Review

kurz angerissen

Der Horrorfilm bleibt das vitalste, kreativste, ideenreichste Genre der Gegenwart. Mancher Kritiker ist zwar inzwischen dazu übergegangen, unter dem Sammelbegriff „Elevated Horror“ alles despektierlich über einen Kamm zu scheren, was sich nicht den stumpfen Regeln des instinktgesteuerten Proto-Horrors unterwirft (eine interessante Umkehr gegenüber der Filmkritik in der Zeit der Video Nasties, die genau umgekehrt argumentierte), aber an „Weapons“ lässt sich nur wenig Gleichförmiges finden. Einen Film mit einer solchen Struktur hat es jedenfalls in der gesamten laufenden Welle nicht gegeben. Julia Garner als vermeintliche Hauptdarstellerin einzuführen, um schließlich den Blick durch die Vorstadt schweifen zu lassen und mal dieser, mal jener Figur hinein in den Kern des großen Mysteriums zu folgen, das ist ein progressiver Ansatz, der Erwartungen unterläuft anstatt ihnen gefallen zu wollen.

Gegenüber „Barbarian“ hat Zach Cregger außerdem eine Menge dazugelernt. Immer noch wirkt manche Fratze affektiert, mancher Symbolismus plakativ. Aber im gesamten Aufbau spielt er mit erschreckender Präzision auf der Klaviatur des Grauens vor den unsichtbaren Kräften, mit denen die Ordnung des geregelten Alltags aus den Fugen gerät. Dass das Böse in seinem Film letztlich eine derart profane Manifestation erfährt, nimmt einigen Szenen den Grusel (und fügt dem Rezept eine dissonante Note schwarzen Humors hinzu), multipliziert ihn aber dafür in der Nachbetrachtung. Wir stören uns seit Jahren daran, dass es dem Kino zwar kaum an Helden, dafür aber ganz enorm an starken Antagonisten mangelt. Hier spart man sich ausnahmsweise mal an großen Heldenposen und investiert lieber in ein Modell des Bösen, das die Imaginationskraft von Meisterhand zu manipulieren weiß.

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