Al Pacino ist in the House of God. Hallelujah, dann kann ja schon mal nichts mehr schief gehen. Doch Regisseur David Midell, der sich in seinen zwei vorherigen Langfilmen mit schwierigen Themen wie Rassismus und Autismus im Alltag beschäftigte, hatte mit Horror oder gar Exorzismus noch nichts am Hut, was sich leider rasch bemerkbar macht.
Ein Kloster in Earling, Iowa im Oktober 1928: Der noch relativ junge Priester Steiger (Dan Stevens) leidet noch unter dem Tod seines Bruders, da wird er von der Mutter Oberin mit einer ungewöhnlichen Aufgabe konfrontiert. Die vermeintlich psychisch kranke Emma Schmidt (Abigail Cowen) soll hier betreut werden, unterstützt von dem extra angereisten Kapuzinerpriester Reisinger (Al Pacino). Während die Geistlichen in ihrer Weltanschauung recht unterschiedlich ticken, scheint mit Emma etwas vorzugehen…
Der Fall von Emma Schmidt, auch bekannt unter dem Pseudonym Anna Ecklund (Verfilmung 2016) gilt als der am besten dokumentierte Fall von Exorzismus in den USA. Folgerichtig basiert der Stoff auf wahren Begebenheiten, doch weil der Klerus nun mal auch aus Nonnen besteht und Ashley Greene gerade Zeit hatte, ist die ein wenig für die Optik zuständig, welche zuweilen etwas merkwürdig anmutet. Das Zurückgreifen auf Handkameras kann durchaus helfen, um einerseits nah bei den Figuren zu sein und andererseits etwas mehr Leben hereinzubringen, - hier ist dieses Stilmittel mehr als zweifelhaft, obgleich sich grobe Wackler in Grenzen halten.
Was sich ebenfalls in Grenzen hält, sind die Figurenzeichnungen. Steiger und Reisinger unterscheiden sich nur auf oberflächlicher Ebene, da der Jüngere stets nach rationalen Erklärungen sucht und sich verhältnismäßig progressiv gebärdet, während der Ältere entsprechende Erfahrungen sammeln konnte, von denen er allerdings in nur wenigen Minuten am Rande erzählt. Das Hauptaugenmerk liegt indes im titelgebendem Ritual, welches in sechs Abschnitte aufgeteilt wird.
Zwar geht ein großes Lob an die Abteilung Make-up und Computermorphing, doch darüber hinaus ist alles hinlänglich bekannt. Der Einsatz von Weihwasser gehört ebenso dazu wie das Herunterbeten diverser Bibelinhalte, während sich Emmas physischer und psychischer Zustand rapide verändert. Die Verwendung von Fremdsprachen und verschiedene Provokationen gegenüber Anwesenden ist quasi schon Pflicht, doch immerhin darf man zwischenzeitlich minimal zweifeln, ob Dämonen in sie gefahren sind, oder die äußeren Lebensumstände jener bemitleidenswerten Frau eventuell ebenso eine Rolle gespielt haben könnten.
Dieser Punkt wäre womöglich interessant gewesen, doch da es über Emmas Lebenslauf nur wenige valide Fakten gibt, ließ man dieses Feld komplett außer Acht. Ergo gibt es nur einen weiteren, nahezu austauschbar anmutenden Exorzismusfilm, in dem der wandelbare Brite Dan Stevens noch recht viel aus seiner schmalen Rolle herausholt, während Pacino über weite Teile lediglich ablesen muss und eher auf Sparflamme performt. Schade um Cowen, die sich als Emma in jeder Szene redlich müht.
Auf Teufel komm raus funktionieren derartige Filme offenbar nur mit dem nötigen Gespür für eine sich sauber aufbauende Dramaturgie, ein ordentliches Maß an Spannung und vor allem Intensität.
All dies kommt hier deutlich zu kurz.
5 von 10