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Das Werk des französischen Langfilmdebütanten Kamel Guemra lässt sich nicht eindeutig auf eine Spur festlegen. Offenkundig geht es angesichts des Titels um Action, doch in der zweiten Hälfte dominieren Elemente des Thrillers und ein Hauch von Horror weht ebenfalls.

Nora parkt in einem Luxushotel die Fahrzeuge der betuchten Gäste ein. Gemeinsam mit drei weiteren Mitarbeitern späht sie jene aus, um sie während ihrer Abreise zu überfallen und auszurauben. Doch die Hotelmanagerin hegt einen Verdacht und setzt den Söldner Elias auf die Gruppe an…

Wenn man mit Kriminellen sympathisieren soll, erweist es sich als vorteilhaft, ihnen mindestens einige positive Merkmale anzudichten oder, wie hier vorliegend, einen Gegner vorzusetzen, der durch und durch garstig ist und nicht zimperlich zu Werke geht. Dies wird bereits früh untermauert, als Elias einem Dieb im Casino die Hand tackert, wogegen die Räuber nach einem weiteren Überfall eine verletzte Zeugin ins Hospital bringen, was zwar dämlich riskant ist, jedoch auch die menschliche Seite unterstreicht, welche ansonsten nicht allzu sehr herausgearbeitet wird. Man könnte auch sagen: Alle außer Nora sind notwendiges Beiwerk.

Leider auch eine anberaumte Romanze zwischen ihr und dem neuen Pianisten im Hotel, was im ersten Drittel völlig von der eigentlichen Bahn ablenkt. Statt auf knallharte Action zu setzen, von der hier in der ersten Stunde eher wenig zu sehen ist, geht es teilweise mehr um Planungen und jene Liaison, was etwas Geduld abverlangt. Ab dem zweiten Überfall ist jedoch sprichwörtlich Drive drin, als die Truppe bereits verfolgt wird und sich zum Versteck durchschlagen muss. Final wird der Gang umgelegt, es wird härter, es gibt körperliche Auseinandersetzungen und ein wenig Blutvergießen.

Darstellerisch gestaltet sich die Chose primär mit den finalen Kontrahenten als Glücksgriff. Während Zoé Marchal als Nora im finalen Akt zur Hochform aufläuft, überzeugt Frank Gastambide als ruchloser Söldner bereits früh mit seiner unheimlichen Präsenz. Auf der anderen Seite erweist es sich selten als Vorteil, Nebenrollen mit Musikern und insbesondere Rappern zu besetzen, was sich auch hier bestätigt. Leider geht auch der Score weitgehend unter.

Während die wenige Action überzeugend inszeniert ist und vor allem eine Verfolgungsjagd auf der Autobahn rasant, aber übersichtlich geschnitten ist, vermag der Showdown vor allem mit seinem Timing zu punkten. Zwar fehlt der Chose Netz und doppelter Boden und auffallend irrationale Entscheidungen trüben den Spaß ein wenig, doch die zweite Hälfte reißt das Ruder noch zum Positiven herum.
6 von 10

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