Selbstverliebtsein - Der Film
Irgendwann meint fast jeder Popsuperstar einen Film von und mit und zu sich selbst und seiner Mukke machen zu müssen. Mal leicht gekippt, mal bizarr, mal ehrlich, mal augenzwinkernd. Manchmal - wie etwa bei Prince - kommt dabei zumindest Interessantes für seine Fans raus. Oft aber auch einfach nur peinliche Selbstbeweihräucherung und ein ausgedehntes Musikvideo auf Albumlänge, das bierernst einfach nur nervt und bei dem man jederzeit denkt "Schuster, bleib bei deinen Leisten!"... Und leider ist es bei The Weeknds "Hurry Up Tomorrow" leider genau ein solcher Style over Substance-I love myself-Fall, wenn er zu den Tönen seines neuen (ohne Zweifel genialen!) Albums einen Musiker (bzw. sich selbst) mit Schlafmangel und Femme Fatale-Freundin in einem zerstörerischen Strudel der Eitelkeiten spielt...
Purple Pain
Gleich vorweg: Ich bin ein ziemlicher The Weeknd-Fan. Und auch sein Album "Hurry Up Tomorrow" feiere ich. Mit einem Konzertfilm dazu hätte ich z.B. exzellent leben können. Aber dieses leere, filmische Zwitterwesen voller Kitsch, Käse und Konfusion ist selbst für einen kleinen Verehrer von Abel Makkonen Tesfaye... katastrophal. Ich kann's nicht anders sagen. Ein vollkommen fehlgeschlagenes Projekt. Ein unfreiwillig komischer Seelenstrip vor dem golden-gerahmten Spiegel. Eine filmische Bankrotterklärung, egal wie geil die Musik ist. The Weeknd sollte schleunigst wieder in seine Paradedisziplin wechseln, denn Film und Schauspiel und Story sind gar nichts für ihn. Seine Musik und Shults Style beißen sich, Abel ist leider ehrlicherweise einer der miesesten Schauspieler die ich je gesehen habe, Sinn und Spannung macht das Ganze null. Ein echter Ausdauertest - selbst für Fans. Chaotisch, verblendet, hohl. Ich wiederhole nochmal: Selbst wenn man die Musik feiert ist das eine Zumutung. Und das soll dann doch echt etwas heißen... Einer der größeren Flops des Kinojahres. Eine wahnsinnige Fehlselbsteinschätzung. Aber das passiert wohl irgendwann automatisch bei den Meisten, wenn sie bei den schillernden Sternen angekommen sind - oder gar darüber hinausgeschossen sind...
Jammern auf hohem Niveau
Fazit: Egal ob am Wochenende oder unter der Woche, egal ob als Musikvideo oder Film, egal ob als Eitelkeitsprojekt oder Kunstinstallation, egal ob man seine Musik mag oder nicht... "Hurry Up Tomorrow" ist ein schmerzhafte filmische Masturbation auf und mit und zu... sich selbst. Keinen Deut besser als ähnliche Projekte von Mariah Carey, Britney Spears oder J.Lo. zuvor. Peinlich.