Review

Auf den Schwingen der Nacht

Was Disney kann, kann Universal auch? Oder gar besser?! Das „Drachenzähmen leicht gemacht“-Live-Action-Remake ist am Start und hält sich fast sklavisch nah an seine beliebte Vorlage - warum auch nicht? Immerhin zähle ich die originale Trilogie zu den besten Trilogien seiner animierten Art, nur knapp hinter „Toy Story 1-3“ - da muss man also gar nicht allzu viel verändern. Oder gar darf nicht?! Jedenfalls erleben wir erneut, wie der missverstandene Wikingerjunge Hicks und Legendendrache Ohnezahn zueinander finden und die Welt, die Historie, die Feindschaft ihrer Rassen auf den Kopf stellen…

Drachen kommen nicht aus der Mode…?!

Muss man eine solche runde Sache wie das Original remaken? Muss Disney da wirklich „Vorbild“ sein? Habe ich wirklich Bock darauf? Kann man diese Millionen nicht in neue Ideen und mehr Mut stecken? Solche Fragen habe (sicher nicht nur) ich mir vor diesem Kinobesuch schon gestellt. Ich war sehr kritisch, bin in einem extremen Tief was solche Aufgüsse und teilweise Bankrotterklärungen Hollywoods betrifft. Tja, und dann kommt dieser „Drachenzähmen leicht gemacht“ - und haut mich ziemlich um! Obwohl er so nah am Original ist. Obwohl man das alles schon kennt. Obwohl man solchen unkreativen Neuauflagen eigentlich überdrüssig ist. Obwohl ich selbst danach noch jederzeit zum Animationsklassiker greifen kann und werde. Und trotzdem hatte mich diese Realfilmversion sehr schnell am Schlafittchen und am Ende auch leicht am Taschentuch. Gerard Butler habe ich lange nicht mehr so engagiert gesehen. Ihm liegt spürbar etwas an dem Franchise. Der heroische Score ist und bleibt einer der größten Gänsehauttreiber seit der Jahrtausendwende. Der junge und mir unbekannte Hauptdarsteller macht einen guten Job, seine Chemie mit Ohnezahn ist definitiv da und bemerkenswert, das Herz des Films. Die meisten Effekte und Bauten und Kostüme und vor allem Drachen sind mindestens annehmbar. Und das finale, fast videospielartige „Kaijubattle“ („Shadow of the Colossud“ lässt grüßen) presst einen förmlich in den Sessel. Ja, all das hat auch das Original. Ja, der ganz bombastische Wow-Effekt, der allerletzte Charmefunken und die erzählerischen Überraschungen sind vielleicht weg oder stark abgemildert. Und trotzdem geht diese Rechnung noch immer auf - zuverlässig und genau wie Mathematik…

Fazit: selbst wenn ich dabei bleibe und zu „How To Train Your Dragon“ kein Live-Action-Remake brauchte… Es ist schwer einen dermaßen kompetenten, epischen, emotionalen und einfach funktionierenden Film samt erprobtem Grundgerüst ernsthaft zu kritisieren. Zudem weiterhin potentes Plädoyer der Völker- und Rassenverständigung, gegen den Kreislauf der Gewalt und des Hasses. Auch in dieser Version ist das packend, stark und berührend!

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