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„Hier gibt’s nichts zu sehen!“

Nach der eher konventionellen (nichtsdestotrotz gelungenen) Komödie „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“ besann sich das US-Trio David Zucker, Jim Abrahams und Jerry Zucker (kurz: „ZAZ“) wieder auf seine Fähigkeiten im Spoof-Bereich und wärmte eine Idee wieder auf, die bereits ein paar Jahre auf dem Buckel hatte: die der US-Polizeifilm-Parodie, die bereits 1982 in Form der kurzlebigen und offenbar nicht sonderlich erfolgreichen Serie „Police Squad“ umgesetzt wurde – schon damals mit Leslie Nielsen in der Hauptrolle. „Die nackte Kanone“ ist der Titel des abendfüllenden Kinofilms, der von alle dreien geschrieben und von David Zucker inszeniert wurde. Er startete im Dezember 1988 in den US-Kinos, trat im Folgejahr seinen europäischen Siegeszeug an und wurde einer der erfolgreichsten und bekanntesten „ZAZ“-Filme.

Lt. Frank Drebin (Leslie Nielsen) ist Teil einer sehr speziellen Spezialeinheit der US-Polizei und wird damit betraut, für den Schutz der britischen Königin während ihres US-Besuchs Sorge zu tragen. Der Industriellenschurke Vincent Ludwig (Ricardo Montalban, „Star Trek – Der Zorn des Khan“) hingegen plant das exakte Gegenteil: ein Attentat auf die Queen! Er ist es auch, der Drebins Kollegen Nordberg (O.J. Simpson, „Cassandra Crossing“) hat niederschießen lassen. Drebin begibt sich zusammen seinem Partner Ed (George Kennedy, „Vor Morgengrauen“) auf die Spur des Fieslings, der jedoch seine attraktive Handlangerin Jane Spencer (Priscilla Presley, „Dallas“) auf ihn angesetzt hat. Wird es ihr gelingen, den tapferen Polizisten um den Finger zu wickeln? Oder bleibt Drebin standhaft und kann Ludwigs sinistre Pläne durchkreuzen?

„Man geht schon ein Risiko ein, wenn man morgens aufsteht, über die Straße geht und sein Gesicht in einen Ventilator steckt.“

Im Prolog treffen sich von Schauspielern verkörperte, nichtsdestotrotz reale Staatsoberhäupter konspirativ zwecks Gründung einer terroristischen Vereinigung – und werden von Frank Drebin verprügelt. Von letztlich erfolgreich gewesener Entspannungspolitik ist hier keine Spur und ungeachtet dessen, wie parodistisch diese Sequenz gemeint ist, dürften sämtliche US-Chauvis applaudiert haben, wie Drebin hier mit den Feinden der USA kurzen Prozess macht. Auf diesen eher unangenehmen Einstieg und den ikonischen Vorspann mit der Polizeiwagen-Point-of-view-Perspektive folgt ein regelrechter Slapstick-Overkill O.J. Simpsons im Todeskampf, bevor sich der Film zwischen vorzüglich Klischees karikierender Polizeifilmparodie, ungezügelter Slapstick-Posse, oft recht stumpfem Sprachwitz und Running-Gag-Abfolge einpendelt. Doch „Die nackte Kanone“ zitiert, persifliert und referenziert auch auf Spielfilme über das Polizeifilm-Genre hinaus und bekommt durch seine „Casablanca“-Verballhornung sogar einen Film-noir-Touch. Im letzten Drittel gerät „Die nackte Kanone“ schließlich zu einer Art Baseball-Parodie. Eines seiner Markenzeichen ist es zudem, zahlreiche Gags im Hintergrund des jeweils Fokussierten abzuspielen, die sich vermutlich unmöglich alle während der Erstsichtung erfassen lassen.

Auf diese spezielle, bereits in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ erprobte Weise werden das chaotische Gag-Feuerwerk und die wenig homogene Handlung vom knochentrockenen Auftreten Drebins und seines Vorgesetzten kontrastiert. Nur selten grimassiert Nielsen in seiner Rolle, die er ansonsten mit all seiner Erfahrung als Darsteller seriöser Film- und Fernsehrollen mit einem Ernst absolviert, der erst den besonderen Charme der „nackten Kanone“ ausmacht. Dieser Kontrast wird auch durch Drebins Voice-over-Narration erzeugt, die von den sichtbaren realen Ereignissen oder vielmehr Pleiten, Pannen und Katastrophen ad absurdum geführt wird. Herrlich abstruse Nonsens-Mono- und Dialoge runden diese Figur und ihr souveränes Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit ab. Auch die ihn sich aufreißende Priscilla Presley spielt das wunderbar mit, beide haben herrlich schräge Szenen miteinander. Diverse Gastauftritte bereichern zudem den Film, von denen mir insbesondere der des Parodisten Weird A Yankovic ins Auge stach.

Es ist durchaus bemerkenswert, wie dem „Zaz“-Trio mit „Die nackte Kanone“ noch einmal ein echter Paukenschlag gelang, der Leslie Nielsen eine Art zweiten oder dritten Frühling bescherte und als fast unantastbarer Kultfilm gilt. Dabei war schon damals längst nicht jeder Witz gelungen, schon gar nicht geschmackssicher oder feinsinnig, und zuweilen hat an diesem Klamauk natürlich auch der Zahn der Zeit genagt. Dafür hat sich „Die nackte Kanone“ aber ins kollektive popkulturelle Gedächtnis eingebrannt und ist für Cinephile aufgrund seines Spoof-Charakters und der Vielzahl an Filmzitaten sogar interessanter als durch die einzelnen Gags an sich. Die beiden Fortsetzungen konnten da hingegen nicht ganz mithalten.

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