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Jim Jarmuschs Blick auf drei familiäre Systeme an drei verschiedenen Orten dieser Welt ist ein wirklich stiller Film, der aus eben dieser Stille und Betretenheit seine Kraft und auch vorhandene Komik zieht.

Episodisch gegliedert treffen wir auf Tom Waits als schrulligen und durchtriebenen Vater von Adam Driver und Mayim Bialik in New Jersey, Charlotte Rampling als unterkühlt wirkende Mutter von Kate Blanchett und Vicky Krieps in Dublin und zuletzt auf Indya Moore und Luka Sabbat als frisch verwaistes Zwillingspaar in Paris.

Allen Eltern-Kind-Beziehungen legt Jarmusch die Unehrlichkeit zugrunde und die ersten beiden Episoden zeigen uns Menschen, die allein durch den Umstand zusammen sind, dass sie familiäre Bande aneinander knüpfen. Das peinliche Schweigen im Miteinander, das unsichere Herumtasten im gegenseitigen Umgang und dennoch die Gegenwart einer zum Teil zärtlichen Bindung zumindest in eine Richtung zeigen sich in kleinen Gesten und Ritualen, wobei letztere oft unausgefüllt bleiben. Während Tom Waits Vaterfigur auf linkische Art für einen stark komödiantischen und vergnüglichen Akzent sorgt, befreit einen das Lachen an Charlotte Ramplings Teetafel von der unangenehmen gegenseitigen Entfremdung der Figuren. Das System wirkt dabei aber so fragil, dass es nur logisch wirkt, dass aufgetischte Lügen dabei akzeptiert werden.

Kann man noch gewissermaßen natürliche Übereinstimmungen zwischen den ersten beiden Episoden erkennen, die allein durch die psychologische Beschaffenheit ihrer Figuren eine Variation der gleichen Situation darstellen, sticht die dritte Episoden durch die Abwesenheit der Elternfiguren heraus. Der Fokus liegt damit stärker auf der geschwisterlichen Verbindung, die noch durch dem Umstand verstärkt wird, dass wir zwei zweieiigen Zwillingen dabei folgen, wie sie die leere Wohnung der ums Leben gekommenen Eltern besichtigen. Hier sind die Eltern nicht nur fremd, sondern gleich ein Mysterium, deren Herkunft und Vergangenheit Tochter und Sohn vollkommen unbekannt zu sein scheint. Und gerade deswegen scheint die Verbindung der Geschwister zueinander herzergreifend tief zu sein.

Was Kinder mit ihren Eltern in diesem Film verbindet, sind geteilte Erinnerungen. So tauchen in allen Episoden Fotos auf, die immer mit Sentimentalität belegt sind und nicht oder selten mit der emotionalen Realität übereinstimmen. Die Kinder auf den Bildern sind Erwachsene, Eltern Verstorbene, Junge sind Alte. Sollten sich erwachsene und entwachsene Kinder und ihre Eltern nun gar nicht mehr zu diesen reflexhaften Treffen quälen? Jarmuschs Film zeigt in allen Episoden das innere Bedürfnis, die gegenseitige Verbindung, und sei sie noch so dünn und brüchig, aufrecht zu halten. Und man nimmt schon die Frage mit: Was weiß ich wirklich von meinen Eltern oder auch: Was wissen meine Kinder von mir?




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