Im Jahr 2002 brachte LILO & STITCH eine unerwartet anarchische Note in die Disney Filmographie ein, wie man sie bislang nur einmal in ALADDIN (1992) erlebt hatte (und dieser verdankte das einzig und allein Robin Williams als Dschinn). Es ist müßig, über Sinn und künstlerischen Wert der „Live-Action-Remakes“ zu diskutieren, die Disney seit 2015 produziert, die Neuverfilmungen dienen einzig und allein dem Ertrag und bislang ist noch kein einziger „besserer“ Film bei diesem Unterfangen herausgekommen.
Beim neuen LILO & STITCH handelt es sich dann auch schon gar nicht mehr um ein Remake, sondern eher um ein „Reenactment“: Der Film folgt dem Original so genau, als hätte er Angst, neben die Spur zu geraten, nicht nur die Story und die Gags sind komplett identisch, selbst Einstellungen und einzelne Gesichtsausdrücke entsprechen dem Animationsfilm.
Das ist einerseits schade, denn die Figuren und das Setting hätten Potenzial für neue Geschichten gehabt (die etwas lieblosen DTV-Sequels konnten das Niveau nicht halten). Andererseits bekomnt man als Fan des Originals hier zumindest mal keine völlig verwässerte Variante des Stoffes serviert, die Neuverfilmung ist zwar etwas kitschiger und dramatischer, weniger temporeich und weniger bissig, aber der anarchische Witz funktioniert zumeist noch, Stitch ist herzig animiert und Maia Kealoha als Lilo echt süß, so dass hiermit vielleicht tatsächlich neue Generationen von Kids an den Stoff herangeführt werden.
Interessanterweise ist die einzige nennenswerte Abweichung vom Original auch gleichzeitig ein komödiantisches Highlight des Remakes: Das menschgewordene Duo aus Zach Galafinakis als skrupelloser Wissenschaftler und Billy Magnussen als erdbegeisterter Alien ist noch witziger als seine rein animierten Vorgänger. Von solchen Neuerungen hätte man sich mehr gewünscht.