Nur echt mit Sternchen…
Das MCU kämpft. Ums Überleben? Wer weiß, jedenfalls war ein mögliches Ende, ein kompletter Neustart oder zumindest eine lange Pause durch etliche (qualitative wie monetäre) Misserfolge beileibe nicht mehr komplett undenkbar wie etwa vor einem Jahrzehnt noch. Und vor allem bei „Thunderbolts“ hatte ich kein allzu gutes Gefühl, kein echtes Verlangen ihn zu sehen und erwartete eher eine blassere, mainstreamigere, unnötige und zu späte „Suicide Squad“-Variation von Marvel. Und zumindest an der Grundrichtung des MCU samt berechtigten Ermüdungserscheinungen und argen Zweifeln wird auch „Thunderbolts“ sicher nicht mit einem Schlag alles ändern. Dennoch überrascht mich dieses „Antiheldenpotpourri“ ziemlich positiv und zeigt: es geht doch noch, Marvel! Mit einer Truppe an ehemaligen Sidekicks und Underdogs, die nun in mehrfacher Hinsicht den Karren aus dem Dreck holen müssen und sich ohne die üblichen „Avengers“ gegen einen übermächtigen, überraschend „düsteren“ Gegner (und die US-Regierung!) behaupten müssen…
Chemie ist alles
„Thunderbolts*“ ist ein sympathischer, kleinerer Marvelfilm. Nicht der Heilsbringer und Gamechanger, wie gesagt. Aber sehr stabil und herzlich. So austauschbar die ersten Bilder und Promo waren - so gut funktioniert und rollt nun das Endprodukt. Minimaler als manch eine Serie des MCU. Psychologischer, aussenseitiger und unterschwelliger als der Rest des MCU. Mit einer wunderbaren Chemie im Cast und handfester Action (sogar samt ein paar Zitaten an Cameron und Woo). Die ruhigen Momente rocken, die leicht feuchten Augen und verständnissvollen Blicke untereinander. Die Empathie ist abfärbend und wirkt ehrlicher als sonst. Und insgesamt mit einer ungewöhnlich persönlichen und hoffnungsvollen Auflösung. Richtig laut lachen musste ich nie. Richtig eine Träne verdrücken auch nicht. Und richtig „Wow!“ hat die Action jetzt auch nie gemacht. Und trotzdem ist’s eine runde Sache. Bei der die Figuren und „Redemption“-Stories im Vordergrund stehen. Bei der psychische Probleme überraschend deutlich angeschnitten werden. Und bei der man den einstigen Randfiguren in jedem Fall ein Happy End wünscht und gerne mehr von ihnen sehen würde. Das ist doch schon ein echter Erfolg. Gerade bei niedrigen Erwartungen. Gefällt mir deutlich besser als „Captain America: Brave New World“.
Fazit: „Thunderbolts“ hat zwar mit Sicherheit nicht die Kraft, Bedeutung und das Standing, das MCU wieder komplett auf die richtige Bahn zu lenken. Aber er ist dennoch ein echter Fingerzeig und Hoffnungsschimmer, dass es noch geht. Sympathisch, handfest, krachend, emphatisch, herzlich. Die Balance stimmt. Da hätte ich so vorher nicht dran geglaubt… Umso toller, dass es funktioniert, die Rädchen dieses Mal ineinandergreifen und alles genügend Spaß macht, genug Fallhöhe hat, nicht allzu viele Anker zu anderen Projekten auswirft, alleinstehend läuft!