Review
von Leimbacher-Mario
Showgirls für Hausfrauen
Eine junge Sängerin kommt nach New York und spricht dort vergebens bei einigen Musikfirmen vor. Doch als das (oft frustrierend) schüchterne Landei dann auf dem Tresen der titelgebenden und meist proppenvollen Bar landet, nimmt ihr (Liebes-)Leben sowie ihre Karriere einen unerwarteten Lauf…
Ich weiß noch, wie beliebt (vor allem bei den Mädels) um die Jahrtausendwende „Coyote Ugly“ war. Und - auch wenn man ihn jetzt nicht in eine Liga mit Alltimern a la „Dirty Dancing“ stecken kann - er hat noch immer viele Fans in meiner Generation. Und das ist erstaunlich, wenn man dieses erweiterte und eigentlich sehr generische Musikvideo mit heutigen Augen sieht. Ich kann jedoch beide Seiten durchaus verstehen, vom Kultfilm der Generation Y bis zum totalen Verriss. Gegen die Hauptfigur wirken selbst manche Disneyprinzessinnen realistisch und fortschrittlich, die „besten Barszenen seit „Cocktail““ können durchaus als sexistisch eingestuft werden (feministisch jedoch auch), die Story passt auf einen Bierdeckel, viele Darstellerinnen wirken hölzern und nur im besten Falle bemüht. Und allem sieht man die Verwandtschaft zu Michael Bay dann auch noch massiv an. Und nichtsdestotrotz: „Coyote Ugly“ hat ein gewisses filmisches Heimatgefühl. 90 Minuten zurücklehnen, Kopf aus, wieder 12 sein, womöglich zu kritische Brille abnehmen. Tolle Songs, hübsche Frauen, NY-Flair genießen. Über John Goodmans unfassbar miese Performance lachen. Die spritzenden Cocktails und den Schweiß fast fühlen. Die Vibes des Millenniums nochmal hochkommen lassen. Unbeschwert, unbeschadet, nicht zu korrekt, verkopft, steif. Ein (nicht ganz absichtlich) schlechter Film - done right.
Fazit: eher cheesy Musikvideo und heftigster Guilty Pleasure als guter Film. Und dennoch irgendwie einer, der seine Zeit, sein teeny Publikum geprägt hat und bei dem man sich wohl und wieder jung fühlt. Für meine Generation viel wichtiger als er von seiner Qualität eigentlich verdient hätte.