wiederhaben und setzt seine Schergen auf Kris an. Während Elisa merkt, dass ihr Entführer offensichtlich noblere Pläne als Lösegeld im Sinn hat, verfolgt auch El Corvo das Duo, mit eigener Agenda…
Es ist eine funktionale Geschichte, die sich Zaror und Adkins da gemeinsam mit Drehbuchautor Mat Sansom auf die muskulösen Leiber schrieben, aber auch angebracht für ein weitgehend schnörkelloses B-Picture. Das Zusammenwachsen von Geisel und Entführer erreicht nicht das Fingerspitzengefühl eines Films wie „Perfect World“, gibt dem Ganzen aber ansatzweise einen emotionalen Kern. Der Antagonist ist eine reichlich schillernde Figur, die im Gedächtnis bleibt, auch wenn das Drehbuch über seine Hintergründe weitestgehend hinwegbügelt – den Grund für seine Jagd auf Elisa erfährt man immerhin knapp, ansonsten muss man ihn als den Psychopathen akzeptieren, der er ist, aber als solcher hat er doch Profil. Der Held dagegen ist der Kerl mit dem Mut der Verzweiflung, allein gegen eine Übermacht in einem fremden Land, dessen Sprache er nicht spricht, aber mit dem Willen nicht aufzugeben. Auch das klassischer Genrestoff, die Hintergründe seiner Tat sind auch nicht bahnbrechend innovativ, werden vom Film aber auch zügig enthüllt, ohne unnötige Geheimniskrämerei.
Kolumbien als feindliche Umgebung für den weitestgehend mittellosen Helden ist als Setting recht unverbraucht, könnte am Ende des Tages aber auch Mexiko oder Chile sein. Viel Zeit für Lokalkolorit lässt das Script dem Film nicht, dafür hat die Hetzjagd dann nicht allzu viel Fett auf den Rippen. Immer wieder tauchen Verfolger auf, gleichzeitig will sich Elisa (zumindest der ersten Filmhälfte) ihrem Entführer entziehen, was bisweilen für Oberflächenspannung sorgt, etwa wenn sowohl Kris als auch El Corvo dem flüchtigen Mädel auf nächtlichen Straßen hinterherjagen. Das Tempo ist relativ hoch, die Handlung ein wenig vorhersehbar, da „Diablo“ doch eher Genrestandards abhakt, die man schon aus Vorbildern kennt.
In schöner Regelmäßigkeit wird Kris dabei in Feuergefechte und Nahkämpfe verwickelt, die von Zaror höchstpersönlich choreographiert wurden. Schnitt, Kamera und Inszenierung sorgen für Übersicht, es dominieren längere Einstellungen und echte Kampfakrobatik ohne Trickserei. Allerdings sind viele Scharmützel eher kurzer Natur, wenn Kris Schmuggler, Bodyguards oder Jugendliche, die ihn vom Erreichen seines Ziels abhalten wollen, zusammentreten muss. So gibt es in erster Linie zwei große, dafür erfreulich ausladende Set Pieces, in denen „Diablo“ so richtig auf Betriebstemperatur kommt. Im ersten stürmt El Corvo einen Gangsterclub und wütet mit Faust, Haken und Schrotflinte unter den Anwesenden, ehe auch Kris eingreift und es zum ersten persönlichen Aufeinandertreffen der beiden kommt. Das zweite ist das Finale, in erster Linie ein ausladender Endkampf der beiden Gegner auf verschiedenen Etagen einer alten Fabrik, mit vielen Kicks, Schlagsalven und dynamischer Choreographie, auch wenn Adkins nicht mehr ganz so akrobatisch unterwegs ist wie zu „Undisputed 3“-Zeiten. Andrerseits passt es auch zum Stil des Films, der sich weniger vom Hongkong-Kino als vom Gangsterfilm beeinflusst zeigt, diesem aber genug Action- und Martial-Arts-Schauwerte abgewinnt.
Die beiden Leads spielen ihre Paraderollen. Kris Chaney ist eine der typischen Heldenrollen von Scott Adkins: Ein wenig ungeduldig, ein wenig aggro, aber doch mit dem Herz am richtigen Fleck und ordentlich Durchsetzungsvermögen, das beherrscht der Actionstar und spielt die Rolle dementsprechend gut. Marko Zaror gefällt sich mal wieder als exotischer Antagonist, hier mit Buchhaltergesicht, Fighter-Körper und Psycho-Persona, und spielt die Rolle mit Elan. Alanna De La Rossa als Geisel schlägt sich recht gut, die Performance von Lucho Velasco ist ziemliches Mittelmaß, der Rest vom Fest ist eh meist nur Futter fürs (Fratzen-)Geballer.
So kommt „Diablo“ als recht flotter B-Actionfilm mit handelsüblicher Story, zwei gut aufgelegten Hauptdarstellern und sauberer Inszenierung daher, ohne wirklich neue Ideen, aber mit Tempo. Die gebotene Action überzeugt, ist jedoch oft etwas kurz, sodass in erster Linie die beiden großen Eskalationen in der Mitte und im Showdown für nachhaltige Schauwerte sorgen. Eine solide Sache, die mit noch mehr oder mit besser verteilter Action vielleicht sogar noch höhere B-Weihen erreicht hätte.