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Tin Soldier

Absurder Streaming-Actioner um ein geheimes Regierungsprogramm, der mal wieder mit bekannten Namen für weit Unterdurchschnittliches wirbt. Eastwood-Sprössling Scott muss sich als PTSD-Geplagter durch ein wirres und ödes Flasback-Festival kämpfen, bis weder er noch der arme Zuschauer weiß, warum sie noch hier sind. 

De Niro, Foxx, Leguizamo, Eastwood. Was für eine Liste. Ok, letzterer ist Scott und nicht Clint, aber die Gene sind nicht zu verleugnen. Über den neuesten Streaming-Actioner aus dem Hause Amazon ist damit alles gesagt, also alles Positive zumindest. Wer Fan von einem der Herren, oder gar mehreren ist und sie einmal außerhalb von Social Media in Action sehen will, der darf somit gerne einschalten. Alle anderen bitte nicht.

Regisseur Brad Furman ist nicht unbeleckt beim Dirigieren großer Namen, nur hat er weder Matthew McConaughey (The Lincoln Lawyer, 2011), noch Bryan Cranston (The Infiltration, 2016) noch Johnny Depp und Forest Whitaker (City of Lies, 2018) durch solch einen absurden Murks-Parcours gejagt wie die bemitleidenswerten Herren von oben. Beim Verfassen des Scripts mit seiner Kollegin Jess Fürst hat er wohl begleitend ihre langjährige Zusammenarbeit bei einer ausgedehnten Kneipentour gefeiert, zumindest würde das als Erklärung gerade noch so durchgehen. Nicht als Entschuldigung, denn der hanebüchene Flachsinn ist unentschuldbar.

Wer jetzt noch weiter lesen möchte, der sei gewarnt. Schocker-Alarm voraus, aber nicht im guten Horrorfilm-Sinn. Es geht um ein geheimes Regierungsprogramm, das PTSD-Veteranen wieder zusammen setzten soll, um sie dann erneut auf den Feind loslassen zu können. Sinnigerweise nennt man sich „The Program“ und damit es die armen Traumatisierten nicht vergessen, ist der geniale Slogan auf jedes T- und Sweatshirt gedruckt. Leider hat die Umprogrammierung beim zuständigen Ausbilder nicht angeschlagen, denn er hält den ganzen Verein für eine Sekte mit ihm als Guru (Jamie Foxx in Karnevalslaune). Gut, so lange er wieder einsatzfähige Kampfmaschinen produziert, who cares? Leider ist er nicht völlig durchgeknallt und hegt den Plan, sich an dem Verursacher all der verlorenen Soldaten-Seelen zu rächen, der US-Regierung.

Weder er, noch sein Plan sind genial, so dass jegliche Hoffnungen auf ein James Bond Szenario in Lichtgeschwindigkeit zerbröseln. Wer´s nicht glaubt, der harre (oder spule) bis zu der Szene, in der der gute Leon K. Prudhomme (kein Witz, so heißt der wirklich) vor seinen Zöglingen als sonnenbebrillter Gangster-Rapper auftritt, um seine kruden Botschaften auch mal so richtig schmissig unters debile Fanvolk zu bringen. Abgesehen davon, Scott ist nicht James, da hätte schon der versiertere und berühmtere Papa nicht gepasst. Damit aber in dieser Hinsicht auch nicht der leiseste Zweifel aufkommt, darf er einen abtrünnigen Teilnehmer geben, der wieder zurück geschickt wird, um den ganzen Laden hochgehen zu lassen. Zwar leidet er nach wie vor massiv unter PTSD, taugt also kaum zum kühl agierenden Actionheld, aber als einzig verfügbarer Insider wollen wir mal nicht so sein. Dass er zusätzlich noch durch die Suche nach seiner tot geglaubten Geliebten belastet ist, hätten wir auch noch geschluckt, wenn, ja wenn nicht die beiden Skript-(Au)Tore(n) diesen Umstand für eine Flashback-Kaskade missbrauchen würden, die den halben Film ausmacht.

Anfangs wähnt man sich noch kurz in einem griffigen B-Actioner von der Streaming-Stange, aber als der schnell rekrutierte Nash Cavanough zum Festungssturm aufbricht, werden wir alle paar Minuten mit Rückblenden zum Programm und seiner Flamme Evoli gefoltert, so dass der eigentliche Plot keinen Millimeter voran kommt. Mit diesem Redundanz-Feuerwerk verbringen wir eine geschlagene Dreiviertelstunde, nur um dann mit einer fünfminütigen, nachtdunklen, schlecht geschnittenen und nicht erkennbar choreographierten Actioneinlage abgefrühstückt zu werden. Der arme Eastwood muss daraufhin wieder gepeinigt und wirr in die Ferne blicken, denn schon stehen die nächsten Erinnerungsfetzen an, bevor es kurz vor Schluss zu einem peinlichen Mad Max Donnerkuppel-Gedächtnisduell kommt.

Ach ja, Ex-Edelmime Robert De Niro wollte offenbar aufs Plakat und ganz sicher viel Geld für wenig Arbeit, also stapft er ein paar Minuten als Program-Erfinder und -Sünder durchs trübe Bild und motiviert Eastwood zum Rambo-Auftritt für ganz Arme, bevor das FBI alles dem Erdboden gleichmacht. Hätten’s sie es nur gleich getan, dann hätte irgendeine drittklassige Hardrockband ein nettes Musikvideo für YouTube gehabt. In diesem Sinne, besucht die Herren De Niro, Foxx und Eastwood lieber auf ihren Social Media-Plattformen und -Profilen. Wenigstens haben sie dort eines.

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