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Zach Creggers BARBARIAN war ein kleiner Genre-Überraschungserfolg, kein Meisterwerk, aber ein twisty Horrorthriller, der munter die Subgenres wechselte und erst gegen Ende den Bogen etwas überspannte. Sein neuer Film geht mit derart vielen Vorschusslorbeeren an den Start, dass man schon vom diesjährigen LONGLEGS-Effekt sprechen könnte. Mit diesem hat er nicht nur das Trailerkonzept gemeinsam (minimaler Inhalt, maximale Atmosphäre), sondern auch noch einige andere Parallelen, ist Osgood Perkins’ gehyptem Serial Killer-Movie aber insgesamt weit überlegen. Insbesondere im schlüssigen Storytelling. 

Der größte „What the Fuck“-Moment in BARBARIAN wird durch einen völlig überraschenden Schnitt abgebrochen und ein ähnliches Prinzip verfolgt Cregger auch hier: Die Geschichte der 17 in einer Nacht spurlos verschwundenen Kinder wird aus der Perspektive verschiedener Figuren gezeigt, die Handlungen überschneiden sich und die Story wird auf diese Weise immer einen entscheidenden Dreh weitererzählt, bis sie an anderer Stelle wieder neu beginnt. Dieser strukturelle Kniff ist nicht neu, wird hier aber besonders effektiv genutzt. 

Im Gegensatz zu vielen anderen auch zeitgenössischen Horrorfilmen gelingt WEAPONS sogar eine überraschend schlüssige Auflösung seiner Geschichte. Kritisch betrachtet könnte man sagen, dass sie für einen Hororfilm vielleicht sogar zu logisch ist. Wenn alle Mysterien geklärt sind, kann man im Grunde ja beruhigt schlafen gehen. 

Doch WEAPONS wirkt trotzdem nach. Denn Cregger spielt, wie es so schön heißt, die komplette Klaviatur der Genrestilmittel durch – von der Slow Burn-Spannung über den Traum im Traum und heftige Jumpscares bis hin zum blanken Terror, von der langen, beunruhigenden Kamerafahrt im (sehr) dunklen Raum bis zum Sparschäler-Splatter. Kein Film seit IT FOLLOWS und dem ersten SMILE hatte eine solch durchgängig unheimliche Atmosphäre, gepaart mit echten WTF-Momenten. Dabei kippt der Film nicht selten in einen absurden Humor, bei dem man sich nicht sicher ist, ob man lachen soll, oder einfach nur den Mund offenlassen.

Die Schauspieler:innen sind allesamt exzellent, allen voran Julia Garner, die hier weit mehr als die verhuschte Lehrerin des Trailers spielen darf. Alden Ehrenreich ist hier im Charakterfach deutlich besser aufgehoben als im STAR WARS Universum und Josh Brolin füllt dankbarerweise die Lücke des ursprünglich vorgesehenen, aber ohnehin omnipräsenten Pedro Pascal bestens aus. Die „Geheimwaffe“ (sic) des Films ist jedoch eine Nebenfigur, die erst spät ihren Weg in den Film findet – eine weitere der schönen Überraschungen, die WEAPONS zu bieten hat.

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