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Für seine Zeit erstaunlich differnziert gelingt es Raoul Walsh die klassischen Sujets des Kavallerie-Western mit einigen deutlich moderneren Motiven zu verändern. Zum einen löst er sich von den rigiden Moraldogmen, die grade im Western-Genre sonst häufig anzutreffen waren. So lässt sich unser Protagonist Lt. Hazard (etwas blass von Troy Donahue gespielt) zum Beispiel gleich zu Anfang mit der Frau eine anderen Offiziers ein. Ebenso löst sich der Film von der Heroisierung und Beschönigung der US-Kavallerie, wie man sie noch von John Ford und anderen gewohnt war. Vom einfachen Soldaten bis zu allerhöchster Stelle bekommt hier jeder sein Fett weg. Nicht plakativ oder unmotiviert, sondern immer glaubwürdig im Kontext der Handlung oder der Figur untergebracht. Auch die unangenehmen Seiten des Soldatenlebens bleiben nicht unerwähnt und auch Lt. Hazard büßt im Laufe der Handlung einiges von seiner Reinheit ein, wenn er beispielsweise einen Deserteur brutalst für sein Vergehen bestraft. Dabei wird es einem als Zuschauer auch nicht einfach gemacht, auf wen man seine Sympathien verwenden soll, so dass man immer wieder über das Gesehene nachdenkt.
Auch die Darstellung der Indianer gelingt deutlich besser als anderswo. Sie Sind zwar keine Heiligen, aber genau wie bei der Gegenseite löst man sich von der üblichen Schwarz-Weiß-Malerei.

Das Erstaunliche an "Die blaue Eskadron" ist, dass er vor allem in seiner Ideologie und Subtext sich deutlich von anderen US-Western dieser Zeit unterscheidet. Gleichzeitig jedoch schafft er es genau das zu erreichen, in dem auf die gängigen Stereotypen dieses Genres zurückgreift. So darf man in puncto Handlung und Charaktere nichts außergewöhnliches erwarten, aber die Gesamtkonstellation erzeugt eben doch ein ungewohntes Bild. Bedauerlich dabei ist nur, dass der Film dadurch auch dramaturgisch etwas zu vorhersehbar und langatmig daherkommt.

Achtung SPOILER:
Ein besonderses Augenmerk muss man auf das Ende werfen. Lt. Hazard gelingt es, genau wie er es versprochen hat, dass die Unterworfenen Indianer nicht in ein fernes Reservat abgeschoben werden, sondern in ihrer Heimat in Arizona bleiben können, wo sie in einem "schönen Tal" versorgt von den Weißen Leben können. Dass das natürlich vollkommen an der realen Historie vorbeigeht, kann man dem Film als plumpe Geschichtsfälschung vorwerfen, aber das scheint mir nicht die Absicht des Films zu sein. Vielmehr gibt es eine interessante Parallele: Walsh hat mit den Mitteln des klassischen Western ein durch geschickte Komination einen vom Herkömmlichen abweichenden Film produziert, während die Figuren in seinem Film mit derselben historischen Ausgangsbasis wie die Realität, eine bessere Variante der Geschichte geschaffen haben, als es die tatsächlich Historie war. Somit lässt sich die vermeintliche Geschichtsklittierung viel eher als ein utopisches Gedankenexperiment deuten, das Möglichkeiten aufzeigt, die leider nie wahr geworden sind.

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