Review

Von einem Filmnerd über Filmnerds für Filmnerds

Ein ziemlich wahnsinniger 1-2-Punch gelingt Richard Linklater gerade mit „Blue Moon“ und „Nouvelle Vague“, die ebenso viele Gemeinsamkeiten wie Unterschiede vorweisen und beide von mir mit einer wärmsten Empfehlung daherkommen. Zumindest wenn man ein kleiner bis großer Filmnerd ist und einem Namen wie z.B. Chabrol, Truffaut und Rivette nicht nur nicht fremd sind, sondern sehr nahe liegen. Denn in „Nouvelle Vague“, einem von Linklaters besten Filmen, da bin ich mir jetzt schon sicher, erzählt er spielerisch und luftig-leicht von Kritikerlegende, Regiewunderkind und Nouvelle Vague-Mitbegründer Jean-Luc Godard und dessen steinigem und von Selbstzweifeln geprägtem Weg zu seinem ersten filmischen Meisterwerk, zu Weltruhm und zum kreativen Knotenplatzpunkt… 

Slacker, Kritiker, Genies

Linklater ist momentan „on a roll“, würde man im Englischen wahrscheinlich sagen, und „Nouvelle Vague“ hat mich dermaßen grandios unterhalten wie lange kein Film mehr von ihm. Nerdig, filmisch, französisch. Einer der europäischsten Filme, die je ein Ami gemacht hat. Künstlerisch wertvoll. Trotzdem luftig leicht. Voller verspielter Details und lustiger Vermutungen. Linklater macht das gefühlt mit links und schießt gleichzeitig aus der Hüfte - und das ist genau der richtige Ansatz für eine solche Hommage, Huldigung und Hortung von filmtechnischen Mythen. Die Besetzungen der Legenden - von Godard bis Belmondo - ist allererste Sahne. Charmant, verspitzt, gewieft. Der schwarz-weiße Look und der Zeitkolorit ist edel ohne Ende. Das Ding sieht unendlich teurer aus als es eigentlich war. Der Witz sitzt, die Philosophie sitzt, das Filmstudium sitzt. Linklater erweist hier spürbar ein paar seiner größten Vorbildern die Ehre - und das gänzlich ohne Redundanz oder Schleimspur. „Nouvelle Vague“ ist ein unumgängliches Statement zu dieser wichtigen Filmströmung. Spiegelung, Verehrung, sogar etwas Veräppelung. Aber alles mit so viel Abstand, Anstand und Respekt, dass nahezu alle der zitierten und gezeigten Legenden das toll gefunden hätten, da bin ich mir sicher. Ganz und gar nichts für den Mainstream. Tief im Filmnerdtum verwurzelt. Aber das dermaßen ungeniert und geschickt, nie zu trocken oder theoretisch, dass ich ganz heftig meinen Hut ziehen muss und echt begeistert bin!

Stil für Jahrzehnte

Fazit: Verspielt, stylisch, lässig, leicht. Arthouse auf den Kopf gestellt. Linklater voll in seinem Element. Und in Topform. Aber ausschließlich für Filmnerds! 

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