True Crime ist natürlich das Stichwort der Stunde, speziell wenn es um Podcasts geht. Im Filmbereich ist es hingegen seit Jahrzehnten Sitte, auch mal Kriminalfälle umzusetzen, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Doch nicht immer bietet die reale Geschichte genügend Stoff, um daraus einen mitreißenden Beitrag zu gestalten.
Amsterdam Innenstadt: Ilian ist in die Stadt gereist, um dem Traum seines Eigenheims mit Arbeit näher zu kommen. Da er im Zug seine Airpods vergaß, will er sich im Store neue besorgen, doch just zu dieser Zeit überfällt ein bewaffneter Mann den Laden. Ammar führt Sprengstoff am Körper und obgleich die meisten Kunden und Angestellten entkommen können, befindet sich Ilian rasch in der Gewalt des Geiselnehmers, während die Polizei das Gelände umstellt…
2022 ereignete sich jener Fall in den Niederlanden, welcher offenbart, wie rasch eine alltägliche, routinierte Handlung aus den Fugen geraten kann. Co-Autor und Regisseur Bobby Boermans fackelt nicht lange und geht nach minimaler Einleitung recht schnell zum Belagerungsszenario über, bei dem die Karten ebenso klar gemischt sind: Ein Geiselnehmer, vier Leute in einem Abstellraum verschanzt, rund 40 Personen ein Stockwerk drüber (wovon der Täter offenbar keinen Schimmer hat) und ein Haufen Individuen bei der Polizei, angefangen vom Leiter über die Verhandlungspartnerin am Telefon bis hin zur SEK.
Das ist alles recht bodenständig und komplett schnörkellos inszeniert und wirkt von daher weitgehend authentisch. Allerdings stellen sich alsbald Mankos in Sachen Figurenzeichnungen ein. Über die Beweggründe des Täters erfährt man nur oberflächliche Stichworte, auch die Hintergründe der Geisel bleiben vage, gleiches gilt für einige Gesetzeshüter, obgleich man hier bemüht ist, ab und an einen sozialen Background zu erwähnen. In Hollywood hätte man aus dem Geiselnehmer womöglich einen psychopathisch veranlagten Typen gemacht und zugegeben, - es hätte die Angelegenheit wahrscheinlich spannender gestaltet.
Trotz einiger Drohungen schimmert selten so etwas wie Dringlichkeit durch, die Chose wirkt durch und durch routiniert und trotz des einigermaßen flotten Erzähltempos mit nicht allzu vielen Längen will sich kaum Spannung einstellen. Zudem ist das Timing nicht immer optimal, was der etwas lahm abgewickelte Showdown in mehreren Belangen untermauert. Dieser läuft beinahe so unaufgeregt ab wie der komplette Vorlauf, es mangelt an intensiven Momenten.
Insofern kann man den solide aufspielenden Mimen nichts vorwerfen, auch nicht der sauberen Ausstattung und der routinierten Kamera, wohl aber der Dramaturgie der Erzählung.
Die Angelegenheit plätschert nahezu ohne Höhepunkte vor sich hin und dürfte folgerichtig kaum länger in Erinnerung bleiben, das Mitfiebern hält sich wahrlich in Grenzen.
5 von 10