Fliegen die zwei mächtigsten Männer der Welt in die Luft…
Actionspezi Ilya Naishuller darf für Amazon einiges an Geld verprassen und lässt mit „Heads of State“ den amerikanischen Präsidenten und den britischen Premier gegen einen Terroristenring antreten und durch Europa jetten, fahren und vor allem schießen… Irgendwo im Streamingbrei zwischen neuer Schule a la „Nobody“ oder „Kingsmen“, mittelalter Schule a la „White House Down“ und klitzekleinen Funken alter Schule a la „Last Boy Scout“ oder gar John Woo…
Eine Frage der Fallhöhe
Ich glaube „Heads of State“ überrascht ein wenig positiv im aktuellen Klima - wenn man mit so etwas wie „Red Notice“, „Ghosted“, „G20“ oder „The Gray Man“ vergleicht. Wenn man „Die Hard“ und andere All-Time-Bummbumm-Vehikel heranzieht, dann natürlich nicht. Aber in der aktuellen Flora und Fauna des Actionallerleis geht Naishullers Ballerorgie zweier Staatsoberhäupter ganz solide durch. Die satten zwei Stunden Laufzeit lassen ihn breiter und epischer erscheinen als er ist, wirklicher Leerlauf kommt dennoch nicht auf, Cena und Elba haben durchaus Bock drauf und Chemie untereinander, ihre Charaktere sind immerhin nicht die reinsten Abziehbildchen, die Effekte sehen zumindest nicht alle für die Tonne aus und das Tempo wird durchgehend hochgehalten. Da merkt man schon, dass Naishuller weiß, was er tut, was er will und am Start hat, wen er zu zitieren hat und wann er augenzwinkern muss. Daher schafft „Heads of State“ den Ritt auf der Rasierklinge zwischen einigen sehr weit gefächerten und unterschiedlichen Actionzielgruppen, Altersklassen und Zuschauern allgemein. Für eine Filmrunde mit gleichgesinnten Buddies, lockeren Gesprächen zwischendurch und ein paar Weizenhopfen geht das überraschend deutlich klar, tut nie weh, hat nie zu lang Stillstand. Recht egal oder ganz sicher nicht in die Actionannalen eingehend ist’s trotzdem. Erstaunlich und ernüchternd ist auch wie klinisch und künstlich der „pompöse“ Score tönt, wie austauschbar Nebenfiguren weggeballert werden, wie runtergedampft Blutzoll und Gewaltgrad sind, was ein weiterer Indikator dafür ist, dass Naishuller von Amazon den unmissverständlichen Auftrag bekommen hat, so viele Zuschauer und positiv überraschte Gewohnheitsgucker wie möglich an Bord zu holen…
Fazit: für aktuelle Streaming-Action-Blockbuster-Ware absolut in Ordnung und launig. Im Großen und Ganzen aber immer noch recht austauschbar, blutleer und egal. Weh tut's aber nicht.